{"id":7617,"date":"2024-12-25T21:55:10","date_gmt":"2024-12-25T21:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/12\/25\/19-12-2024-weihnachtliches-crossover-von-baenkelgesang-und-geistlichem-lied\/"},"modified":"2024-12-25T21:55:10","modified_gmt":"2024-12-25T21:55:10","slug":"19-12-2024-weihnachtliches-crossover-von-baenkelgesang-und-geistlichem-lied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/12\/25\/19-12-2024-weihnachtliches-crossover-von-baenkelgesang-und-geistlichem-lied\/","title":{"rendered":"19.12.2024 \u201eWeihnachtliches Crossover von B\u00e4nkelgesang und geistlichem Lied\u201c"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div>\n<h2><span>Ein Artikel zur freien Verwendung in Ihren Medien\u00a0<\/span><\/h2>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,\u00a0<\/p>\n<p>\u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c- das ist eines der meistgesungenen deutschsprachigen Weihnachtslieder, ein echter Klassiker. Aber das Lied ist nicht nur sehr beliebt \u2013 es hat auch eine spannende Entstehungsgeschichte. Denn Martin Luther bringt in Melodie und Textaufbau verschiedene Gattungen seiner Zeit zusammen, um seine Botschaft zu verbreiten, unter anderem das sogenannte \u201eZeitungslied\u201c, mit dem zu seiner Zeit fahrende S\u00e4nger auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen Nachrichten aus der weiten Welt verk\u00fcndeten.\u00a0<\/p>\n<p>Dr. Susanne Schenk, theologische Referentin von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, erz\u00e4hlt in folgendem Text die Geschichte des Liedes. Gerne d\u00fcrfen Sie den Artikel ganz oder in Ausz\u00fcgen in Ihren Medien nutzen. Ein Foto von Dr. Susanne Schenk finden Sie im <u>Pressebereich unserer Webseite elk-wue.de<\/u>.\u00a0<\/p>\n<p>Dan Peter\u00a0<br \/>Sprecher der Landeskirche \u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Vom Himmel hoch, da komm ich her: \u201eWeihnachtliches Crossover von B\u00e4nkelgesang und geistlichem Lied\u201c\u00a0<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c. Mit diesem Lied hat Martin Luther (1483\u20131546) an der Jahreswende 1534\/35 einen weihnachtlichen Gassenhauer geschaffen, der alle Jahre wieder landauf, landab gesungen wird und erklingt. Seine 15 Strophen erschienen zuerst 1535 im Gesangbuch des Wittenberger Buchdruckers Joseph Klug (gest. 1552), einem der Pioniere der 500j\u00e4hrigen evangelischen Gesangbuchgeschichte. Luthers Melodie, mit der das Lied heute bekannt ist, stammt von 1539; sie hat durch die Jahrhunderte Liederdichter und Komponisten zu eigenen Werken inspiriert.\u00a0<\/p>\n<p>Martin Luther ist seit seiner Kindheit ein passionierter S\u00e4nger und Musiker. Als Sch\u00fcler erfreut er mit seiner sch\u00f6nen Stimme zum Beispiel Ursula Cotta, die B\u00fcrgermeisterin von Eisenach. W\u00e4hrend des Studiums verletzt Martinus sich an seinem Degen \u2013 und nutzt die Genesungszeit, um das Lautespielen zu erlernen; er probiert aus, improvisiert und singt dazu mit seiner inzwischen zum Tenor gereiften Stimme. Nach dem Eintritt ins Kloster pr\u00e4gt der Gesang der Stundengebete seine Tage. Als Luther 1534 seinen weihnachtlichen Gassenhauer dichtet, ist er mittlerweile Theologieprofessor und seit zehn Jahren mit der einstigen Nonne Katharina von Bora verheiratet. In seiner gro\u00dfen Familie singen alle gern. Luthers Schreiben, Dichten und Komponieren geschieht zwischen Kindergesang und Babywiege.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>\u201eZeitungslied\u201c als Vorbild<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eVom Himmel hoch\u201c er\u00f6ffnet einen Einblick in die Werkstatt des Liedermachers. Es l\u00e4sst erkennen, wie Luther vorhandenes Material verwendet und daraus etwas Neues schafft. Ausgehend von der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums nimmt Luther die Dramaturgie des mittelalterlichen Krippenspiels sowie die Bildwelt oberrheinischer Mystik auf und verbindet sie mit einem aktuellen sogenannten \u201eZeitungslied\u201c zu einem genialen weihnachtlichen Crossover: Eine Kreuzung von B\u00e4nkelgesang und geistlichem Lied, von Himmel und Erde, von Damals und Heute.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eIch kumm aus fremden Landen her und bring euch viel der neuen M\u00e4r. Der neuen M\u00e4r bring ich so viel, mehr dann ich euch hie sagen will.\u201c So lautet die erste Strophe eines \u201eZeitungsliedes\u201c, mit dem fahrende S\u00e4nger auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen Nachrichten aus der weiten Welt verk\u00fcndeten \u2013 je sensationeller, desto besser. \u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c greift nicht nur die einleitende Strophe des damals bekannten Liedes nahezu w\u00f6rtlich auf, sondern beh\u00e4lt zun\u00e4chst auch die fanfarenhafte Melodie des B\u00e4nkels\u00e4ngers bei \u2013 diese findet sich heute noch beim Weihnachtslied \u201eVom Himmel kam der Engel Schar\u201c. Luther macht das Zeitungslied zum Weihnachtslied \u2013 und so die Weihnachtsbotschaft zur Zeitungsnachricht. Was die Gemeinde in der Kirche singt und die Familie im Haus, die Botschaft von der Geburt des Kindes, das ist eine sensationelle Freudennachricht, eine \u201egute M\u00e4r\u201c f\u00fcr \u201ealle Welt\u201c.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Eine theologische und schriftstellerische Meisterleistung<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Nur drei kurze Strophen braucht das Lied, um die frohe Botschaft des Evangeliums zusammenzufassen \u2013 eine theologische wie schriftstellerische Meisterleistung. An Weihnachten kreuzen sich Himmel und Erde, Gott und Mensch: Das \u201eKindelein so zart und fein\u201c ist \u201eGott, der will euch f\u00fchrn aus aller Not\u201c. Gott kommt zur Erde, um den Menschen den Himmel zu \u00f6ffnen: \u201edass ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich\u201c.\u00a0<\/p>\n<p><strong>H\u00f6fische K\u00f6nigsverehrung und kindliche Sprache<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Wie beim Krippenspiel folgt auf die Verk\u00fcndigung des Engels der Aufbruch vom Feld zur Krippe: \u201eDes lasst uns alle fr\u00f6hlich sein und mit den Hirten gehen hinein\u201c. So werden die Singenden ausdr\u00fccklich Teil des Spiels und das Damals mit dem Heute verschr\u00e4nkt. Traditionelles Ziel des Krippenspiels ist die betrachtende Anbetung. Die Singenden ehren den \u201eK\u00f6nig gro\u00df und reich\u201c, der sich frei von jeder Bindung an \u201ealler Welt Macht, Ehr und Gut\u201c mit dem Kleinen gemein macht und ins \u201eElend her zu mir\u201c kommt. Angesichts des Neugeborenen kontrastiert das Lied den hohen h\u00f6fischen Ton der K\u00f6nigsverehrung mit dem z\u00e4rtlichen Klang kindlicher Sprache \u2013 im Haufenreim von Kindelein, Krippelein, Jesulein, Bettelein.\u00a0<\/p>\n<p>Die Szenerie der Krippe ist gut besetzt; Engel, Hirten und das Kind, selbst Ochs und Esel werden besungen. Doch wo bleibt Maria, die Mutter des Kindes? Die Lieblingsrolle vieler Kinder beim Krippenspiel scheint im Lied zun\u00e4chst unbesetzt. Doch beim n\u00e4heren Hinh\u00f6ren wird deutlich: Sie steht im Zentrum, auf gewisse Weise nimmt die singende Person schlie\u00dflich selbst die Rolle der Mutter Jesu ein. Die 13. Strophe greift die mystische Vorstellung von der Gottesgeburt im Herzen auf, wie sie Johannes Tauler (gest. 1361) zum Schluss seiner Weihnachtspredigt formuliert: \u201eDass wir nun alle dieser edlen Geburt eine St\u00e4tte in uns bereiten, so dass wir wahre geistliche M\u00fctter werden, dazu helfe uns Gott.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Geistliche Mutter und B\u00e4nkels\u00e4nger \u2013 beide Rollen geh\u00f6ren zusammen, wo Gott zur Welt kommt. Das hat Luther vor 490 Jahren gedichtet und vertont. Und da zu seiner Zeit mit Weihnachten noch das neue Kalenderjahr begann, schlie\u00dft das Lied mit einem Neujahrsgru\u00df.\u00a0<\/p>\n<p><i>Dr. Susanne Schenk, theologische Referentin des Landesbischofs<\/i>\u00a0<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Artikel zur freien Verwendung in Ihren Medien\u00a0 Sehr geehrte Damen und Herren,\u00a0 \u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c-<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7617"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7617\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}