{"id":8678,"date":"2025-10-07T22:13:23","date_gmt":"2025-10-07T22:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/07\/ekd-klimakampagne-will-konkrete-schritte-foerdern-ekd\/"},"modified":"2025-10-07T22:13:24","modified_gmt":"2025-10-07T22:13:24","slug":"ekd-klimakampagne-will-konkrete-schritte-foerdern-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/07\/ekd-klimakampagne-will-konkrete-schritte-foerdern-ekd\/","title":{"rendered":"EKD-Klimakampagne will konkrete Schritte f\u00f6rdern \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Die EKD-Klimakampagne \u201eDu z\u00e4hlst!\u201c ist gerade gestartet. Warum war es aus Ihrer Sicht notwendig, diese Kampagne ins Leben zu rufen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Kristina K\u00fchnbaum-Schmidt:<\/strong> Die Klimakrise ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung unserer Zeit. Sie betrifft nicht nur das Leben heute, sondern auch das k\u00fcnftiger Generationen. Wenn die evangelische Kirche \u00fcber diese Kampagne mit Menschen in Kontakt kommt, die das Thema zwar interessant finden, f\u00fcr die es aber nicht im Mittelpunkt steht, dann hat sie etwas Wichtiges erreicht. Ich bin gespannt, wie es gelingen wird, \u00fcber diese Kampagne auf kreative Weise zu unserer menschlichen Mitverantwortung f\u00fcr Gottes Sch\u00f6pfung ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p><em>Sie nennen die Klimakrise einen \u201eWeckruf, der nicht \u00fcberh\u00f6rt werden darf\u201c. Aktuelle hat man aber den Eindruck, dass der Ruf von vielen in der Politik, aber auch im Alltag \u00fcberh\u00f6rt wird. Warum blenden wir das Thema immer wieder aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Viele Menschen wissen um die Dringlichkeit. Zugleich haben sie den Eindruck, ihr eigenes Handeln k\u00f6nne dabei wenig ausrichten. Anderen erscheinen die Folgen der Klimakrise zeitlich wie geografisch noch weit entfernt. Aber die Folgen der Klimakrise sind ja l\u00e4ngst auch bei uns zu sp\u00fcren. Was dieses Thema angeht, habe ich zuweilen den Eindruck, dass Politik und Gesellschaft dazu neigen, die Realit\u00e4t der Klimaver\u00e4nderungen beiseitezuschieben \u2013 denn wenn man die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu ernst nimmt, geht es um konkretes und entschlossenes Handeln. Handeln, das auch f\u00fcr jede und jeden Einzelnen unbequem sein kann. Deshalb ist auch die neue Form des Energiewende-Monitorings von Wirtschaftsministerin Reiche zu kritisieren: Wenn Ereignisse weichgesp\u00fclt oder besch\u00f6nigt werden, verlieren wir wertvolle Zeit. In der Bibel hei\u00dft es: \u201eGott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.\u201c (2. Tim 1,7). Das gibt uns die Freiheit, uns den Herausforderungen zu stellen \u2013 und Mut, im Vertrauen auf Gott auch unbequeme Ver\u00e4nderungen anzugehen.<\/p>\n<p><em>Ein zentrales Stichwort ist \u201eKlimagerechtigkeit\u201c. Was verstehen Sie darunter und warum ist dieses Thema f\u00fcr die Kirche besonders wichtig?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Die Lasten der Klimakrise sind weltweit sehr ungleich verteilt. Menschen im globalen S\u00fcden, die am wenigsten zu ihren Ursachen beigetragen haben, leiden schon heute am st\u00e4rksten unter ihren Folgen wie D\u00fcrren, \u00dcberschwemmungen und Ernteausf\u00e4llen. All das tr\u00e4gt auch zu Flucht und Auseinandersetzungen um weniger werdende Ressourcen bei. Aber auch bei uns in Europa sind die Lasten ungleich verteilt. Schauen Sie sich die Steigerungen bei den Lebensmittel- oder den Energiepreisen an: Das trifft Haushalte mit kleineren und mittleren Einkommen viel h\u00e4rter als Gutverdienende und Wohlhabende. Und im Blick auf die Generationenfolge sind es unsere Kinder und Enkelkinder, also die kommenden Generationen, die mit den Folgen unseres heutigen Handelns oder Nichthandelns leben m\u00fcssen. Klimagerechtigkeit bedeutet, diese ungleiche Lastenverteilung der Konsequenzen unseres Handelns zu benennen und nach Ausgleich zu suchen.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit ist ein zentrales Anliegen unseres Glaubens. In der Bibel h\u00f6ren wir immer wieder, dass Gott sich den Schwachen und Schutzlosen zuwendet, etwa in den Psalmen oder bei den Propheten, die f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit eintreten. Jesus selbst stellt in der Bergpredigt die Armen und Trauernden, die Hungernden und Durstigen nach Gerechtigkeit in die Mitte seiner Botschaft. Klimagerechtigkeit ist deshalb f\u00fcr uns auch eine zutiefst geistliche Aufgabe: Sie geh\u00f6rt zu unserem Auftrag, achtsam mit Gottes Sch\u00f6pfung umzugehen und solidarisch an der Seite derer zu stehen, die besonders verletzlich sind.<\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem stehen die Alltagsbereiche \u201eMobilit\u00e4t\u201c und \u201eEinkaufen\u201c im Blickpunkt. Warum wurden gerade diese drei Schwerpunkte gew\u00e4hlt?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Mobilit\u00e4t, Ern\u00e4hrung und Konsum geh\u00f6ren zu den Bereichen, in denen wir alle t\u00e4glich Entscheidungen treffen. Hier k\u00f6nnen wir ganz pers\u00f6nlich einen Unterschied machen. Es geht nicht darum, Menschen zu belehren oder ihnen Schuldgef\u00fchle zu machen, sondern darum, wirksame Handlungsm\u00f6glichkeiten aufzuzeigen. Wer klimabewusst einkauft oder das Auto \u00f6fter stehen l\u00e4sst, tr\u00e4gt ganz konkret dazu bei, CO\u2082 einzusparen. Das sind scheinbar kleine Schritte, die in der Summe gro\u00dfe Wirkung entfalten \u2013 und zugleich Selbstwirksamkeit erfahrbar machen.<\/p>\n<p><em>Welche Rolle spielt der Glaube bei der Motivation, sich f\u00fcr Klimaschutz und eine gerechte Welt einzusetzen?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Glaube und Spiritualit\u00e4t sind entscheidende Kraftquellen im Einsatz f\u00fcr Klimaschutz und Gerechtigkeit. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Gott diese Welt in Liebe geschaffen hat, sie rettet und erh\u00e4lt. Zugleich nimmt er uns als seine Mitarbeitenden dabei an seine Seite. Martin Luther hat unsere menschliche Rolle als \u201ecooperator Dei\u201c \u2013 als Mitarbeitende Gottes \u2013 beschrieben, nicht mehr, nicht weniger. Der Glaube an den rettenden und erhaltenden Gott schenkt uns dar\u00fcber hinaus die Zuversicht: Wir sind nicht allein. Wir handeln im Vertrauen darauf, dass Gott selbst diese Welt nicht losl\u00e4sst und in der Gemeinschaft mit denen, die sich davon ermutigt f\u00fchlen. Diese Hoffnung macht uns frei, mutig Schritte zu gehen, auch wenn sie klein erscheinen.<\/p>\n<p><em>Welche Verantwortung hat die Kirche im Vergleich zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Die Klimakrise ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Mit ihr zu leben und umzugehen und sich ihr zu stellen, braucht Orte zur Artikulation von Angst und Verzweiflung sowie des Zuspruchs von Hoffnung und Kraft. Kirchengemeinden und kirchliche Institutionen sind solche Orte. Sie sind pr\u00e4sent, etwa in Form von Einkehrtagen, Klimabarcamps oder Klima-Andachten und anderen geistlichen Veranstaltungen, auch im Zusammenhang von Klima-Demonstrationen oder den Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst. Die \u201eSch\u00f6pfungszeit\u201c zwischen 1. September und 4. Oktober und der \u00d6kumenische Tag der Sch\u00f6pfung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der jedes Jahr am ersten Freitag im September gefeiert wird, sind fest etablierte Zeiten und Orte von Sch\u00f6pfungsspiritualit\u00e4t, wie es fr\u00fcher nur das Erntedankfest war. Sch\u00f6pfungsspiritualit\u00e4t kann dazu verhelfen, im \u00f6kologischen Engagement eine Bereicherung des eigenen Lebens zu erfahren. Sie kann daf\u00fcr sensibilisieren, welche neuen Chancen in der \u00f6kologisch-sozialen Transformation liegen.<\/p>\n<p>Neben dieser besonderen spirituell gepr\u00e4gten Rolle hat die Kirche auch eine besondere Stimme. Gerade weil sie keine parteipolitische Akteurin ist, kann sie die Politik an ihre Zusagen und ihre Verantwortung erinnern. Und dabei darf und kann sie auch unbequem sein \u2013 weil sie aus dem Evangelium heraus spricht, weil sie den Blick auf die W\u00fcrde und das Wohl aller Menschen richtet, und weil sie mahnt, was leicht verdr\u00e4ngt oder verschwiegen wird: die Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung, f\u00fcr Gerechtigkeit und f\u00fcr Frieden \u2013 heute und in Zukunft.<\/p>\n<p><em>Viele Menschen f\u00fchlen sich ohnm\u00e4chtig angesichts der Klimakrise. Welche Botschaft m\u00f6chte die Kampagne dagegensetzen?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Die Kampagne will darauf aufmerksam machen, dass jeder Beitrag zum Klimaschutz z\u00e4hlt! Sie ermutigt auch zu kleinen Schritten. Au\u00dferdem will sie Verbindungen kn\u00fcpfen, aufzeigen, was bereits geschieht und dazu einladen, sich mit anderen zu vernetzen.<\/p>\n<p><em>Wie sind Einrichtungen und Kirchengemeinden in die Kampagne eingebunden?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Die Mitglieder unserer Kirchengemeinden und die Mitarbeitenden in den Einrichtungen sind wie unsere vielen ehrenamtlich Engagierten der wesentliche Teil. Sie k\u00f6nnen eigene Aktionen starten, durch ihr Handeln Vorbild sein, in Gottesdiensten Schwerpunkte setzen oder in Bildungsangeboten f\u00fcr das Thema sensibilisieren. Damit wird etwas nicht einfach zentral gesteuert oder vorgesetzt, sondern w\u00e4chst von vielen Orten her. Das st\u00e4rkt die Glaubw\u00fcrdigkeit und zeigt die Vielfalt kirchlichen Engagements f\u00fcr den Klimaschutz.<\/p>\n<p><em>Gibt es konkrete Ziele, messbare Erfolge, die Sie mit der Kampagne erreichen wollen?<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchnbaum-Schmidt: <\/strong>Ich habe die Entscheidung der EKD f\u00fcr diese Kampagne so verstanden: Sie will Bewusstsein schaffen, Verbindungen kn\u00fcpfen und konkrete Schritte f\u00f6rdern. Dazu geh\u00f6rt, dass Gemeinden, Einrichtungen und Einzelne ihre CO\u2082-Bilanzen im Blick behalten, nachhaltiger einkaufen oder ihre Mobilit\u00e4t klimafreundlicher gestalten. Messbar ist das zum Beispiel an der Zahl der Mitwirkenden oder an Projekten, die umgesetzt werden. Durch all das wird ein grundlegender Wandel unterst\u00fctzt \u2013 hin zu einer Kirche, die mit ihrem Glauben wie ihrem Lebensstil glaubw\u00fcrdig f\u00fcr einen achtsamen Umgang mit Gottes Sch\u00f6pfung einsteht und andere dazu einl\u00e4dt.<\/p>\n<p><em>Interview: J\u00f6rg Echtler<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EKD-Klimakampagne \u201eDu z\u00e4hlst!\u201c ist gerade gestartet. 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