{"id":8681,"date":"2025-10-10T14:05:25","date_gmt":"2025-10-10T14:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/10\/impulsvortrag-auf-der-dgb-konferenz-zusammenhalten-zusammen-handeln-ekd\/"},"modified":"2025-10-10T14:05:26","modified_gmt":"2025-10-10T14:05:26","slug":"impulsvortrag-auf-der-dgb-konferenz-zusammenhalten-zusammen-handeln-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/10\/impulsvortrag-auf-der-dgb-konferenz-zusammenhalten-zusammen-handeln-ekd\/","title":{"rendered":"Impulsvortrag auf der DGB-Konferenz \u201eZusammenhalten, zusammen handeln\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Guten Abend!<\/p>\n<p>Der Abend steht unter einer einfachen Frage: Braucht unsere Gesellschaft ein Update?<\/p>\n<p>Bei Technik ist die Sache recht klar: Ein Betriebssystem braucht von Zeit zu Zeit ein Update. Nicht, weil es kaputt ist, sondern weil sich die Umgebung ver\u00e4ndert. Neue Anforderungen, neue Sicherheitsl\u00fccken, neue M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Auch bei der Gesellschaft erscheint mir das schl\u00fcssig: Wir m\u00fcssen sie regelm\u00e4\u00dfig erneuern, damit sie zukunftsf\u00e4hig bleibt. Ein Update ist aber keine Revolution. Revolutionen rei\u00dfen Systeme nieder, erzeugen Br\u00fcche und oft auch Gewalt. Ein Update dagegen baut auf dem Bew\u00e4hrten auf, schlie\u00dft L\u00fccken, passt sich an. Fortschritt ohne den Verlust von Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt: Wir brauchen keine \u201eKettens\u00e4ge\u201c und keinen \u201eKahlschlag\u201c, sondern kontinuierliche Erneuerung \u2013 ein Update, das Demokratie und Zusammenleben resilient h\u00e4lt. Reformation statt Revolution!<\/p>\n<p><strong>Wo ein Update n\u00f6tig ist<\/strong><\/p>\n<p>Drei Bereiche stechen f\u00fcr mich hervor:<\/p>\n<p>Erstens: Vertrauen.<\/p>\n<p>Es ist schwer aufzubauen, schnell verloren \u2013 und in den letzten Jahren stark besch\u00e4digt. Das Vertrauen in Politik, Institutionen und auch Grundvertrauen in andere Menschen in der Gesellschaft ist gesunken, nicht zuletzt durch die Pandemie.<\/p>\n<p>Zweitens: Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Die Ungleichheit w\u00e4chst. Armut trotz Arbeit ist Realit\u00e4t. Gleichzeitig klingen manche politische Diskurse, als w\u00e4re der Sozialstaat nur ein \u201eKlotz am Bein\u201c.\u00a0 Doch gro\u00dfe Transformationen \u2013 Digitalisierung, Klimawandel, der Umbau der Arbeitswelt \u2013 gelingen nur mit sozialer Sicherheit und fairer Lastenverteilung. Fortschritt z\u00e4hlt nur, wenn er allen zugutekommt.<\/p>\n<p>Drittens: Zusammenhalt.<\/p>\n<p>80 Prozent der Menschen in Deutschland nehmen eine Spaltung der Gesellschaft wahr. Polarisierung und Emp\u00f6rungskultur pr\u00e4gen das Klima, die Gewaltbereitschaft steigt. Es wird immer schwerer, im Gespr\u00e4ch zu bleiben. Aber genau das ist Grundvoraussetzung f\u00fcr Demokratie.<\/p>\n<p><strong>Wie ein Update gelingen kann<\/strong><\/p>\n<p>Erstens: Vertrauen durch Beziehungsarbeit.<\/p>\n<p>Als Christin entspricht \u201eEmpathie statt Ego\u201c nat\u00fcrlich meiner tiefen \u00dcberzeugung. Das biblische Wort \u201eDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst\u201c (3. Mose 19,18) bringt das auf den Punkt. Das ist kein moralischer Appell, sondern ein Programm f\u00fcr gelingendes Zusammenleben.<\/p>\n<p>Diese N\u00e4chstenliebe umfasst beides: die Achtung vor mir selbst und die Achtung vor dem Anderen. Daraus w\u00e4chst eine Haltung, die in Respekt, W\u00fcrde und Toleranz zum Ausdruck kommt. Kurz gesagt: \u201eEmpathie statt Ego\u201c.<\/p>\n<p>Vertrauen braucht Empathie \u2013 die F\u00e4higkeit, die Perspektive des Gegen\u00fcbers einzunehmen. Nicht das Eigene durchsetzen um jeden Preis, sondern der Blick darauf, was mein Handeln f\u00fcr den anderen bedeutet. Wer im Mitmenschen etwas von Gottes Mitmenschlichkeit erkennt, kann sich nicht abwenden \u2013 weder von sich selbst noch vom anderen.<\/p>\n<p>Vertrauen l\u00e4sst sich nicht verordnen, es w\u00e4chst durch Erfahrung und Verl\u00e4sslichkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Institutionen muss das bedeuten: Es braucht Kontaktfl\u00e4chen. Orte, an denen Menschen Institutionen erleben \u2013 sei es Verwaltung, Pflege oder Zivilgesellschaft. Orte, wo Vertrauensbeziehungen aufgebaut werden k\u00f6nnen. Es sind die Angeh\u00f6rigen einer Organisation, die jeden Tag aufs Neue Vertrauen begr\u00fcnden und die gesamte Vertrauensw\u00fcrdigkeit einer Organisation darstellen.<\/p>\n<p>Jeder Angriff auf diese Menschen ist ein Angriff auf unser Gemeinwesen. Aber R\u00fcckzug darf keine Antwort sein. Wir brauchen mehr Schutz, mehr Pr\u00e4vention, mehr Aufkl\u00e4rung \u2013 umso dankbarer bin ich f\u00fcr die Konferenz heute und die DGB-Initiative \u201eVergiss nie, hier arbeitet ein Mensch\u201c.<\/p>\n<p>Zweitens: Einen zukunftsfesten Sozialstaat.<\/p>\n<p>\u201eDer Vorrang f\u00fcr die Schwachen\u201c \u2013 das zeichnet nicht nur meinen Glauben als Christin aus. Das ist auch die Grundlage von Zusammenhalt. Der Sozialstaat ist kein Hindernis, sondern Voraussetzung f\u00fcr Wohlstand. Aber: Viele Leistungen erreichen die Menschen nicht. Familien verlieren im B\u00fcrokratie-Dschungel schnell den \u00dcberblick. Die Diakonie fordert deshalb: \u201eEin Antrag \u2013 ein Bescheid.\u201c Ein kleines Update, das gro\u00dfe Wirkung h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Drittens: Mehr Verst\u00e4ndigung wagen.<\/p>\n<p>Wir brauchen reale R\u00e4ume, in denen Menschen miteinander reden \u2013 jenseits der Kommentarspalten. Deshalb haben wir als Evangelische Kirche die Initiative #Verst\u00e4ndigungsOrte gestartet: Gemeinden und Akademien laden Menschen mit v\u00f6llig unterschiedlichen Positionen zum Gespr\u00e4ch ein \u2013 \u00fcber genau die Themen, die polarisieren.<\/p>\n<p>Nicht nur Kirchengemeinden, auch Betriebe k\u00f6nnen Orte sein, wo Menschen mit g\u00e4nzlich unterschiedlicher politischer Auffassung aufeinandertreffen.<\/p>\n<p>Die evangelische Tradition sagt aus: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, jeder hat W\u00fcrde \u2013 unabh\u00e4ngig von Leistung, Herkunft oder Meinung. Wenn wir das ernst nehmen, dann ist Empathie kein \u201enice to have\u201c, sondern eine Grundhaltung. Sie macht es m\u00f6glich, auch mit Menschen im Gespr\u00e4ch zu bleiben, die uns fremd sind oder mit denen wir uns schwertun.<\/p>\n<p>Und Demokratie lebt vom Aushalten anderer Meinungen \u2013 und vom Zuh\u00f6ren. Wer mitreden darf, f\u00fchlt sich zugeh\u00f6rig. Orte, an denen solch eine Debattenkultur erfahrbar wird, sind das beste Update f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt.<\/p>\n<p><strong>Abschluss: Endlich updaten<\/strong><\/p>\n<p>Brauchen wir Updates? Ich w\u00fcrde sagen: Ja \u2013 damit die Demokratie stabil bleibt, Vertrauen w\u00e4chst, Zusammenhalt gest\u00e4rkt wird. Ich bin gespannt, gleich mit Ihnen allen und euch dazu ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommt so ein Update nie zum passenden Zeitpunkt. Ich ertappe mich selbst dabei, auf \u201eUpdate sp\u00e4ter installieren\u201c zu klicken. Aber wir alle wissen: Ohne Updates wird jedes System irgendwann instabil, verletzlich, unbrauchbar.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir Mut: Klicken wir die Updates nicht l\u00e4nger weg. Wagen wir den Neustart!<\/p>\n<p>Kirchen und Gewerkschaften verbindet eine gemeinsame Wertebasis: Jeder Mensch z\u00e4hlt. Das ist eine starke Grundlage f\u00fcr ein Update. Aber ein gesellschaftliches Update gelingt nur, wenn wir es gemeinsam wagen \u2013 mit Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und allen, die dieses Land tragen.<\/p>\n<p>Ein Betriebssystem bleibt nur leistungsf\u00e4hig, wenn es regelm\u00e4\u00dfig geupdatet wird.<\/p>\n<p>Und eine Gesellschaft bleibt nur stark, wenn wir zusammenhalten, zusammen handeln.<\/p>\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Abend! Der Abend steht unter einer einfachen Frage: Braucht unsere Gesellschaft ein Update? 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