{"id":8746,"date":"2025-11-06T15:19:40","date_gmt":"2025-11-06T15:19:40","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/11\/06\/es-ist-die-pflicht-der-kirche-ekd\/"},"modified":"2025-11-06T15:19:41","modified_gmt":"2025-11-06T15:19:41","slug":"es-ist-die-pflicht-der-kirche-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2025\/11\/06\/es-ist-die-pflicht-der-kirche-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist die Pflicht der Kirche\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p><strong>Frau H\u00f6fer, welche speziellen Formen von Machtaus\u00fcbung gibt es in der Kirche?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alena H\u00f6fer:<\/strong> Macht ist zun\u00e4chst ein neutraler Begriff. Er besagt, dass Menschen die M\u00f6glichkeit haben, etwas Wirklichkeit werden zu lassen oder nicht. Damit gehen unterschiedliche Machtpositionen einher, in denen mit Macht kritisch und sensibel umgegangen werden kann oder aus denen heraus Machtmissbrauch betrieben werden kann. Das Spezifische in Kirche ist aus meiner Sicht, dass Macht in der Kirche immer auch mit Religion, d.h. mit Theologien, Traditionen, \u00c4mterverst\u00e4ndnissen und Praktiken verbunden ist. Das unterscheidet Machtverh\u00e4ltnisse in Kirche von Machtverh\u00e4ltnissen in politischen oder gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen. Ansonsten finden sich in kirchlichen und au\u00dferkirchlichen Zusammenh\u00e4ngen diesbez\u00fcglich sehr viele Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<p><strong>Kirche tritt als eine Institution auf, die auch eine spirituelle, religi\u00f6se Gemeinschaft ist und moralische Werte vermitteln m\u00f6chte. Entsteht dadurch eine Spannung zur Machtaus\u00fcbung auf der anderen Seite?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> Genau darin liegt der Grund, warum es in Kirche so schwerf\u00e4llt, \u00fcber Machtmissbrauch und Machtkritik zu sprechen. Das christliche Ideal der Kirche impliziert eine Gemeinschaft, in der alle willkommen sein sollen und in der es keine Ausgrenzung gibt. Dieses Ideal ist so wirkm\u00e4chtig, dass es oft schwerf\u00e4llt, \u00fcber bestehende Machthierarchien und Exklusionsmechanismen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Denn manchmal entsteht durch die Inklusion der einen, eine Exklusion der anderen. Vor allem in diesen Zeiten ist es aus meiner Sicht die Pflicht der Kirche, an der Seite der derzeit in unserer Gesellschaft angefeindeten und gef\u00e4hrdeten Gruppen zu stehen.<\/p>\n<p><strong>Sie besch\u00e4ftigen sich in Ihrer Forschung auch mit Diversit\u00e4t und Gendergerechtigkeit. Wie begegnet Ihnen das Thema Macht und Machtaus\u00fcbung dort?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> Diversit\u00e4ts- und Genderforschungen sind immer auch Machtkritik. Sie fragen nach den Strukturen, die Machtungleichheiten hervorgebracht haben, wie diese wirken und durch welche Mechanismen sie erhalten werden. Denken wir zum Beispiel an die Realit\u00e4t von Frauen of Color. Ihre intersektionalen Erfahrungen von Sexismus und Rassismus basieren nicht auf ihrer individuellen Identit\u00e4t, sondern auch strukturellen Machtasymmetrien. Das hei\u00dft, es liegt nicht an dem Verhalten der einzelnen Person, sondern aufgrund des Systems machen Menschen mit bestimmten Merkmalen diskriminierende und rassistische Erfahrungen. Das ist strukturelle Macht.<\/p>\n<p>Um besser zu begreifen, was das f\u00fcr Kirche bedeutet, m\u00fcssen wir diese Strukturen verstehen. Wir leben schon l\u00e4ngst in einer heterogenen, superdiversen Gesellschaft, aber die Mehrzahl unserer kirchlichen Gremien bildet das nicht ab. Es gibt durch den unerm\u00fcdlichen Aktivismus von Frauen eine Verbesserung der bin\u00e4ren geschlechtlichen Zusammensetzung. Zugleich zeigt der vor Kurzem erschiene Gleichstellungsatlas der EKD, dass dies noch nicht auf die mittlere und obere Leitungsebene zutrifft. Gleichzeitig sind queere Menschen, BIPoC oder Menschen mit Be\/hinderungen i.A. noch signifikant unterrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_625x352_60s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_1250x704_60s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_60s.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_360x203_70s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_720x406_70s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/tagung-synoed-2025-teaser_rdax_1080x608_70s.jpg 3x\"><\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">Hier finden Sie die Programmpunkte zum Themennachmittag von UEK, VELKD und EKD zum Schwerpunktthema \u201eKirche und Macht\u201c.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<h6 class=\"article--p-title primus--p-title\">  <\/h6>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnte die Kirche zu einem ad\u00e4quaten Umgang mit Machtstrukturen finden, welche Schritte sind notwendig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong>\u00a0Das ist ein Prozess, der schon begonnen hat. So haben etwa die feministische Theologie und die Frauenbewegung wichtige Impulse gegeben. Nun geraten viele weitere Gruppen in den Blick, wenn wir \u00fcber Behinderung, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung nachdenken. Sie machen zunehmend ihre Perspektiven deutlich. Die Erm\u00f6glichung, dass sie ihre Stimmen erheben k\u00f6nnen, hat \u00fcbrigens auch etwas mit Macht zu tun. Es ist klar: Es gibt nicht die eine, schnelle L\u00f6sung, sondern Machtsensibilit\u00e4t ist ein langer Weg. Da ist viel Zuh\u00f6ren n\u00f6tig, ein Haltungswechsel und auch radikale Selbstkritik. Aber es braucht auch finanzielle Mittel, um Ver\u00e4nderungen umzusetzen.<\/p>\n<p>Die Frauenbewegung w\u00e4re ohne entsprechende finanzielle Ressourcen so nicht m\u00f6glich gewesen, auch wenn diese in der Regel knapp bemessen waren und in Zeiten des \u00dcberflusses bewilligt worden sind. Gegenw\u00e4rtig besteht die Gefahr, dass genau an dieser Stelle Einsparungen beschlossen werden und es zu R\u00fcckschritten kommt. Die anderen Bewegungen und Gruppen, die jetzt zunehmend in den Blick kommen, brauchen aber auch entsprechende Unterst\u00fctzung. Dabei d\u00fcrfen wir die Gruppen besonders in Zeiten der Knappheit nicht gegeneinander ausspielen. Nach dem Motto: die Frauenbewegung hatte ihre Zeit, jetzt fokussieren wir uns mal auf andere Gruppen und investieren darein. Die Diskriminierungen h\u00e4ngen ja zusammen. All diese Formen gipfeln letztendlich in der Machtfrage und das ist eine dauerhafte Querschnittsaufgabe.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4ge eine Chance darin, Machtstrukturen transparent und die Kirche zu einem Lernort f\u00fcr den Umgang mit Macht zu machen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong>\u00a0Auf struktureller Ebene ist Transparenz immer ein guter erster Schritt. Wenn Kirche ihre derzeitigen Machtstrukturen transparent darstellt, werden darin auch die bestehenden destruktiven Machthierarchien deutlich werden. Das bedeutet nicht, dass es in Institutionen nicht immer auch funktionale Hierarchien braucht. In einem zweiten Schritt braucht es Haltungen und Handlungen. Wichtig ist dabei auch, einen sensiblen Blick zu entwickeln, wer in der Kirche Macht bekommt und wer nicht. Wenn wir dann Macht diverser verteilen, bedeutet das immer auch, dass es zu mehr Konflikten kommt, weil es eine diversere Gruppe Entscheidungen trifft. Hier braucht es eine gute Diskussions- und Konfliktkultur. Transparenz allein reicht aus meiner Sicht also nicht. Wir brauchen weitere Skills, um Diversit\u00e4t auch auf der allen Ebenen in Kirche Wirklichkeit werden zu lassen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle_rdax_945x532s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle_rdax_1890x1064s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle_rdax_945x532s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle_rdax_1890x1064s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle.jpg 3x\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_2835_x\/kristin-merle_rdax_945x532s.jpg\" alt=\"Prof. Dr. Kristin Merle\"\/><br \/>\n                                                    <\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">Prof. Dr. Kristin Merle spricht \u00fcber Macht als Gestaltungskraft, \u00fcber Transparenz, Vertrauen und die Notwendigkeit, Macht offen zu thematisieren \u2013 als Teil eines kirchlichen Kulturwandels.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<h6 class=\"article--p-title primus--p-title\">   <\/h6>\n<p><strong>Viele Menschen nehmen Kirche in letzter Zeit vor allem im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, also eklatantem Machtmissbrauch wahr. Was m\u00fcsste passieren, um verlorenes Vertrauen zur\u00fcckzugewinnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> Jetzt schwenken wir um zu einem anderen wichtigen Themenbereich, dem Machtmissbrauch mit Bezug auf sexualisierte Gewalt. Mein erster Blick richtet sich auf die individuelle Ebene der Betroffenen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich jeder Vertrauensverlust wieder gutmachen l\u00e4sst. Da sind Verletzungen geschehen, die sich nicht einfach wieder heilen lassen. Das berichten einige Betroffene. Andere Betroffene haben den Kontakt zu Kirche weiterhin gehalten. Die Vertrauensfrage wird von Betroffenen also unterschiedlich beantwortet. Dessen muss sich Kirche bewusst sein. Die Betroffenen und ihre Bed\u00fcrfnisse m\u00fcssen immer im Zentrum stehen. Die Vertrauensfrage wird dar\u00fcber hinaus auch auf einer institutionellen Ebene gestellt: Kann der Institution Kirche vertraut werden? Ich w\u00fcrde infrage stellen, ob es angemessen ist, angesichts der Ergebnisse der ForuM-Studie zu diesem Zeitpunkt \u00fcber Rehabilitation nachzudenken. Der Fokus muss auf der Aufarbeitung all dessen liegen, was etwa die ForuM-Studie an den Tag gebracht hat. Kirche muss sich so transformieren, dass es den T\u00e4ter*innen in Kirche m\u00f6glichst schwer gemacht wird und dass klare, transparente Verfahren im Falle eines \u00dcbergriffs etabliert werden. Wenn die Aufarbeitung und Transformation \u00fcberzeugend gelingt, entsteht die Rehabilitation von ganz alleine.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem noch einmal konkret gefragt: Wie k\u00f6nnte ein Weg aussehen, sich aus diesen diffusen Machtstrukturen, den Rollenverschiebungen zwischen Seelsorger und Autorit\u00e4tsperson zu l\u00f6sen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> An dieser Stelle muss ich doch noch betonen, dass ich keine explizite Fachperson im Bereich sexualisierter Gewalt bin, wenngleich ich mich nat\u00fcrlich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt habe. Klarheit ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor. Es braucht eine klare machtkritische Haltung. Amtspersonen m\u00fcssen besonders f\u00fcr diese Sensibilit\u00e4t von Machtmissbrauch der eigenen Rolle geschult werden. Das allein wird sexualisierte \u00dcbergriffe nicht verhindern. Darum braucht es auch klare Verfahren und Konsequenzen bei F\u00e4llen sexualisierter Gewalt, die allen Personen in Kirche bekannt sind. Damit sage ich Ihnen wohl nichts neues. An dieser Stelle gibt es aus meiner Sicht eine Gemeinsamkeit zur Antidiskriminierungsarbeit: Machtsensibilit\u00e4t bedeutet Klarheit in der eigenen Haltung und den daraus folgenden Verfahren.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_625x352_60s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_1250x704_60s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_60s.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_360x203_70s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_720x406_70s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_1080x608_70s.jpg 3x\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/synode-2025-1875_rdax_625x352_60s.jpg\" alt=\"Logo Synode 2025\"\/><br \/>\n                                                    <\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">Die 6. Tagung der 13. Synode der EKD findet vom 8. bis 12. November 2025 in Dresden statt.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<p><strong>Kirche ist Akteurin und Kritikerin von Macht zugleich. Wie kann es ihr gelingen, den eigenen Umgang mit Macht zu reflektieren und doch handlungsf\u00e4hig zu bleiben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> Ich sage es mal so, Kirche bleibt in der Zukunft in unserer Gesellschaft nur dann handlungsf\u00e4hig gem\u00e4\u00df ihren christlichen \u00dcberzeugungen, wenn sie sich selbst als Kirche und Gesellschaft machtkritisch reflektiert. In jeder Organisation, in jeder Gruppe braucht es Menschen, die Verantwortung \u00fcbernehmen. Damit geht Macht einher und die Notwendigkeit ihrer permanenten Reflexion und eines lernenden Umgangs mit ihr. Ich halte es an dieser Stelle f\u00fcr entscheidend, zwischen Person, Amt und Struktur sowie den unterschiedlichen Ebenen von Gemeinde und lokalen Gruppen bis hin zur obersten Leitungsebene zu entscheiden. Personen in einem Amt tragen eine andere Verantwortung im Umgang mit Macht, weil sie Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen f\u00fcr viele treffen. Grunds\u00e4tzlicher sind ein erster Einstieg Fragen, wie diese: Welche Perspektive habe ich und wo brauche ich als Entscheidungstr\u00e4ger*in noch andere Expertise? Wie kommen meine Entscheidungen zustande, wen habe ich einbezogen und \u2013 noch viel wichtiger \u2013 wen nicht?<\/p>\n<p><strong>Zwischen Kirche und Staat bestehen ja enge Beziehungen. Auch dabei geht es um Machtfragen. Wie sollte sich Kirche gegen\u00fcber der Politik positionieren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00f6fer:<\/strong> Kirche ist nicht Politik, aber Kirche ist nach meinem Verst\u00e4ndnis immer politisch. Die Frage ist nat\u00fcrlich, wozu \u00e4u\u00dfert sie sich? Sich auf Basis des christlichen Glaubens einzumischen, bringt einen gesellschaftlichen Mehrwert. Aus meiner Sicht k\u00f6nnte sich die Kirche manchmal noch st\u00e4rker positionieren. Zum Beispiel im Umgang mit rechten Tendenzen. Ich nehme einen starken Fokus auf den Umgang mit AfD W\u00e4hler*innen und moderaten rechtskonservativen Positionen wahr. Ein Ziel ist es, den Kontakt nicht vollst\u00e4ndig abzubrechen bei einer klaren Haltung. Gleichzeitig sind vulnerable Gruppen, die von rechten Tendenzen in ihrer eigenen Existenz angegriffen werden, in den \u00dcberlegungen jenseits der Haltungsfrage wenig im Blick. Wo gibt es f\u00fcr sie in Kirche Schutzr\u00e4ume und Beistand? Wie oft werden ihre Perspektiven wirklich ber\u00fccksichtigt, wenn es um Fragen des Umgangs mit dem vulnerable Gruppen insbesondere gef\u00e4hrdende rechtsradikale, fundamentalistische, antiliberalen, rassistischen und antifeministischen Einstellungen. Da sehe ich in politischen Aussagen von Kirche ein Ungleichgewicht und w\u00fcrde mir einen st\u00e4rkeren Einbezug der Stimmen marginalisierter Gruppen w\u00fcnschen, weil das dem entspricht, was ich in der Bibel und den befreiungstheologischen Schriften lese.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie der Synode eine Empfehlung geben m\u00f6chten: Was sollte die Kirche in Bezug auf das Thema Macht unbedingt bedenken?<\/strong><\/p>\n<p>H\u00f6fer: Die Zukunft der Kirche ist nur als machtkritische, diskriminierungssensible und diversit\u00e4tsliebende Kirche zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Interview: J\u00f6rg Echtler<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau H\u00f6fer, welche speziellen Formen von Machtaus\u00fcbung gibt es in der Kirche? Alena H\u00f6fer: Macht ist zun\u00e4chst ein neutraler Begriff.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8747,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8746"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8746"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8746\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8748,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8746\/revisions\/8748"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}