{"id":8965,"date":"2026-01-13T11:03:00","date_gmt":"2026-01-13T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/01\/13\/welt-in-unordnung-wege-zum-gerechten-frieden-in-der-neuen-friedensdenkschrift-der-ekd-ekd\/"},"modified":"2026-01-13T11:03:01","modified_gmt":"2026-01-13T11:03:01","slug":"welt-in-unordnung-wege-zum-gerechten-frieden-in-der-neuen-friedensdenkschrift-der-ekd-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/01\/13\/welt-in-unordnung-wege-zum-gerechten-frieden-in-der-neuen-friedensdenkschrift-der-ekd-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eWelt in Unordnung. Wege zum Gerechten Frieden in der neuen Friedensdenkschrift der EKD\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>\u201eIst der Friede noch zu retten?\u201c<\/em>, sehr geehrter Herr Au\u00dfenminister, danke Ihnen f\u00fcr Ihre Ausf\u00fchrungen zu unserer Friedensdenkschrift und erlauben Sie mir, Ihnen meinen aufrichtigen Respekt auszusprechen: Sie sind mit Aufrichtigkeit, Klarheit und Empathie ein Christenmensch in der Politik, der sich zutiefst den Grundwerten des christlichen Glaubens verbunden wei\u00df \u2013 und ich denke, es ist jetzt wichtiger denn je, dass in der Politik Empathie nicht verloren gehen darf! Gerade angesichts all der komplizierten, bisweilen harten Abw\u00e4gungen, die Sie im politischen Handeln herausfordern. Und das bisweilen in sehr kurzen Entscheidungskorridoren. Sie haben es f\u00fcr mich eben eindr\u00fccklich beschrieben. Und es Ihnen genau abzusp\u00fcren, dass Sie mit dem klaren und genauen Blick des international Kundigen auf die geopolitischen Entwicklungen, ja Umw\u00e4lzungen mit gro\u00dfer Sorge schauen: Stichwort \u2013 die Welt ist in Unordnung. Wahrlich. Der St\u00e4rke des Rechts scheint zunehmend vom Recht des St\u00e4rkeren bedroht.<\/p>\n<p>Die neue Friedensdenkschrift der EKD nun ist genau in diese Gegenwartsanalyse hineingeschrieben \u2013 und zwar in der Absicht, den Menschen, die \u00c4ngste empfinden und tiefe Verunsicherung, einen ethischen Kompass an die Hand zu geben. Und \u2013 Zuversicht! Die Zuversicht, gemeinsam etwas bewegen zu k\u00f6nnen \u2013 sie ist eben nicht allein Ausgangspunkt jeder demokratischen Politik, lieber Herr Wadephul, sie ist auch Grund und Ziel unseres Glaubens. Und zwar als Hoffnung, die einen deshalb aufrichtet, ja den R\u00fccken gerade machen hilft f\u00fcr die Notleidenden, weil sie entschieden mehr ist als Optimismus. Sie speist sich als robustes Gottvertrauen vielmehr aus den g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfungen eines Friedensreiches, das im Hier und Jetzt der unerl\u00f6sten Welt Wirklichkeit werden will. Und das entfaltet Widerstandskraft, das B\u00f6se, das Zerst\u00f6rerische nicht einfach hinzunehmen. Die Friedensdenkschrift, die sich entwickelt hat aus einem sehr umf\u00e4nglichen Diskurs von vielen engagierten Personen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven, die sich \u00fcbrigens in einem Redaktionsteam tats\u00e4chlich einigen konnten (was an sich schon ein gro\u00dfer Friedensdienst ist) \u2013 sie will aus dieser Hoffnung heraus eine situationsgem\u00e4\u00dfe evangelische friedensethische Orientierung bieten.<\/p>\n<p>Einige Aspekte durch Ihren Vortrag angeregt, nehme ich in Verst\u00e4rkung des Vortrags von Reiner Anselm noch einmal auf:<\/p>\n<ol>\n<li>Am Leitbild des \u201egerechten Friedens\u201c aus der Denkschrift von 2007 halten wir auch 2025 konsequent fest mit seinen vier Dimensionen Schutz vor Gewalt, F\u00f6rderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und Umgang mit friedensf\u00f6rdernder Pluralit\u00e4t. Wichtig: Auch an Dimensionen wurden entscheidende Neujustierungen vorgenommen: wenn z.B. nicht mehr vom \u201eAbbau der Not\u201c die Rede ist, sondern vom \u201eAbbau von Ungleichheiten\u201c, dann werden die strukturellen Aspekte eines gerechten Friedens in den Blick genommen, wie sie etwa auch den 17 von den UN formulierten Sustainable Development Goals entsprechen.<\/li>\n<li>Dar\u00fcber hinaus gilt der neuen Friedensdenkschrift der EKD die Dimension des Schutzes vor Gewalt als die grundlegende Dimension, auf dem die anderen drei Dimensionen aufbauen. Dabei bleibt jedoch die wechselseitige, konstitutive Bezogenheit aller vier Dimensionen des Leitbildes des Gerechten Friedens weiterhin unverzichtbar: Ohne den Schutz vor Gewalt kann es weder eine F\u00f6rderung von Freiheit noch den Abbau von Ungleichheiten oder einen friedensf\u00f6rdernden Umgang mit Pluralit\u00e4t geben \u2013 umgekehrt bleibt ein Friede, der nur auf die Abwesenheit von Gewalt setzt, die anderen Dimensionen aber vernachl\u00e4ssigt, instabil. Hier wird der unl\u00f6sbare und zugleich programmatische Zusammenhang von Gerechtigkeit und Frieden deutlich.<\/li>\n<li>Und ebenso der Zusammenhang von Friedensethik und sicherheitspolitischen Aspekten. Sie merkten eben an, lieber Herr Wadephul, dass im Blick auf die Waffenlieferungen in die Ukraine die Denkschrift gern mutiger h\u00e4tte formulieren sollen. Das ist aber in diesem Fall weniger eine Mutfrage. Vielmehr geht die Denkschrift mit guten Gr\u00fcnden nicht zu sehr in eine Kommentierung und Einordnung einer konkreten Situation hinein, um den ethischen, durchaus zeitangemessenen Modellcharakter nicht zu verderben.<\/li>\n<li>Das Gebot zum Gewaltverzicht Jesu bindet uns. Es verpflichtet uns, an den Gewaltverzicht so nahe wie irgend m\u00f6glich heranzur\u00fccken. Und es macht uns klar: Gleich, wie wir entscheiden, angesichts von brutaler Gewalt an Dritten \u2013 die es im Gebot der N\u00e4chstenliebe zu sch\u00fctzen gilt, \u2013 ob wir mit rechtserhaltender Gewalt (zur Verteidigung!) einschreiten oder Gewalt an ihnen geschehen lassen, machen wir uns schuldig. Diesem Schuldkonflikt entgehen wir nicht. Und wir h\u00f6ren von Ihnen, wie wichtig es ist, sich von einem Glauben getragen zu wissen, der den Menschen in dieser hohen politischen Verantwortung achtet und seiner Vergebungsbed\u00fcrftigkeit mit Gnade begegnet.<\/li>\n<li>Wir sind als Kirche berufen, Hoffnung zu geben und Resilienz zu st\u00e4rken. Und dies auch angesichts einer hybriden Kriegsf\u00fchrung, die Sie, lieber Herr Wadephul, schon mit einigen knappen Stichworten beschrieben haben, und die unser aller Wachheit erfordert. Denn angefangen von (stattfindenden) Cyberangriffen \u00fcber gezielte Desinformation bis zur Unterwanderung \u00f6ffentlicher Diskurse zielt hybride Kriegsf\u00fchrung auf alles, was plurale Gesellschaften und Demokratien im Kern ausmacht: Vertrauen, Debattenkultur und die St\u00e4rke des Rechtsstaats.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Unsere Synode hat das alles umgetrieben, friedensbewegt wie wir seit eh und je sind. Und es war zugleich gut, sich auseinanderzusetzen, zu reden und zu h\u00f6ren, wie wir es auch heute tun werden. Es braucht jetzt R\u00e4ume der Verst\u00e4ndigung, in denen gut protestantisch disputiert werden darf. Ich freue mich auf die Podiumsdiskussion und danke schon jetzt sehr herzlich f\u00fcr alle, unsere friedensethischen \u00dcberlegungen weiterf\u00fchrenden und bereichernden Beitr\u00e4ge dieses Abends.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIst der Friede noch zu retten?\u201c, sehr geehrter Herr Au\u00dfenminister, danke Ihnen f\u00fcr Ihre Ausf\u00fchrungen zu unserer Friedensdenkschrift und erlauben<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7950,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8965"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8965"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8966,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8965\/revisions\/8966"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7950"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}