{"id":782,"date":"2020-04-03T14:05:52","date_gmt":"2020-04-03T14:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/04\/03\/wort-des-rates-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-zum-palmsonntag-2020-ekd\/"},"modified":"2020-04-06T16:02:06","modified_gmt":"2020-04-06T16:02:06","slug":"wort-des-rates-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-zum-palmsonntag-2020-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/04\/03\/wort-des-rates-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-zum-palmsonntag-2020-ekd\/","title":{"rendered":"Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Palmsonntag 2020 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p><em>\u201eChristus ist gestorben f\u00fcr unsere S\u00fcnden nach der Schrift und ist am dritten Tage auferweckt worden von den Toten.\u201c\u00a0\u00a0<\/em>(1. Korinther 15)<\/p>\n<p>In diesen Tagen bereitet sich die Christenheit auf das Gedenken des Leidens und Sterbens Jesu Christi und auf das Fest seiner Auferstehung vor. Auf diesem Weg vom Leiden \u00fcber den Tod zur Auferstehung liegt das Geheimnis unserer Erl\u00f6sung begr\u00fcndet. Wir glauben, dass der Tod niemals das letzte Wort hat. Aus jeder Krise gibt es einen Weg zu neuem Leben. Am Ende unseres Lebens fallen wir nicht ins Nichts, sondern in Gottes barmherzige H\u00e4nde. Von dieser Hoffnung ist unser Leben getragen, daraus sch\u00f6pfen wir unsere Zuversicht.<\/p>\n<p>In diesem Jahr trifft diese frohe Botschaft mitten hinein in eine Welt, die durch die Ausbreitung des Corona-Virus ersch\u00fcttert wird. \u00a0Als Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bewegt uns die Wahrheit dieser Botschaft und l\u00e4sst uns mit Sorge, aber auch mit gro\u00dfer Hoffnung auf das Leben und Leiden unserer Zeit blicken. Die Zusage der Erl\u00f6sung von Leid und Tod gilt allen Gesch\u00f6pfen Gottes, jedem einzelnen Menschen \u00fcberall auf der Welt. Mit diesem Blick schauen wir auf die Gemeinschaft der V\u00f6lker und auf unser eigenes Land.\u00a0<\/p>\n<p>Der Rat der EKD sieht dankbar auf die gro\u00dfe Bereitschaft, in dieser herausfordernden Zeit\u00a0zusammenzuhalten, sich an den zur Eind\u00e4mmung der Verbreitung des Virus erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu beteiligen und sich zugleich f\u00fcr den Fortbestand der lebensnotwendigen Infrastruktur und den Erhalt von Mitmenschlichkeit einzusetzen. Unser Dank gilt allen, die in den medizinischen und pflegerischen Berufen t\u00e4tig sind und sich, teilweise unter Gef\u00e4hrdung ihrer eigenen Gesundheit, um Kranke und Hilfsbed\u00fcrftige k\u00fcmmern. Unser Dank gilt ebenso allen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und daf\u00fcr sorgen, dass trotz der massiven Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens die Grundversorgung gew\u00e4hrleistet ist: Den Verk\u00e4uferinnen und Verk\u00e4ufern; den in den Verkehrsbetrieben in Bus und Bahn Besch\u00e4ftigten; denen, die in der Versorgung mit Wasser und Strom und der Entsorgung und Reinigung arbeiten; denen, die die digitale Infrastruktur aufrechterhalten, von der gerade jetzt die Kommunikation abh\u00e4ngt; denen, die in den Medien f\u00fcr verl\u00e4ssliche Information und Unterhaltung sorgen, und den vielen anderen, die trotz Einschr\u00e4nkungen und eigener Sorgen ihre Arbeit tun und f\u00fcr andere da sind.\u00a0<\/p>\n<p>Unser Dank gilt auch der Politik, die durch starke und zugleich besonnene Ma\u00dfnahmen den Erhalt der \u00f6ffentlichen Ordnung gew\u00e4hrleistet, das Gesundheitssystem unter hohem Druck ausbaut und wirtschaftliche Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen in einem beispiellosen Umfang beschlossen hat. Die letzten Wochen haben gezeigt, wie entschieden ein demokratisches politisches System und eine offene Gesellschaft in der Lage sind, mit einer alle Bereiche des Lebens ergreifenden Krise umzugehen.\u00a0<\/p>\n<p>Der Rat der EKD sieht aber auch die Sorgen, die die Menschen umtreiben: Wie werden Schritte zu einer neuen Normalit\u00e4t m\u00f6glich sein? Was wird dann mit meinem Arbeitsplatz oder meinem Unternehmen sein? Die wirtschaftliche und berufliche Existenzangst vieler Menschen ist begr\u00fcndet und erfordert politischen, aber auch seelsorglichen Beistand. Die Schlie\u00dfung der Kindertagesst\u00e4tten und Schulen ist f\u00fcr Familien eine zunehmende Herausforderung. Einen epidemiologisch vertretbaren Weg zu ihrer Wieder\u00f6ffnung zu finden, ist eine vordringliche Aufgabe. Und nicht zuletzt sehen wir die \u00c4ngste und N\u00f6te derer, die im Gesundheitswesen arbeiten und derer, die krank, alt oder sonst besonders verletzlich sind. Die Menschlichkeit einer Gesellschaft erweist sich daran, wie sie mit ihren Schw\u00e4chsten umgeht.\u00a0<\/p>\n<p>Gottesdienste geh\u00f6ren f\u00fcr die Mitglieder des Rates der EKD wie f\u00fcr viele Menschen zu den notwendigen G\u00fctern ihres Lebens. Die M\u00f6glichkeit, frei und \u00f6ffentlich Gottesdienste zu feiern, ist ein Grundrecht, das nur unter \u00e4u\u00dfersten Bedingungen und zeitlich streng befristet eingeschr\u00e4nkt werden darf. Der Rat dankt allen, die in diesen Tagen eine F\u00fclle von Formaten der Verk\u00fcndigung der christlichen Botschaft entwickeln, die an die Stelle der gewohnten Form der Gottesdienste treten k\u00f6nnen. Wir danken allen, die sich in den Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen daf\u00fcr einsetzen, dass in unseren Kirchen Seelsorge und diakonische Hilfe geschieht und Nachbarschaftshilfe organisiert wird. Es ist beeindruckend, wie mit Glaubenszuversicht, Herz, Phantasie und Sachverstand neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden. Der Rat der EKD dankt allen haupt- und ehrenamtlich in den Kirchen und der Diakonie T\u00e4tigen f\u00fcr ihr Zeugnis des Glaubens! Die Stimme des Evangeliums wird auf diese Weise in Wort und Tat weiter verk\u00fcndet!<\/p>\n<p>Zur Stimme des Evangeliums geh\u00f6rt der Beistand f\u00fcr die Schw\u00e4chsten, f\u00fcr Kranke, Alte, Sterbende und ihre Angeh\u00f6rigen. Der Rat dankt allen, die die Seelsorge weiter aufrechterhalten, unter erschwerten Bedingungen Menschen begleiten, Trauerfeiern unter starken Einschr\u00e4nkungen und dennoch in W\u00fcrde gestalten. Der Rat sieht aber auch, dass gerade jetzt die seelsorgliche Arbeit von gro\u00dfer Bedeutung ist. Er fordert deshalb, dass die Notwendigkeit dieser seelsorglichen Arbeit noch st\u00e4rker gesehen und dass das Engagement der zahllosen Haupt- und Ehrenamtlichen durch die Bereitstellung von Schutzmaterial und durch Regelungen unterst\u00fctzt wird, die den einzelnen Menschen nicht aus dem Blick verlieren und beispielsweise Sterbebegleitung erm\u00f6glichen. Wie menschlich wir nach der Krise zusammenleben, entscheidet sich auch daran, ob es in der Krise gelingt, human zu bleiben und den Schw\u00e4chsten beizustehen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Politik wird vor der Aufgabe stehen, zwischen den volkswirtschaftlichen Folgen und der Belastbarkeit des Gesundheitssystems abzuw\u00e4gen. Wir rufen die politisch Verantwortlichen auf, weiterhin Augenma\u00df und Besonnenheit zu zeigen. Ziel muss sein, das Leben m\u00f6glichst vieler Menschen zu erhalten und die Kranken, wo n\u00f6tig, palliativ zu versorgen. Gleichzeitig m\u00fcssen das \u00f6ffentliche und das wirtschaftliche Leben schrittweise wieder aufgenommen werden. Beides muss sorgsam ausbalanciert werden, die Rettung von Menschenleben muss aber immer der leitende Gesichtspunkt sein. Trotz aller Sorgfalt der Entscheidungen wird es niemanden geben, dem nicht Verzicht oder Einschr\u00e4nkungen abverlangt werden. Um diese Belastungen durchzustehen, braucht es eine gro\u00dfe Solidarit\u00e4t untereinander.<\/p>\n<p>Der Blick beschr\u00e4nkt sich aber nicht auf Deutschland oder auf die eigenen N\u00f6te. Die Pandemie trifft die meisten L\u00e4nder dieser Welt ungleich h\u00e4rter, weil sie gesellschaftlich weniger stabil, wirtschaftlich nicht so stark sind und ein erheblich schlechter ausgebautes oder gar kein funktionierendes Gesundheitswesen haben. In L\u00e4ndern, die ohnehin von Hunger, D\u00fcrre und anderen Naturkatastrophen oder von Krieg und B\u00fcrgerkrieg betroffen sind, kann die Ausbreitung des Corona-Virus zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausma\u00dfes werden. Hinter den Hilfsma\u00dfnahmen im eigenen Land d\u00fcrfen die notwendigen und umso dringlicheren entwicklungspolitischen Ma\u00dfnahmen und Initiativen nicht zur\u00fcckstehen. Auch die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen darf gerade in dieser Zeit nicht ausgesetzt werden. Die Pandemie ist nur in der Solidarit\u00e4t der V\u00f6lkergemeinschaft in den Vereinten Nationen zu bew\u00e4ltigen. Dazu hat auch die Europ\u00e4ische Union ihren Beitrag zu leisten. Ihre Institutionen und ihr Wille zum gemeinsamen Handeln d\u00fcrfen in dieser Krise nicht geschw\u00e4cht werden, sondern sind die Voraussetzung zur Bew\u00e4ltigung der Krise in Europa und in weltweiter Verantwortung. Die Aufnahme am Corona-Virus Erkrankter in Deutschland aus europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern ist ein kleines, aber wichtiges Zeichen, gerade jetzt den Zusammenhalt \u00fcber nationale Grenzen hinaus zu st\u00e4rken. Die Kirchen leisten dazu ihren Beitrag, indem sie mit ihren Schwesterkirchen auf der ganzen Welt im Glauben, in der F\u00fcrbitte und in der t\u00e4tigen Hilfe durch Projekte gegen den Hunger und zur Bew\u00e4ltigung von Katastrophen verbunden sind. Dieses Netzwerk des Glaubens ist gerade jetzt ein Schatz zur St\u00e4rkung der internationalen Solidarit\u00e4t.\u00a0<\/p>\n<p>Dass heute ein neues Gef\u00fchl des Zusammenhaltens entsteht, dass neuer Respekt und gelebte Solidarit\u00e4t f\u00fcr den N\u00e4chsten unter uns sichtbar werden, auch unter Menschen, die sich bisher kaum kannten \u2013 das alles st\u00e4rkt unsere Zuversicht. Wenn wir uns diese Haltung bewahren, und wenn wir unsere Kraft aus der Quelle sch\u00f6pfen, die gr\u00f6\u00dfer ist als unser menschliches Verm\u00f6gen, dann werden wir auch die Herausforderungen bew\u00e4ltigen, die sich nach der Eind\u00e4mmung der Gef\u00e4hrdung durch das Virus stellen werden.<\/p>\n<p>Die Glocken der Kirchen rufen zu Gottesdienst und Gebet. Das werden sie auch in diesem Jahr am Karfreitag und am Ostertag tun, auch wenn in unseren Kirchen keine Gottesdienste gefeiert werden k\u00f6nnen. Die Krise ist nicht vorbei. Aber der Weg von Karfreitag auf Ostern zu erz\u00e4hlt von der Hoffnung unserer Erl\u00f6sung und von Gottes Zusage, uns Menschen vom Tod zum Leben zu f\u00fchren. Deshalb soll gerade in diesem Jahr die Botschaft von der Auferstehung des Lebens mit aller Zuversicht des Glaubens verbreitet werden, wenn es wie in jedem Jahr am Ostermorgen hei\u00dft: Christ ist erstanden!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eChristus ist gestorben f\u00fcr unsere S\u00fcnden nach der Schrift und ist am dritten Tage auferweckt worden von den Toten.\u201c\u00a0\u00a0(1. 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