{"id":8445,"date":"2025-07-28T19:18:09","date_gmt":"2025-07-28T19:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/07\/28\/kirche-muss-im-dorf-bleiben-ekd\/"},"modified":"2025-07-28T19:18:10","modified_gmt":"2025-07-28T19:18:10","slug":"kirche-muss-im-dorf-bleiben-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/07\/28\/kirche-muss-im-dorf-bleiben-ekd\/","title":{"rendered":"Kirche muss im Dorf bleiben \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Frankfurt a.M. (epd). Christopher Easthill ist seit M\u00e4rz Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). In dem kirchlichen Dachverband haben sich 25 Kirchen und Konfessionen zusammengeschlossen. Ziel ist, die \u00f6kumenische Zusammenarbeit zu f\u00f6rdern. Der 65-J\u00e4hrige ist britisch-deutscher Theologe und Anglikaner. Im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erkl\u00e4rt er, warum er die Kirchensteuer kritisch sieht und wie er zum Vorwurf der Apartheid gegen Israel steht.<\/p>\n<p><em>Herr Easthill, Sie sind in Singapur geboren, haben als Versicherungsmanager gearbeitet, in den USA Theologie studiert und sind nun Pfarrer einer anglikanischen Gemeinde in Wiesbaden &#8211; wie blicken Sie auf die deutsche Kirchenlandschaft?<\/em><\/p>\n<p><strong>Christopher Easthill:<\/strong> Viele Menschen au\u00dferhalb von Deutschland wissen gar nicht, wie vielf\u00e4ltig die Kirchenlandschaft hier ist. Protestanten glauben oft, die protestantische Kirche in Deutschland sei rein lutherisch. Dabei ist das Luthertum au\u00dferhalb von Deutschland fast st\u00e4rker. Im Vergleich dazu ist das Glaubensspektrum innerhalb der anglikanischen Kirche breiter gestreut. Es gibt eine sehr katholische Str\u00f6mung bis hin zu einer fast pfingstkirchlichen Str\u00f6mung. Diese Breite finde ich so nicht innerhalb einer Kirche in Deutschland.<\/p>\n<p><em>Wo w\u00fcrden Sie sich denn innerhalb der von Ihnen geschilderten Breite verorten?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill: <\/strong>Ich verorte mich auf dem liberal-katholischen Fl\u00fcgel. Das bedeutet, die Sakramente, die Kommunion und die formelle Liturgie sind mir sehr wichtig. Aber wir sind eben auch offen f\u00fcr die Ordination von Frauen und die Rechte von queeren Menschen.<\/p>\n<p><em>Sie geh\u00f6ren einer Minderheitenkirche in Deutschland an, ihre Gemeinde in Wiesbaden hat ein gro\u00dfes Einzugsgebiet. Hat das Prinzip der Ortskirche f\u00fcr Sie eine Zukunft, oder geht es nicht eher in die Richtung, dass Menschen sich ihre Gemeinde selbst aussuchen und daf\u00fcr auch weitere Wege in Kauf nehmen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill: <\/strong>Ich halte es f\u00fcr wichtig, dass die Kirche buchst\u00e4blich im Dorf bleibt. Aber das muss meiner Meinung nach nicht immer eine evangelische oder eine katholische Kirchengemeinde mit einem Ortspfarrer sein. Vielleicht reicht die Pr\u00e4senz einer christlichen Gemeinschaft, die dann in ihrer Kirche auch Gottesdienste anderer Denominationen zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das setzt auf jeden Fall eine entsprechende Offenheit in den Kirchen voraus, sodass Menschen sich auch in den kirchlichen Strukturen beteiligen k\u00f6nnen. Die vollst\u00e4ndige Teilhabe muss m\u00f6glich sein. Die Vorsitzende des Kirchenvorstands in meiner Gemeinde ist zum Beispiel katholisch. Mein Schriftf\u00fchrer ist Presbyterianer. und der Schatzmeister ist tats\u00e4chlich Anglikaner.<\/p>\n<p><em>Was denken Sie \u00fcber die Kirchensteuer?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill:<\/strong> Ich komme aus einer Kirche, die ihr Budget auf freiwilligen Spenden aufbaut. Und mir ist das Prinzip der freien Entscheidung auch n\u00e4her. Aber nat\u00fcrlich ist der \u00dcbergang vom deutschen System der Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt ist, hin zu einem freiwilligen System schwierig und m\u00fcsste \u00fcber Jahrzehnte organisiert werden. Es br\u00e4uchte alternative Finanzkonzepte, etwa f\u00fcr die gesellschaftlichen Angebote und die soziale Daseinsf\u00fcrsorge, die Kirchen auch \u00fcber die Kirchensteuer mitfinanzieren.<\/p>\n<p><em>Was halten Sie von dieser Art der Definition von Kirchenmitgliedschaft?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill:<\/strong> Ich habe da ein philosophisch-theologisches Grundsatzproblem. Denn f\u00fcr mich ist die Taufe eine Sache f\u00fcr die Ewigkeit. Getauft ist getauft. Die Frage der Kirchenmitgliedschaft h\u00e4ngt bei den beiden gro\u00dfen Kirchen in Deutschland zu sehr davon ab, ob jemand auf einer Liste der Beh\u00f6rden eingetragen ist.<\/p>\n<p>Die anglikanischen Gemeinden in Deutschland haben traditionell eine enge Bindung zur alt-katholischen Kirche, die wiederum Kirchensteuern einzieht. F\u00fcr unsere Gemeinden w\u00fcrde das aber nicht funktionieren. Denn bei uns w\u00fcrden diejenigen, die in die Gemeinde kommen, auch Kirchensteuer zahlen. Das w\u00e4ren eins zu eins dieselben Menschen, w\u00e4hrend es in anderen Gemeinden oft viel mehr kirchensteuerzahlende Mitglieder gibt als Menschen, die in die Kirche kommen. Unsere Gemeindemitglieder geben uns freiwillig mehr Geld, als wir durch die acht oder neun Prozent Kirchensteuer bekommen w\u00fcrden.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_625x352_60s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_1250x704_60s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_60s.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_360x203_70s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_720x406_70s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220514_Pixabay_vrediinka_Frau_Buch_Boot_1875x1056_rdax_1080x608_70s.jpg 3x\"><\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">\u201e\u00d6kumene\u201c hei\u00dft \u00fcbersetzt \u201edie ganze bewohnte Erde\u201c und meint die Verbundenheit von Christ*innen verschiedener Konfessionen. Diese Verbundenheit wird in Deutschland und weltweit gelebt \u2013 mit vielen inspirierenden Projekten zum Mit- und Nachmachen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<p><em>Vor welchen Herausforderungen stehen ihre Mitgliedskirchen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill:<\/strong> Zurzeit begeistern sich noch viele Menschen f\u00fcr die \u00d6kumene, doch pr\u00e4gen vor allem die \u00e4lteren Generationen das Bild. Die gro\u00dfe Herausforderung der kommenden Jahre ist es, auch die n\u00e4chste Generation daf\u00fcr zu gewinnen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Begeisterung weiterlebt. Und daran arbeiten wir auch als ACK.<\/p>\n<p><em>Die ACK scheint eher zur\u00fcckhaltend, was Stellungnahmen zu brisanten politischen Themen angeht, wie etwa Gentechnik oder Schwangerschaftsabbruch. Hat das einen Grund?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill:<\/strong> Ja, da ist eine gewisse Zur\u00fcckhaltung notwendig. Die ACK ist ein Zusammenschluss vieler unterschiedlicher Kirchen mit teils sehr verschiedenen \u00dcberzeugungen. Auch innerhalb der einzelnen Kirchen gibt es bei bestimmten Themen unterschiedliche Meinungen. Das ist also keineswegs nur eine Frage zwischen den Konfessionen, sondern betrifft auch die Diskussionen innerhalb der einzelnen Kirchen.<\/p>\n<p><em>Das betrifft wohl auch die j\u00fcngste Erkl\u00e4rung des Weltkirchenrats, in der Israel wegen der Behandlung der Pal\u00e4stinenser Apartheid vorgeworfen wird. Wie ist Ihre pers\u00f6nliche Meinung?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill:<\/strong> Ich war nicht \u00fcberzeugt von der Verwendung des Begriffs \u201eApartheid\u201c, auch wenn ich viele Inhalte des Papiers h\u00e4tte unterschreiben k\u00f6nnen. Die Auswirkungen des Konflikts erleben wir sehr unmittelbar, etwa durch die wiederholten Angriffe auf das anglikanische Al-Ahli-Arab Hospital in Gaza-Stadt. Zugleich verurteile ich den \u00dcberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 uneingeschr\u00e4nkt. Es steht f\u00fcr mich au\u00dfer Frage, dass die Welt ohne diese Organisation besser w\u00e4re. Genauso halte ich das aktuelle Vorgehen der israelischen Armee in Gaza f\u00fcr unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Doch ist fraglich, ob es hilfreich ist, eine einseitige Erkl\u00e4rung abzugeben, in der Israel als alleiniger Aggressor dargestellt wird und die Hamas gar nicht erw\u00e4hnt wird.<\/p>\n<p><em>Wie wirkt sich die besondere historische Verantwortung Deutschlands auf den kirchlichen Umgang mit dem Nahost-Konflikt aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Easthill<\/strong>: Insgesamt sind wir meiner Ansicht nach in eine Entweder-oder-Logik geraten &#8211; vielleicht sogar noch st\u00e4rker in Deutschland. Deutschland steht mit seiner Haltung, auch im kirchlichen Bereich, recht isoliert da. In anderen L\u00e4ndern sind Kirchen oftmals eher bereit, Israels Regierungspolitik deutlicher zu kritisieren als hier. Daf\u00fcr gibt es, wie ich gut nachvollziehen kann, historisch gewachsene Gr\u00fcnde. Ich habe ja inzwischen auch einen deutschen Pass und damit die deutsche Geschichte gewisserma\u00dfen adoptiert.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>epd-Gespr\u00e4ch: Franziska Hein und Stephan Cezanne<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt a.M. (epd). Christopher Easthill ist seit M\u00e4rz Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). 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