{"id":7683,"date":"2025-01-20T17:52:49","date_gmt":"2025-01-20T17:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/01\/20\/ja-manchmal-ist-es-mir-zu-langsam-gegangen-ekd\/"},"modified":"2025-01-20T17:52:51","modified_gmt":"2025-01-20T17:52:51","slug":"ja-manchmal-ist-es-mir-zu-langsam-gegangen-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/01\/20\/ja-manchmal-ist-es-mir-zu-langsam-gegangen-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eJa, manchmal ist es mir zu langsam gegangen\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p><em>Wie sieht Ihr pers\u00f6nlicher R\u00fcckblick auf das vergangene Jahr aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Wir hatten unglaublich viel Arbeit im BeFo, um die Empfehlungen der ForuM-Studie zu \u00fcber-setzen in einen Ma\u00dfnahmenplan. Welche Ma\u00dfnahmen passen zu welcher Empfehlung, wie passt alles zusammen? Wo k\u00f6nnen sie in bestehende Strukturen eingebaut werden und wo muss etwas Neues installiert oder bedacht werden?<\/p>\n<p><strong>Zander:<\/strong> Ich habe mich erst mal pers\u00f6nlich intensiv mit der Studie auseinandergesetzt. Da entstanden viele Fragen, die ich f\u00fcr mich beantworten musste. Und dann haben wir nat\u00fcrlich im BeFo unheimlich viel geleistet. Dabei ging es nicht nur um den Ma\u00dfnahmenkatalog, auch um die Aner-kennungsrichtlinie, um die Disziplinarverfahren und um den Start der Vernetzungsplattform BeNe. Diese intensive Arbeit hat uns sehr gest\u00e4rkt im BeFo. Wir sind noch handlungsf\u00e4higer und stabiler geworden. R\u00fcckblickend war es nicht immer einfach, aber das muss es ja auch nicht sein.<\/p>\n<p><em>Haben Sie denn den Eindruck, dass auch die Akzeptanz des BeFo in den kirchlichen Gremien im letzten Jahr zugenommen hat?<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Ich glaube da muss man Unterschiede machen. Wir erleben die Zusammenarbeit mit Rat, Kirchenkonferenz, mit Fachstellen, auch mit der Synode deutlich mehr auf Augenh\u00f6he als fr\u00fcher. Wir werden anerkannt, auch gerade als Betroffenenvertretung mit Expertise. Wir werden viel mehr von Landessynoden oder Tagungen angefragt. Man profitiert gerne von unserem vielf\u00e4ltigen Wissen, was wir mittlerweile mitbringen. Wir haben beispielsweise die Gemeinsame Erkl\u00e4rung der EKD, Diakonie und UBSKM von vornherein mitgedacht und strukturiert und tragen sie jetzt in die Breite, wo sie gerade mit dem Aufbau der Unabh\u00e4ngigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen (URAK) in der Umsetzung ist. Da entstehen Nachfragen. Auch von anderen Betroffenen auch noch mal angefragt werden, wie habt ihr es euch denn eigentlich gedacht? Wie k\u00f6nnen wir uns da eigentlich auch st\u00e4rker machen? Das ist so ein Teil, wo wir nat\u00fcrlich eine gute Resonanz bekommen, und auch akzeptiert werden im Beteiligungsforum.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere Stimmen, die sagen, dass wir eben nur einen kleinen Teil von betroffenen Personen vertreten und nicht f\u00fcr alle sprechen k\u00f6nnen. Von denen wird unsere Arbeit angezweifelt, das ist v\u00f6llig legitim. Es braucht einfach unterschiedliche Zugangswege \u2013 und wir haben uns eben f\u00fcr das Beteiligungsforum entschieden, das mittlerweile eine hohe Akzeptanz hat. Unsere Meinung z\u00e4hlt. Manchmal m\u00fcssen wir einfach immer noch mal hartn\u00e4ckig sein und k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Herr Zander, Sie hatten auch vor der Synode schon angedeutet, dass Sie sich bei der Anerkennungsrichtlinie ein schnelleres Verfahren gew\u00fcnscht h\u00e4tten. Kann man sagen, dass dieser Prozess sich schwieriger gestaltet hat als vorher gedacht?<\/em><\/p>\n<p><strong>Zander:<\/strong> Also ich muss ganz ehrlich sagen, das ist f\u00fcr mich immer noch das dickste Brett. Zu Recht gibt es da eine hohe Erwartungshaltung von vielen Betroffenen. Ich muss f\u00fcr mich sagen, ja, manchmal ist mir es zu langsam gegangen. Aber wenn man dann in der AG so tief in den Details und Strukturen ist, dann muss ich anerkennen: Die Kritik ist zu relativieren. Gut, man h\u00e4tte vielleicht die Personen, die in den Stellungnahmeverfahren mitreden, fr\u00fcher einbeziehen k\u00f6nnen. Aber r\u00fcckblickend ist es dennoch ein Meilenstein. Wir haben da noch zu bohren, aber ich bin hundertprozentig sicher, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.<br \/>Wir m\u00fcssen auch anschauen, wo wir eigentlich hergekommen sind. Dass wir jetzt in solchen Gremien sitzen und da mitentscheiden und mitgestalten, das h\u00e4tte ich mir vor zweieinhalb Jahren so \u00fcberhaupt nicht vorstellen k\u00f6nnen. Das ist auch eine Riesenverantwortung. Womit ich pers\u00f6nlich immer wieder zu k\u00e4mpfen habe, ist der sch\u00e4rfer werdende Ton der Kritik. Aber so ist es momentan. Man kritisiert schnell \u00fcber soziale Medien \u2013 auch deshalb, weil die Erwartungshaltung sehr gro\u00df ist und weil die meisten Betroffenen jetzt auch einen Punkt sehen wollen. Das verstehe ich.<\/p>\n<p><em>Meinen Sie mit der Kritik, die Sie ansprechen, externe Kritik von anderen Betroffenen, die Ihnen vorwerfen, sie seien gar nicht demokratisch legitimiert, oder meinen Sie auch innerkirchliche Kritik?<\/em><\/p>\n<p><strong>Zander:<\/strong> Sowohl als auch. Ja, es gibt es auch in der Kirche Stimmen, die sagen: Ja, was wollt ihr eigentlich im Beteiligungsforum? Das wird nicht so offen kommuniziert, sondern man kriegt es dann ab, wenn man intensiver ins Gespr\u00e4ch geht. Die externe Kritik, die Sie gerade angesprochen haben, die h\u00e4tte ich fr\u00fcher auch so ge\u00e4u\u00dfert. Ich musste dann aber lernen, und das sage ich auch vielen Betroffenen immer wieder, dass wir tats\u00e4chlich ein politisches Gremium sind. Politik hei\u00dft Kompromisse zu schlie\u00dfen und eben nicht auf meinen Gespr\u00e4chspartner \u201eeinzuschlagen\u201c. Dann macht der n\u00e4mlich irgendwann zu. Jeder sollte mal sich selbst befragen: An welcher Bushaltestelle stehe ich eigentlich? Immer noch an der gleichen? Und warum sind die anderen f\u00fcnf Haltestellen weiter?<\/p>\n<p><em>Frau Janz, sie haben ja auch Kritik abbekommen, besonders beim Start des digitalen Betroffenennetzwerks BeNe, in das Sie viel Herzblut gesteckt haben. War das nicht auch sehr verletzend?<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Na ja, ich glaub da geht es darum, die Rollen klar zu haben. Also das eine ist unser pers\u00f6nliches Engagement, das viel Zeit und Energie einnimmt und auch immer wieder eine Konfrontation mit unseren eigenen Erlebnissen ist. Und wenn man dann so pers\u00f6nlich angegriffen wird, dann l\u00e4sst einen das nat\u00fcrlich nicht kalt. Gleichzeitig sind wir auch in einer Rolle, in der wir eben eine Personengruppe repr\u00e4sentieren. Und so ist es eben bei BeNe auch gewesen. Wir haben als AG viel Herzblut reingegeben, um BeNe \u00fcberhaupt ins Leben zu rufen. Im Lauf der Zeit merkt man dann, das passt doch nicht und wir m\u00fcssen was ver\u00e4ndern. Dann ist es schwierig, die beiden Rollen klar zu trennen: einerseits nicht verletzt zu sein, aber gleichzeitig zu wissen, okay, die haben Recht, das ist noch nicht gut. Dann braucht es unsererseits eine gro\u00dfe Resilienz und eine Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><em>Wie wird sich die Arbeit im BeFo durch den neuen Gaststatus ver\u00e4ndern, \u00fcber den sechs neue betroffene Personen in die Arbeitsgruppen kommen? Die Sacharbeit ist ja sehr diffizil und voraussetzungsreich.<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Das war genau der Grund, warum wir den Gaststatus in den Arbeitsgruppen und nicht sofort das Einsteigen ins Beteiligungsforum gew\u00e4hlt haben. Weil wir selber erfahren haben, wie schwierig es ist, sich in diese komplex-komplizierte Kirchen- und Diakoniestruktur einzuarbeiten. In den Arbeitsgruppen kann man das in einem umgrenzten Bereich erstmal kennelernen \u2013 mit einer Patenschaft, mit der man sich austauschen kann, um sich nach dieser Zeit im Gaststatus entscheiden zu k\u00f6nnen: Bin ich bereit mehr zu machen oder m\u00f6chte ich eher in der AG-Struktur bleiben, weil ich mich da doch sicherer f\u00fchle? Wir brauchen im BeFo Unterst\u00fctzung von Leuten, die stabil dabeibleiben und nicht im Laufen feststellen: \u201eOh, ich pack das eigentlich gar nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zander:<\/strong> Das m\u00f6chte ich noch erg\u00e4nzen. Wir sp\u00fcren gerade, dass alles im Wandel ist, unruhig und nerv\u00f6s. Das bin ich auch, muss ich ganz ehrlich sagen, weil wir jetzt zwei Jahre so intensiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Man wei\u00df genau, wie der andere tickt, und oft wird Vertrauliches besprochen. Ich habe von Grund auf immer ein bisschen Schwierigkeiten mit dem Vertrauen. Deshalb habe ich ein bisschen Angst, dass da etwas passieren k\u00f6nnte. Also ich sage jetzt bewusst \u00bbk\u00f6nnte\u00ab. Andererseits ist es gut, dass unsere Arbeit jetzt ge\u00f6ffnet wird. Immer nur am Spielrand zu stehen und zu schreien, das bringt ja auch nichts. Deswegen finde ich das gut und ich glaube da liegt es dann auch an uns und auch an mir. Auch an den Pat*innen im BeFo, die dann die G\u00e4ste gut f\u00fchren und bei Problemen beraten.<\/p>\n<p><em>Wie ist das, wenn jetzt die URAK die Arbeit aufnehmen? Wird das BeFo dann von einigen Aufgaben entlastet oder ist es eher noch schwieriger, weil man die URAK ja irgendwie koordinieren muss?<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Die URAK sollen dann selbstst\u00e4ndig laufen. Wir als BeFo, als AG Aufarbeitung, haben diesen ganzen Werdegang mitbegleitet, der in der Verantwortung der jeweiligen Landeskirchen und der diakonischen Verb\u00e4nde liegt. Sobald die Gesch\u00e4ftsleitungen der URAK eingesetzt sind, entscheiden sie selber, wie ihre Arbeitsweise ist. Wir sind da nicht mehr koordinierend dabei, bleiben aber weiter ansprechbar, falls es Fragen zur Gemeinsamen Erkl\u00e4rung oder ihrer Ver\u00e4nderung gibt. Aber die URAK sind auch keine Entlastung, weil nun wieder Platz geschaffen ist f\u00fcr den n\u00e4chsten Arbeitsauftrag.<\/p>\n<p><em>Sie beide hatten im letzten Jahr ein unglaubliches Programm. Sie waren neben der intensiven \u2013 und ehrenamtlichen \u2013 Mitarbeit im BeFo auf Tagungen vertreten, auf Synoden, Sie haben sich um Medienanfragen gek\u00fcmmert und Sie, Herr Zander, haben dazu einen sehr beeindruckenden Kinofilm praktisch in ganz Deutschland vorgestellt. Das muss doch eine enorme Belastung gewesen sein oder hat Ihnen das durch den Erfolg auch Energie gegeben?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Zander:<\/strong> Also f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist das tats\u00e4chlich keine Belastung, denn wenn Sie wirklich was mit Herzblut machen, dann sind Sie dabei und dann haben Sie ein Ziel. Mein Ziel ist, dass kein Kind mehr aus einer Institution entlassen wird mit so einer Hypothek, wie ich sie zu tragen habe. Daf\u00fcr will ich sensibilisieren, immer und immer wieder. Von daher ist mir die Arbeit \u00fcberhaupt nicht zu viel. Im Gegenteil, ich mache es wirklich gern. Das bin ich mir schuldig, das bin ich der n\u00e4chsten Generation schuldig und das bin ich aber auch den jungen Theologen und Theologinnen schuldig, die ja das Ganze letztendlich umsetzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Also es war schon ein ziemlich anstrengendes Jahr. Ich habe einen Job, ich habe Familie und wenn meine Familie mich dann nicht immer wieder so unterst\u00fctzen und mir den R\u00fccken freihalten und mir immer wieder Mut zu sprechen w\u00fcrde, dann w\u00e4re das gar nicht m\u00f6glich. F\u00fcr mich ist es wichtig zu sp\u00fcren: Ich kann hier im h\u00f6chsten Ma\u00dfe wirksam sein. Mit der Gefahr der Frustration, dass ich es nicht richtig machen kann. Das ist was, was ich im letzten Jahr sehr deutlich gelernt habe und als Credo vor mir hertrage. Ich kann das Beste versuchen, aber ich kann es nicht allen recht machen und ich kann nie alles richtig gut machen. Und das hat mich ein St\u00fcck weit entlastet im letzten Jahr. Es kostet viel Energie, die Dinge bestm\u00f6glich zu bewirken, die f\u00fcr Betroffene wichtig sind. Aber wir merken, wie wirksam wir sein k\u00f6nnen. So wie letztes Jahr auf der Synode wahrgenommen zu werden, angesprochen, immer wieder angefragt zu werden, das w\u00e4re vor drei Jahren noch nicht m\u00f6glich gewesen. Vielleicht sind wir auch schon einen Schritt in Richtung Kulturwandel unterwegs, vielleicht ein bisschen. Wir sind ein St\u00fcck weit mit den ersten Pionier*innen unterwegs. Im letzten Jahr hat sich ziemlich viel bewegt und vielleicht haben wir eine Revolution in der EKD angesto\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Was sind Ihre Ziele f\u00fcr die n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate?<\/em><\/p>\n<p><strong>Janz:<\/strong> Ich hoffe und erwarte, dass wir im Fr\u00fchjahr mit allen URAK starten k\u00f6nnen, dass die in eine stabile Arbeit reinkommen und dass wir die Chance haben, das Thema Aufarbeitung breiter aufzustellen. Und ein ganz gro\u00dfer Stein, der zu bewegen ist, sind die Anerkennungsleistungen. Ich hoffe, dass wir mit der neuen Richtlinie eine gute Form finden, die \u00fcberall umgesetzt wird, damit baldm\u00f6glichst bei Betroffenen einfach das ankommt, was schon so lange und so bitter n\u00f6tig ist.\u00a0<br \/>Zander: Also mein das erstes Ziel ist, dass das Beteiligungsforum so stabil bleibt, wie es ist. Dann ist es f\u00fcr mich wichtig, dass wir die Anerkennungsleistungen so hinbekommen, dass es f\u00fcr alle tragbar ist, f\u00fcr alle Landeskirchen, f\u00fcr alle diakonische Landesverb\u00e4nde, insbesondere f\u00fcr die Einrichtungen, und dass wir das Machbare rausholen. Und dann glaube ich, dass sich auch in den Gemeinden etwas tun muss. Da habe ich immer noch das Gef\u00fchl \u2013 nicht bei allen, aber doch bei einigen \u2013, dass das Thema noch nicht so richtig angekommen ist. Ich glaube, da braucht es noch viel Aufkl\u00e4rungsarbeit. Das werden die Herausforderungen sein. Und dann glaube ich, dass wir die Synode noch anders, besser planen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<hr\/>\n<p>Dieser Text erschien zuerst im ForuM-Bulletin, das regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den aktuellen Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und der Diakonie informiert. Der Newsletter erscheint etwa alle sechs Wochen und kann hier abonniert werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sieht Ihr pers\u00f6nlicher R\u00fcckblick auf das vergangene Jahr aus? 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