{"id":8347,"date":"2025-06-25T23:14:38","date_gmt":"2025-06-25T23:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/06\/25\/24-06-2025-bruecken-bauen-statt-mauern-errichten\/"},"modified":"2025-06-25T23:14:38","modified_gmt":"2025-06-25T23:14:38","slug":"24-06-2025-bruecken-bauen-statt-mauern-errichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/06\/25\/24-06-2025-bruecken-bauen-statt-mauern-errichten\/","title":{"rendered":"24.06.2025 Br\u00fccken bauen statt Mauern errichten"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div>\n<h2 class=\"text-justify\"><span>Pers\u00f6nliche Begegnungen mit Gefl\u00fcchteten bereichern den Gedenktag f\u00fcr die Opfer von Flucht und Vertreibung<\/span><\/h2>\n<p class=\"text-justify\">Stuttgart\/Rottenburg\/Karlsruhe\/Freiburg. Der \u00f6kumenische und mehrsprachige Gottesdienst unter dem Leitwort \u00abIn ihrem Wohl liegt euer Wohl\u00bb (Jer 29,7b) anl\u00e4sslich des Gedenktags f\u00fcr die Opfer von Flucht und Vertreibung am 23. Juni in St. Hedwig in Stuttgart-M\u00f6hringen thematisierte sowohl die erfolgreiche Integration von Gefl\u00fcchteten als auch das aktuell raue Gespr\u00e4chsklima beim Thema Migration.\u00a0W\u00e4hrend des Gottesdienstes wurde das Projekt aus der Praxis von Sabrine Gasmi-Thangaraja vom Caritasverband Stuttgart e.V. mit vielen positiven Beispielen vorgestellt und H\u00fcrden und Herausforderungen bei der Integration in den Arbeitsmarkt von Teilnehmenden des Projekts dargestellt.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Zuvor hatten die beiden Vertreter der Kirchen in W\u00fcrttemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in W\u00fcrttemberg, und Thomas Maria Renz, Weihbischof der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart, eine Einrichtung in Stuttgart-M\u00f6hringen besucht, um die haupt- und ehrenamtliche Arbeit des Projekts \u201eZIFA-jobcoaching\u201c des Caritasverbandes f\u00fcr Stuttgart e.V. sichtbar zu machen und mit den Gefl\u00fcchteten, die in der Initiative begleitet werden, direkt ins Gespr\u00e4ch zu kommen. H\u00f6hepunkt war ein gemeinsames Basketballspiel.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">In seiner Begr\u00fc\u00dfung und Einf\u00fchrung w\u00e4hrend des Gottesdienstes berichtete Weihbischof Renz vom Ballspiel der beiden Bisch\u00f6fe mit den Kindern und Jugendlichen der Einrichtung. Der Ball schaffe Begegnung und sei, wie die gelungene Integration, die Verbindung zwischen mindestens zwei Menschen. In diesem Zusammenhang lobte der Weihbischof das Projekt \u201eZIFA-jobcoaching\u201c, denn, so Renz: \u201eEine andere Sache, die f\u00fcr Verbindung, Begegnung und Integration steht, ist Arbeit. Es entspricht der W\u00fcrde des Menschen zu arbeiten, sich in die Gesellschaft einzubringen und an ihr teilzuhaben. Wir glauben daran, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist. Eines Gottes, der zuerst einmal sechs Tage gearbeitet und erst dann geruht hat. Der Mensch ist dazu geschaffen, zu arbeiten, produktiv zu sein und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.\u201c Arbeit sei nicht nur ein Mittel zum Lebensunterhalt, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Identit\u00e4t und des Selbstwertgef\u00fchls, so Weihbischof Renz weiter: \u201eArbeit stiftet auch Gemeinschaft und ein Wir-Gef\u00fchl. Unser Land sei demografisch wie wirtschaftlich auf Zuwanderung angewiesen: \u201eDaf\u00fcr ist es jedoch unerl\u00e4sslich, dass wir die Integration von Menschen, die zu uns kommen, zu einer Priorit\u00e4t in der Migrationspolitik machen. Denn nur wenn der Zugang zu Sprache, Bildung und Ausbildung, Arbeit, Wohnraum und die Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Leben gesichert und unterst\u00fctzt wird, k\u00f6nnen wir die Potentiale von Zuwanderung f\u00fcr die einzelnen Menschen und uns alle voll aussch\u00f6pfen\u201c. Renz betont, seine Di\u00f6zese stehe f\u00fcr eine offene Gesellschaft, die Vielfalt als St\u00e4rke anerkenne und auf Dialog statt Ausgrenzung setze. Bei der Vorstellung des neuen Positionspapiers der Di\u00f6zese zur aktuellen Lage Flucht und Migration versichert er: \u201eDie F\u00fcrsorge f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und Migranten geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart.\u201c<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl dankte in seiner Predigt allen Unterst\u00fctzenden des Projekts ZIFA: \u201eMich beeindruckt, wie hier gefl\u00fcchtete Menschen Begleitung finden. Mich beeindruckt, wie die Mitarbeiterinnen dort die Frauen in ihrer individuellen Situation wahrnehmen und sie dabei unterst\u00fctzen, ihren Platz in unserer Gesellschaft finden zu k\u00f6nnen. Das ist gelebte christliche N\u00e4chstenliebe!\u201c<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Das Motto des Gedenktags \u201eIn ihrem Wohl liegt euer Wohl\u201c, so Landesbischof Gohl, beziehe sich auf die vielen Geschichten aus der Bibel, die von Flucht und Vertreibung handelten, Geschichten von Menschen, die in Not ihre Heimat verlassen mussten. Auch sie seien Vertriebene im Krieg gewesen, wie die Israeliten zur Zeit Jeremias, oder auf der Flucht vor Hunger oder Terror. Er nannte Beispiele und verwies auf die Bibel als wertvolle Quelle, auch f\u00fcr aktuelle Fragen: \u201eEine Hungersnot zwingt Abraham und seine Frau Sarah zur Flucht nach \u00c4gypten. Sp\u00e4ter fliehen wieder zwei nach \u00c4gypten \u2013 nicht wegen des Hungers, sondern wegen des Terrors des Herodes \u2013 es sind Maria und Josef mit ihrem Sohn Jesus. Damals wie heute gilt: Niemand flieht aus Lust und Laune. Die Heimat verlassen zu m\u00fcssen, f\u00e4llt immer schwer. Menschen fliehen, weil sie keine Lebensperspektive mehr f\u00fcr sich und ihre Familie sehen. Die Bibel wei\u00df, was es hei\u00dft, fliehen zu m\u00fcssen. Deshalb ist sie eine kostbare Ressource f\u00fcr uns heute und f\u00fcr die aktuelle Frage, in welcher Haltung begegnen wir Gefl\u00fcchteten.\u201c<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Wie zuvor Pfarrer Martin Uhl in seinen Begr\u00fc\u00dfungsworten ging auch Landesbischof Gohl auf die v\u00f6lkerverbindende Rolle der Heiligen Hedwig aus dem 12. Jahrhundert ein, der Namenspatronin der Kirche St. Hedwig. Als s\u00fcddeutsche Migrantin in der neuen Heimat Schlesien sei sie herzlich empfangen worden. Sie habe sich gut integriert und sich auf dieser Grundlage f\u00fcr die Menschen und ihr Wohl in der neuen Heimat einsetzen k\u00f6nnen. Auch Hedwig habe sich f\u00fcr die gute Bildung von Frauen engagiert \u2013 wie die ZIFA heute, spannte Gohl den Bogen zur aktuellen Situation. \u201eSuchet das Wohl der Stadt, in die ich euch weggef\u00fchrt habe, und betet f\u00fcr sie zum EWIGEN; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl!\u201c, predigte Landesbischof Gohl die S\u00e4tze, die Jeremia vor 2.500 Jahren in Jerusalem schrieb. Die Adressaten, die \u00fcber 1.000 Kilometer entfernt nach einem verlorenen Krieg ins ferne Babylon verschleppt wurden, w\u00fcnschten sich nichts sehnlicher, als m\u00f6glichst schnell wieder in die Heimat zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Gohl zitierte in seiner Predigt Jeremias: \u201eAkzeptiert Euer Los. Lasst euch in Babylon nieder! Arbeitet und betet f\u00fcr das Wohl des Gemeinwesens, dort, wo ihr seid\u201c.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">\u201eF\u00fcr eine gelingende Integration brauchen Menschen, die vor Krieg, Gewalt oder Verfolgung fliehen mussten, sichere R\u00e4ume, in denen Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verstehen m\u00f6glich sind\u201c, sagte im Vorfeld des Gedenktages auch Oberkirchenr\u00e4tin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks W\u00fcrttemberg. \u201eVerst\u00e4ndigung ist die Br\u00fccke, \u00fcber die Integration gelingt.\u201c Dazu geh\u00f6rten nicht nur Sprachkurse oder Beratungsangebote, sondern vor allem echte Begegnungen im Alltag \u2013 in Kirchengemeinden, Schulen, Nachbarschaften oder Ehrenamtsprojekten.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Ihre Kollegin aus dem Caritasverband f\u00fcr Stuttgart e.V. Sabrine Gasmi-Thangaraja, Leiterin des Bereichs Migration und Integration, best\u00e4tigt die Bedeutung echter Begegnungen: \u201eMir geht es um die richtige Haltung und dass wir miteinander sprechen und in den Austausch gehen. Und nat\u00fcrlich auch nachfragen, wenn etwas unklar ist, statt die Menschen, die zu uns kommen, pauschal zu verurteilen.\u201c<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Ordinariatsr\u00e4tin Karin Schieszl-Rathgeb, Leiterin der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft in der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart, warnte in ihren Dankesworten vor dem aktuell rauen Ton in der Migrationspolitik. Der Gedenkgottesdienst erinnere an das Leid von gestern und an unsere Verantwortung heute, so Schieszl-Rathgeb: \u201eAls Christinnen und Christen sind wir gerufen, Br\u00fccken zu bauen statt Mauern zu errichten. Von Jesus Christus her glauben wir an die Kraft der Vers\u00f6hnung, daran, dass wir als Menschen- und Glaubensgeschwister von Gott her mit derselben W\u00fcrde beschenkt sind, und an den Zusammenhalt, der daraus wachsen kann. Am Ende des Gottesdienstes dankte sie nochmal allen haupt- und ehrenamtlich Engagierten, die sich f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen einsetzten: \u201eIhr Beitrag macht einen Unterschied. Und er macht Hoffnung.\u201c<\/p>\n<p class=\"text-justify\"><u>Hintergrund zum Projekt ZIFA:<\/u><\/p>\n<p class=\"text-justify\">Das Projekt ZIFA (Zielgerichtete Integration von Gefl\u00fcchteten in Arbeit und Ausbildung) des Caritasverbands f\u00fcr Stuttgart unterst\u00fctzt seit 2016 erfolgreich gefl\u00fcchtete Menschen dabei, eine Arbeit oder Ausbildung zu finden und sich so in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Projekt richtet sich insbesondere an Gefl\u00fcchtete, die in Unterk\u00fcnften leben, und bietet ihnen dort gezielte Beratung und Unterst\u00fctzung an. Seit 2019 liegt der Schwerpunkt auf der F\u00f6rderung von gefl\u00fcchteten Frauen. ZIFA hilft den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ihre Talente und F\u00e4higkeiten in der neuen Heimat einzusetzen und so ihre berufliche Zukunft aktiv zu gestalten. Das Projekt wird durch den Zweckerf\u00fcllungsfonds Fl\u00fcchtlingshilfen der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart, die Stadt Stuttgart sowie Eigenmittel finanziert und hat seit seiner Einf\u00fchrung viele Gefl\u00fcchtete erfolgreich auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt begleitet.<\/p>\n<p class=\"text-justify\"><u>Hintergrund zum Gedenktag:<\/u><\/p>\n<p class=\"text-justify\">Der Gedenktag f\u00fcr die Opfer von Flucht und Vertreibung ist ein in Deutschland seit dem Jahre 2015 j\u00e4hrlich am 20. Juni zeitgleich mit dem Weltfl\u00fcchtlingstag stattfindender Gedenktag. An dem Tag wird der weltweiten Opfer von Flucht und Vertreibung und insbesondere der deutschen Vertriebenen gedacht. Der Gedenktag wurde durch Beschluss der Bundesregierung vom 27. August 2014 eingef\u00fchrt. Aufgrund der Feiertage begeht W\u00fcrttemberg den Gedenktag in diesem Jahr erst am 23. Juni.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Dan Peter<br \/>Sprecher der Landeskirche<\/p>\n<p class=\"text-justify\"><strong>Hinweise:<\/strong> Eine Auswahl an Fotos finden Sie unter: https:\/\/medienpool.drs.de\/share\/4D95F46D-F808-4E68-83203AE2F47FC65C\u00a0<br \/>Die Pressemitteilung wird von den vier gro\u00dfen Kirchen in Baden-W\u00fcrttemberg zeitgleich versendet. Wir bitten Mehrfachsendungen zu entschuldigen.\u00a0<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nliche Begegnungen mit Gefl\u00fcchteten bereichern den Gedenktag f\u00fcr die Opfer von Flucht und Vertreibung Stuttgart\/Rottenburg\/Karlsruhe\/Freiburg. 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