{"id":8699,"date":"2025-10-21T12:51:24","date_gmt":"2025-10-21T12:51:24","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/21\/wie-luther-unser-deutsch-bis-heute-praegt-ekd\/"},"modified":"2025-10-21T12:51:25","modified_gmt":"2025-10-21T12:51:25","slug":"wie-luther-unser-deutsch-bis-heute-praegt-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/10\/21\/wie-luther-unser-deutsch-bis-heute-praegt-ekd\/","title":{"rendered":"Wie Luther unser Deutsch bis heute pr\u00e4gt \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>T\u00fcbingen\/Bonn (epd). Heinrich Heine staunte: \u201eWie Luther zu der Sprache gelangt ist, in der er seine Bibel \u00fcbersetzte, ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Diese Schriftsprache gibt unserem politisch und religi\u00f6s zerst\u00fcckelten Deutschland eine literarische Einheit\u201c, schrieb der Dichter im 19. Jahrhundert. Der Bonner Germanist Werner Besch nennt die Lutherbibel gar den \u201ewichtigsten Steuerungsfaktor\u201c der deutschen Sprachgeschichte. Sie schuf aus einzelnen Dialekten ein verbindendes Medium &#8211; vereinte Friesen, Bayern, Sachsen und Schwaben unterm gleichen Wortklang.<\/p>\n<p>Vor mehr als 500 Jahren, im Dezember 1521, begann der Reformator auf der Wartburg mit der \u00dcbersetzung des Neuen Testaments vor allem aus dem Griechischen ins Deutsche. Seine Methode? Radikal einfach: Er schaute dem Volk aufs Maul. Martin Luther lauschte der Sprache auf den M\u00e4rkten, in den Gassen, beim Handwerk &#8211; und fragte Knappe und Magd, wie sie sprechen. Die Bibel sollte klingen wie das Leben selbst.<br \/>Dass Luthers Sprache bis heute nachhallt, merken viele gar nicht: Sie sagen \u201eein Stein des Ansto\u00dfes\u201c (1. Petrus 2,8), \u201edas Licht unter den Scheffel stellen\u201c (Matth\u00e4us 5,15), \u201eniemand kann zwei Herren dienen\u201c (Matth\u00e4us 6,24) oder \u201ePerlen vor die S\u00e4ue werfen\u201c (Matth\u00e4us 7,6) &#8211; und benutzen damit Redewendungen, die Luther in die Alltagssprache ges\u00e4t hat.<\/p>\n<p>Viele Begriffe sind seine Sprachsch\u00f6pfung: \u201eMorgenland\u201c, \u201eFeuereifer\u201c, \u201eLangmut\u201c, \u201eL\u00e4stermaul\u201c, \u201eL\u00fcckenb\u00fc\u00dfer\u201c, \u201eHerzenslust\u201c, \u201egastfrei\u201c, \u201efrohgemut\u201c, \u201ewetterwendisch\u201c. Sie waren vor Luther unbekannt und pr\u00e4gen seit 1522 das deutsche Vokabular mit. Auch Alltagsformeln wie \u201esein Herz aussch\u00fctten\u201c (Psalm 62,9), \u201edie Zunge im Zaum halten\u201c (Jakobus 3,2) und \u201eein Herz und eine Seele sein\u201c (Apostelgeschichte 4,32) gehen auf den Reformator zur\u00fcck.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 2022 gestorbenen Journalisten Wolf Schneider war Luther das Vorbild f\u00fcr Verst\u00e4ndlichkeit und Wortkraft schlechthin: Seine Sprache erreiche Laien wie Gelehrte. Schneider empfahl Journalisten und Pfarrern wiederholt, t\u00e4glich in der Lutherbibel zu lesen, um sich ein Beispiel an deren Sprachstil zu nehmen. Schlichtheit, Bildkraft, Wahrhaftigkeit &#8211; darum gehe es. Schneider kritisierte den \u201eakademischen Hochmut\u201c zahlreicher kirchlicher Verlautbarungen: Worte wie \u201eApostolizit\u00e4t\u201c oder \u201ekybernetisch-missionarische Kompetenz\u201c seien die \u201ePest\u201c f\u00fcr eine verst\u00e4ndliche Sprache. Luther habe gezeigt, dass sich Schwieriges stets einfach sagen lasse.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_625x352_60s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_1250x704_60s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_60s.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_360x203_70s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_720x406_70s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/20170131_epd-bild-Jens-Ulrich%20Koch_reformationstag_1875_rdax_1080x608_70s.jpg 3x\"><\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">Am Reformationstag erinnern Protestant*innen in aller Welt an den Beginn der Reformation durch die Ver\u00f6ffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther. Mit seiner Kritik an der Kirche seiner Zeit hat Luther Ver\u00e4nderungen angesto\u00dfen, die zum Entstehen der evangelischen Kirche f\u00fchrten.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<p>\u201eDie neue Konfession und ihr Haupttext, die Bibel, sollten alle erreichen. Darum w\u00e4hlte Luther immer landl\u00e4ufige Ausdrucksweisen\u201c, erkl\u00e4rt der T\u00fcbinger Rhetorik-Professor Joachim Knape. Seine bildm\u00e4chtigen Formulierungen gingen ins Ohr und blieben f\u00fcrs Leben: poetisch und konkret zugleich. Knape schildert, wie das gelang: \u201eDamals las man alles laut, auch wenn man allein war\u201c, sagt der Rhetorik-Professor und f\u00fcgt hinzu: \u201eLuther kontrollierte damit die Eing\u00e4ngigkeit der deutschen \u00dcbersetzung beim H\u00f6rlesen.\u201c<\/p>\n<p>Bei modernen Bibel\u00fcberarbeitungen fehle oft diese Musikalit\u00e4t, kritisiert der T\u00fcbinger Professor: Aus dem knappen \u201e\u00c4rgernis\u201c (Matth\u00e4us 18,7) werden da langatmige, mehrsilbige \u201eVerf\u00fchrungen\u201c. Knape: \u201eDas ist nicht das Produkt eines rhetorisch an seine H\u00f6rer denkenden Predigers, sondern es ist ein Produkt modernen, uninspirierten und grauen Philologentums.\u201c Damit ruiniere man Luthers rhetorische Schlagkraft.<\/p>\n<p>Dass Luther f\u00fcr Generationen zum Sprachlehrer wurde, hat aber noch einen weiteren Grund: Er lebte an der Sprachgrenze zwischen Nord- und S\u00fcddeutsch, nutzte die mitteldeutsche Kanzleisprache als Br\u00fccke und filterte die bestverstandenen Begriffe heraus. Wer heute im Rheinland Schwester statt Suster sagt oder im S\u00fcddeutschen Lippe statt Lefze und Peitsche statt Gei\u00dfel, folgt dem Standard, den Luther mit seiner Bibel\u00fcbersetzung schuf.<br \/>Seine \u00dcbertragung wurde Grundlage der Schriftsprache der Deutschen, durch den Buchdruck bekam sie einen gewaltigen Schub. Goethe und die Br\u00fcder Grimm schw\u00e4rmten: Erst mit Luther bekam das Deutsche literarischen Glanz und Einheit.<\/p>\n<p>Und heute? \u201eViele Redewendungen gelten als Alltagssprache, ihr Ursprung ist vergessen\u201c, meint Germanist Werner Besch. Gerade Luthers Mischung aus poetischer Sprachgestaltung und Alltagseing\u00e4ngigkeit macht seine S\u00e4tze zu Volksgut. Ob \u201eMit seinen Pfunden wuchern\u201c, \u201eDavid gegen Goliath\u201c oder \u201eHiobsbotschaft\u201c &#8211; Luthers Sprachbilder bieten noch heute f\u00fcr viele Lebenslagen das treffende Wort.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcbingen\/Bonn (epd). 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