{"id":8344,"date":"2025-06-25T20:08:58","date_gmt":"2025-06-25T20:08:58","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/06\/25\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2025-ekd\/"},"modified":"2025-06-25T20:08:59","modified_gmt":"2025-06-25T20:08:59","slug":"rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2025-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/06\/25\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2025-ekd\/","title":{"rendered":"Rede zum Johannisempfang der EKD 2025 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<p>Verehrte Anwesende, meine Damen und Herren, liebe Geschwister,<\/p>\n<p>ich hatte das unerh\u00f6rte Privileg, im Frieden aufzuwachsen, ich kenne gar nichts anderes. Krieg \u2013 den gab es, ja &#8211; an viel zu vielen Orten auf der Welt. Doch auf einmal r\u00fcckt Krieg so nah. Geographisch wie emotional. Die Welt brennt. Und die Wiege der drei abrahamitischen Religionen, der Nahe Osten, steht unter Dauerbeschuss \u2013 und mit ihm das V\u00f6lkerrecht, das nicht zuletzt in diesen geistigen und geistlichen Traditionen wurzelt. Mir macht das Angst. Und: Wie muss sich das erst f\u00fcr unsere Kinder anf\u00fchlen. So viel Verunsicherung, Zerst\u00f6rung, wie sollen wir das bew\u00e4ltigen?!<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich war ich in Potsdam, bei einem unserer Verst\u00e4ndigungsorte, die EKD und Diakonie zusammen in Deutschland initiiert haben, um Menschen unterschiedlichster Meinungen ins Gespr\u00e4ch zu bringen. Etwa 50 Menschen sind wir in der Garnisonkirche, ein besonderer Ort. Konfliktgew\u00f6hnt. Vielen geht es wie mir, die wir da an den Stehtischen diskutieren. Die Menschen sind aufgew\u00fchlt. Es ist Tag vier des Krieges zwischen Israel und Iran. Und an diesem Abend geht es just um das Thema, das allen unter den N\u00e4geln brennt: Frieden schaffen \u2013 mit oder ohne Waffen?<\/p>\n<p>An einem Tisch prallen Ost- und Westbiographien aufeinander. Der eine bezeichnet sich als militant-pazifistisch erzogen, seine Mutter war \u00fcberzeugte Demonstrantin im Bonner Hofgarten 1982. Er steht auf dem Standpunkt, dass jetzt leider Abschreckung das Gebot der Stunde ist. \u201eUnser Land braucht Waffen, um nicht k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.\u201c Und eine andere aus Brandenburg entgegnet: \u201eIch kann das gar nicht aushalten. Ich bin mit den Russen als Freunde aufgewachsen. Wieso sollen sie auf einmal meine Feinde sein?\u201c Nicht rechthaberisch sagt sie das, eher verzweifelt. Es ist zu sp\u00fcren, wie alle ringen. Gleich von welchem Standpunkt sie herkommen. Was sie gepr\u00e4gt hat. Sie, wir ringen damit, dass der Krieg n\u00e4her scheint als je zuvor seit 1945. Und mir wird erneut bewusst, dass wir uns mit dem nie f\u00fcr m\u00f6glich Gehaltenen ernsthaft auseinandersetzen m\u00fcssen: dass es Waffenarsenale nicht nur gibt, sondern dass sie wom\u00f6glich auch eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Der Abend endet friedlich. \u00c4u\u00dferlich. Innerlich arbeitet es in vielen weiter. Auch in mir.<\/p>\n<p>Denn so ist es ja: die Bedrohung durch Russland f\u00fchrt dazu, dass Deutschland und seine europ\u00e4ischen Partner ihre Verteidigungsf\u00e4higkeit in kurzer Zeit massiv werden ausbauen m\u00fcssen. Wo ist die Grenze, fragten viele an dem Abend. Wie hoch ist der Preis? Mit welchen sozialen Konsequenzen wird das einhergehen? Und gleichzeitig zeigt alles, was wir in diesen volatilen Zeiten erleben, dass es geradezu zwingend erscheint, aufzur\u00fcsten oder nachzur\u00fcsten oder auszur\u00fcsten, um verteidigungsf\u00e4hig zu sein. Mich schmerzt es, das auszusprechen, denn auch ich habe im Bonner Hofgarten und 1983 auf dem Kirchentag in Hannover damals \u201eFrieden schaffen ohne Waffen\u201c gerufen\u2013 wie wohl etliche hier.<\/p>\n<p>Die Situation hat sich f\u00fcr uns in Europa empfindlich ver\u00e4ndert. Der in den 90-ern von Vielen f\u00fcr erledigt gehaltene Gedanke der Abschreckung ist als Option eben gerade nicht erledigt \u2013 wenn, und das jetzt betone ich ausdr\u00fccklich, wenn sie zur Verhinderung von Gewalt und damit zur Friedensf\u00f6rderung beitr\u00e4gt. Das bleibt friedensethisch festzuhalten: es geht um den gerechten Frieden. Gerechter Friede, der dem Schutz vor Gewalt als elementarstem Schutz des Lebens einen Vorrang einr\u00e4umt. Dieser Vorrang ist eine entscheidende Weiterentwicklung zur Friedensdenkschrift von 2007, die die Friedenswerkstatt und das Kammernetzwerk der EKD gerade zum Abschluss bringen. Die Erfahrungen der letzten knapp zwei Jahrzehnte haben zu eben dieser grundlegenden These gef\u00fchrt, dass der Schutz vor Gewalt unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr umfassende Friedensprozesse ist \u2013 und damit ein relatives Pr\u00e4 gewinnt gegen\u00fcber den anderen drei Dimensionen, die f\u00fcr einen konsolidierten Frieden unverzichtbar bleiben: n\u00e4mlich Freiheit zu f\u00f6rdern, Ungleichheiten abzubauen und in friedensf\u00f6rdernder Weise mit Pluralit\u00e4t umzugehen.<\/p>\n<p>2025 hei\u00dft das: Friedensethische und sicherheitsethische Aspekte m\u00fcssen wir strikter als bisher zusammendenken und d\u00fcrfen sie nicht gegeneinander ausspielen. Dabei haben wir als Christenmenschen konsequent die jesuanische Botschaft vom Gewaltverzicht immer wieder einzutragen, und wir wissen zugleich \u2013 das ist das Dilemma \u2013 dass diejenigen, die von Gewalt unmittelbar bedroht sind oder angegriffen werden, unseren Schutz brauchen. Es bleibt bei der dem\u00fctigen Feststellung, dass wir, so legitim rechtserhaltende Gewalt als ultima ratio auch sein mag, dass wir uns damit vor Gott und an unseren Mitmenschen schuldig machen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Zerrissenheit liegt mir so sehr an Verst\u00e4ndigung. An Orten, an denen diese Aporien ausgesprochen werden k\u00f6nnen. Es liegt mir daran, dabei in der Gesellschaft, aber auch innerhalb unserer Kirche, den Respekt f\u00fcreinander zu behalten, die Vielschichtigkeit im Blick zu haben und auf einfache Zuschreibungen zu verzichten: Eben nicht hier die vermeintlich naiven Pazifisten und dort die angeblich waffenliebenden Kriegstreiber. Das klingt diffamierend und vertieft die Gr\u00e4ben. Es gilt doch eher den Grat pr\u00e4ziser zu beschreiben, auf dem es zu balancieren gilt \u2013 ein ethisches Feinjustieren, damit politisch Verantwortliche in Auseinandersetzung damit Handlungsoptionen entwickeln k\u00f6nnen. Ich danke allen in der Friedenswerkstatt und im Redaktionsteam der Friedensdenkschrift f\u00fcr Ihre Arbeit, bisweilen harte Dialogarbeit!, die nicht nur uns als EKD, sondern der gesamten Gesellschaft einen Dienst erweist.<\/p>\n<p>\u201eWir Dialogiker haben\u00b4s schwer im Moment.\u201c So beschrieb es vor einigen Tagen ein Teilnehmer des Runden Tisches der Religionen in Deutschland. Er ist Pal\u00e4stinenser, lebt seit vielen Jahrzehnten in Deutschland und hat als Imam immer schon den Dialog mit Andersgl\u00e4ubigen gesucht. \u00dcber hundert n\u00e4here und fernere Verwandte von ihm sind in Gaza in diesem durch den Terror der Hamas ausgel\u00f6sten Krieg umgekommen oder verwundet worden. \u201eEs ist eine humanit\u00e4re Katastrophe\u201c, sagt er. Hilfslieferungen seien dringend n\u00f6tig. Zugleich will er wie die anderen muslimischen Vertreter an diesem Runden Tisch unbedingt deutlich machen, dass der 7. Oktober ein barbarischer Terrorakt der Hamas ist und bleibt. Dass die Geiseln befreit werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In den interreligi\u00f6sen Foren fordern die j\u00fcdischen Vertreter zurecht klare Worte zum furchtbaren Antisemitismus auf der Welt und zu der Vielzahl antisemitischer \u00dcbergriffe in unserem Land, ausgerechnet in unserem Land! Wir erleben einen skandal\u00f6sen Anstieg von Antisemitismus und &#8211; ja, es leiden die Menschen in Gaza furchtbar unter Menschenrechtsverletzungen. Beides stimmt.<\/p>\n<p>Wer an Runden Tischen der Religionen sitzt, k\u00e4mpft \u2013 auch in den eigenen Communities. Um das richtige Augenma\u00df. Um Frieden im Land. Um verst\u00e4ndigende Worte. Doch die Zerrei\u00dfproben werden immer heftiger.<\/p>\n<p>Der israelische Historiker Yuval Noah Harari deutet in einem Interview das Verh\u00e4ltnis von Israelis und Pal\u00e4stinensern inzwischen so: \u201eJedes verbliebene Vertrauen in die andere Seite ist v\u00f6llig zerst\u00f6rt. (\u2026) Der Schmerz ist jetzt so gro\u00df, dass die Menschen nicht mehr dazu in der Lage sind, das kleinste bisschen Empathie f\u00fcr den anderen zu empfinden. Wenn man lediglich versucht, etwas \u00fcber das Leid der anderen Seite zu sagen, gilt das bereits als unertr\u00e4glicher Verrat.\u201c (Interview im Spiegel \u2013 14.03.2024) Deshalb brauche es \u201edie Au\u00dfenstehenden, die nicht vom Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt sind\u201c. Sie \u201esollten die Kraft aufbringen, Mitgef\u00fchl f\u00fcr alle leidenden Menschen zu halten, und nicht aus Bequemlichkeit nur einen Teil der schrecklichen Realit\u00e4t anschauen. Es ist die Aufgabe der Au\u00dfenstehenden zu helfen, einen Raum des Friedens aufrechtzuerhalten.\u201c<\/p>\n<p>Den Raum des Friedens aufrechterhalten. Allemal angesichts so schnell eskalierender Kriege, wie wir es zwischen Israel und dem Iran erlebt haben, auch wenn die Waffen jetzt &#8211; gottlob! &#8211; erst einmal schweigen. Wiederum auf allen Seiten zivile Opfer, Zerst\u00f6rung, Bomben. Und \u00c4ngste. Trauer. Bitterkeit, die bis hierher reichen. Darum gilt es, immer wieder R\u00e4ume des Friedens zu schaffen, auch um selbst nicht einzusteigen in die Polarisierungstendenzen &#8211; da sehe ich unseren gemeinsamen Auftrag: Verst\u00e4ndigungsorte schaffen, die das Gegens\u00e4tzliche aushalten. Wir wissen alle, dass Streit, Konflikt, Disharmonie belastend sind und mit pers\u00f6nlichen Angriffen verbunden sein k\u00f6nnen. Aber diese Haltung ist heute von allen gefordert: Den sachlichen Ton immer wieder neu einzu\u00fcben, \u00fcberzeugende Argumente einzuwerfen und eine Liebe f\u00fcr den Kompromiss zu entwickeln\u2026<\/p>\n<p>Ich bin, je l\u00e4nger wir dies mit den Verst\u00e4ndigungsorten versuchen, \u00fcberzeugt, dass sich jede Minute lohnt. Um einer demokratischen Kultur willen. Darum gilt es festzuhalten am Dialog, der ja nicht bedeutet, positionslos zu sein und genauso wenig, dass am Ende alle einer Meinung sind. Aber: Er holt heraus aus der Sprachlosigkeit. Der Sprachlosigkeit \u00fcber Schmerz. Unrecht. Nicht gesehen zu werden. Immer schon nicht gesehen zu werden. Bei den Verst\u00e4ndigungsorten kommt eine Menge auf den Tisch und bleibt nicht in der Netz-Bubble oder im sprachlosen Seelentief, wo es vergiftende Wirkung entfaltet.<\/p>\n<p>Deshalb: Verst\u00e4ndigungsorte anbieten an allen Ecken und Enden. In Kirchen, Dorfgasth\u00f6fen, Bundestagsr\u00e4umen, Schulen, Kitas, interreligi\u00f6sen Foren und Akademien. Selbst Verst\u00e4ndigungsort werden, als innere Haltung. Und damit die Gemeinschaft und die Verbundenheit st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Und das auch, um mit den Irrationalit\u00e4ten dieser Zeit zurechtzukommen. Es irrlichtert, scheint\u00b4s, die ganze Welt. Verst\u00f6rend viele Regierungschefs mit mangelnder Impulskontrolle \u2013 aber zugleich eiskaltem machtpolitischem Kalk\u00fcl. Autokratische Machtlogiken, &#8211; wenn man da \u00fcberhaupt von Logik sprechen kann \u2013 haben \u201e\u00fcbernommen\u201c. Diskussionen: unerw\u00fcnscht. Demokratischer Diskurs \u2013 unn\u00f6tig. V\u00f6lkerrecht \u2013 ignorieren wir. Nein, vernunftgeleitetes Handeln und Aushandeln- mit den f\u00fcr uns so unbestritten lebenswichtigen Zielen wie Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Sch\u00f6pfung &#8211; das ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich gegeben, weltweit und auch in unserem Land nicht.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Wie verhindern wir, dass wir selbst daran verzweifeln und resignieren? Wie lassen wir uns angesichts dessen nicht verr\u00fcckt machen \u2013 wie halten wir Kurs?<\/p>\n<p>Ich meine: Unsere Aufgabe als Kirche ist es, immer wieder an den Kompass zu erinnern, der so viele Generationen vor uns durch harte und scheinbar hoffnungslose Zeiten gef\u00fchrt hat. Also: die alten Geschichten der Verhei\u00dfung und der unkaputtbaren Hoffnungen erz\u00e4hlen. Inmitten von Krieg, existentiellen Krisen und \u00dcberforderung erinnern, dass es eine tiefe Wahrheit gibt, die weit \u00fcber diese Wirklichkeit hinausf\u00fchrt. Es sind dieser Glaube und die Gemeinschaft der Hoffenden, die es erm\u00f6glichen, innere Klarheit, Haltung und Zuversicht zu bewahren.<\/p>\n<p>In all dem Chaos also zusehen, dass der einzelne Mensch entscheidungsf\u00e4hig wird. Und sicherer. Zusehen, dass das Gewissen mit Wissen gen\u00e4hrt und also gesch\u00e4rft wird. Sei es durch Verst\u00e4ndigungsorte, Denkschriften, Kirchentage, Johannisempf\u00e4nge. Es geht darum, ethische, moralische, biblische Grundlagen in Erinnerung zu rufen, wie weiterzuleben ist, wenn es eben nicht besser wird und fortschrittlicher.<\/p>\n<p>Biblische Hoffnung ist dabei nicht gleichzusetzen mit blo\u00dfem Optimismus. Sie ist tief gegr\u00fcndete R\u00fcckkehr ins Leben \u2013 auch nach einer Phase der Verzweiflung \u2013 als innere Haltung, aber auch als Praxis des Widerstands gegen Ohnmachtsgef\u00fchle. Praxis, die man ein\u00fcben kann. Hoffnungstrotz sage ich dazu gern, er wird wohl zuk\u00fcnftig generell zur Haltung von Kirche geh\u00f6ren. Das hei\u00dft: Trotzdem weitergehen. Trotzdem bei den Menschen bleiben. Trotzdem sich stark machen f\u00fcr Obdachlose und Gefl\u00fcchtete, gerade jetzt, wo Ton und Politik sich derart versch\u00e4rfen. Trotzdem sich verb\u00fcnden mit allen Menschen, die f\u00fcr Demokratie einstehen. Trotzdem den Opfern jedweder Gewalt und Verachtung zur Seite stehen.<\/p>\n<p>Und das bedeutet auch: Eigene Schuld nicht zu tabuisieren. Dazu zu stehen, dass die Kirche Verantwortung tr\u00e4gt gegen\u00fcber Menschen, denen durch Besch\u00e4ftigte der Kirche und Diakonie Gewalt angetan wurde. Sexualisierte Gewalt greift direkt die W\u00fcrde des einzelnen Menschen an, sie greift den gerechten Frieden an, nach dem wir streben. Genau deshalb und trotz allem, setzen wir alles daran, ein sicherer Ort zu sein. Ein Ort, an dem das Unrecht, Versagen und Verantwortung beim Namen genannt werden, auch damit Schutzmechanismen nachhaltig greifen k\u00f6nnen. F\u00fcr die EKD steht dies glasklar vorn auf der Agenda. Und so ringen im Beteiligungsforum betroffene Menschen \u2013 danke allen daf\u00fcr! \u2013 mit Vertreter:innen der EKD und der Diakonie darum, dass dies in W\u00fcrdigung des Unrechts sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderungen nach sich zieht. Eine Aufgabe, die bleibt. Und eine Aufgabe, die alle Kraft lohnt \u2013 rauskommen aus der Tabuisierung, klar stehen zu der Schuld, aktiv Ma\u00dfnahmen ergreifen, die sch\u00fctzen. Das alles bedeutet Hoffnungstrotz. Als aktive Arbeit an einem gerechten Frieden hier bei uns und f\u00fcr alle!<\/p>\n<p>Sei Mensch \u2013 wer sich daran erinnert, h\u00e4lt Kurs<\/p>\n<p>Mein biblisches Leitwort, das mich gerade in den letzten Monaten orientiert hat, kn\u00fcpft genau daran an. Ein Wort des Propheten Micha, gesprochen unter dem Eindruck von Krieg und Chaos: \u201eEs ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: um der Gerechtigkeit willen Wort halten, Liebe \u00fcben und dem\u00fctig sein vor deinem Gott.\u201c Das ist es, was Gott bei uns sucht. Gerechtigkeit. N\u00e4chstenliebe. Demut. Wort halten. Den anderen achten. Behutsam sein. Das ist der Kompass.<\/p>\n<p>Gegen alle Gottvergessenheit diese Traditionen zu erinnern, damit geben wir Gott die Chance, in uns die Kraft zu st\u00e4rken, die standh\u00e4lt. Die der Wertekultur Halt gibt. Eine Kraft, die uns innerlich immunisiert gegen autoritative Systeme. Rassismen. Gegen Machtmissbrauch. Gegen die be\u00e4ngstigend zunehmende Hartherzigkeit in der Migrationspolitik. Es ist dir l\u00e4ngst gesagt Mensch, was gut ist.<\/p>\n<p>Oder mit der am 9. Mai verstorbenen Holocaust\u00fcberlebenden Margot Friedl\u00e4nder gesagt: \u201eSeid Menschen \u2013 denn ein einziger Mensch kann die Welt zum Guten ver\u00e4ndern!\u201c Das ist nicht nur dahingesagt, als Appell in fragilen Zeiten. Sondern das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, die von der Resilienzforscherin Emmy Werner an 700 Kindern durchgef\u00fchrt wurde, die in besonderem Ma\u00dfe sozialen Missst\u00e4nden ausgesetzt waren. \u00dcberraschenderweise entwickelte sich ein Drittel der Kinder h\u00f6chst positiv: krisenresistent, sozial, menschenfreundlich. Ein entscheidender Grund: Jedes dieser Kinder hatte mindestens einen Menschen, der es gut mit ihnen meinte. Den Gro\u00dfvater, die Patentante, den Lehrer. Einen (!) Menschen.<\/p>\n<p>Ein einziger Mensch kann die Welt ver\u00e4ndern \u2013 indem er anderen gegen\u00fcber gut ist. So einfach ist das. Und gleicherma\u00dfen so tief. Gut zu jemanden zu sein ist nicht blo\u00df moralische Pflicht \u2013 es ist geistliche Praxis. Es bedeutet, sich zu unterbrechen und sich ber\u00fchren zu lassen vom Anderen. Auch Jesus hat nie von oben herab geholfen, sondern tat dies als Mensch, verwundbar, verletzlich, Gleicher unter Menschen.<\/p>\n<p>Deshalb ist dieses Gutwerden im Handeln mehr als Nettigkeit. Es ist Nachfolge. Es ist die Entscheidung, das B\u00f6se nicht zu spiegeln, sondern mit Gutem zu beantworten \u2013 so wie Paulus es den R\u00f6mern schrieb: \u201eLass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde du das B\u00f6se mit Gutem\u201c (R\u00f6m 12,21). Das ist keine Schw\u00e4che, sondern die st\u00e4rkste aller Kr\u00e4fte: das Gute, das den Kreislauf der Gewalt durchbricht. Wenn Viele das tun, wird es zur politischen Kraft. Und macht die Gesellschaft stabiler, vielleicht sogar ver\u00e4nderungsbereiter.<br \/>Jeder Mensch kann die Welt ver\u00e4ndern. Und so ergreife ich heute gern die Gelegenheit, Ihnen, die Sie sich lange, k\u00fcrzer, konsequent, politisch, im Guten f\u00fcr unsere Demokratie einsetzen, zu danken. Danke f\u00fcr all Ihre Kraft, Geduld, f\u00fcr Ihre Menschlichkeit!<\/p>\n<p>Von Herzen w\u00fcnsche ich Ihnen Gottes Segen- Kraft f\u00fcr das, was kommt. In der immer noch neuen Koalition. In der Opposition, die in einer Demokratie bekanntlich genauso wichtig ist.\u00a0<\/p>\n<p>In Ihren Verb\u00e4nden. Kulturell, wissenschaftlich, wirtschaftlich, wo Sie gerade unterwegs sind. Und gerade weil alles so schnell, hektisch, verr\u00fcckt ist, w\u00fcnsche ich Ihnen auch dies: Momente zum Innehalten. Manchmal braucht man nicht nur Verst\u00e4ndigungsorte \u2013 sondern einen Selbstverst\u00e4ndigungsort. Auch dazu seien Sie uns in der Kirche willkommen \u2013 in dieser alten Herberge f\u00fcr die Sehnsucht nach Frieden. Da, wo die Seele sich spirituell erholen kann. Pause machen. Frieden schlie\u00dfen kann mit sich selbst<\/p>\n<p>Und damit nun Seele und Leib gemeinsam aufatmen, dazu gehen wir gleich hinaus auf den Platz der Welt. Eingeladen, einander die Hand zu reichen und das Gute zu genie\u00dfen. In Freundschaft. Und Frieden.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort Verehrte Anwesende, meine Damen und Herren, liebe Geschwister, ich hatte das unerh\u00f6rte Privileg, im Frieden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8345,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8344"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8344"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8344\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8346,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8344\/revisions\/8346"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}