{"id":928,"date":"2020-04-06T21:23:11","date_gmt":"2020-04-06T21:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/04\/06\/was-koennen-wir-von-dietrich-bonhoeffer-lernen-ekd\/"},"modified":"2020-04-06T21:23:13","modified_gmt":"2020-04-06T21:23:13","slug":"was-koennen-wir-von-dietrich-bonhoeffer-lernen-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/04\/06\/was-koennen-wir-von-dietrich-bonhoeffer-lernen-ekd\/","title":{"rendered":"Was k\u00f6nnen wir von Dietrich Bonhoeffer lernen? \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Er motivierte andere, sich damit zu besch\u00e4ftigen. Er selbst bearbeitete sie, solange er sich noch frei be\u00adwegen konnte, in einem Manuskript, das grundlegenden Fragen der Ethik gewidmet war. Er sch\u00e4rfte vor allem die Verantwortung f\u00fcr fremdes wie f\u00fcr das eigene Leben ein. Lebte er in \u00adunserer Zeit, w\u00fcrde er auch den nachhaltigen Umgang mit der Natur hervorheben und darauf dr\u00e4ngen, dass wir durch unsere Lebensge\u00adstaltung nicht den Lebensraum derer zer\u00adst\u00f6ren, die nach uns kommen. Der Klimawandel ist eine Herausforderung, auf die man Bonhoeffers Einsichten praktisch anwenden kann.<\/p>\n<h3>Hoffnung auf Erneuerung des Glaubens und der Kirche<\/h3>\n<p>Ebenso wichtig war ihm die \u00adFrage nach der k\u00fcnftigen Gestalt der \u00adKirche. Sie bedr\u00e4ngte ihn besonders in der Einsamkeit der Gef\u00e4ngnis\u00adzelle. Die Kirche verfehlte nach seiner \u00dcberzeugung ihren Auftrag, \u00adsolange sie nur um sich selbst kreiste und in der Selbstverteidigung befangen blieb. Es kam darauf an, ein Wagnis f\u00fcr andere einzugehen. Vor allem das Schicksal von J\u00fcdinnen und Juden stand Bonhoeffer bei einer solchen Forderung vor Augen. Der Glaube konnte nicht l\u00e4nger auf die fromme Innerlichkeit beschr\u00e4nkt bleiben oder auf das Weltbild vergangener Zeiten gest\u00fctzt werden. Bonhoeffer verstand den Glauben als eine Haltung, die das Leben bestimmt. Eine solche Erneuerung des Glaubens und der Kirche geh\u00f6rte zu den gro\u00dfen Hoffnungen, die zeit seines Lebens uneingel\u00f6st blieben.<\/p>\n<p>Diese Hoffnung kann uns heute befl\u00fcgeln. Sie begr\u00fcndet das Ein\u00adtreten f\u00fcr nachhaltige Entwicklung, f\u00fcr die \u00dcberwindung von Armut und die Bek\u00e4mpfung des Hungers in der Welt. Eine \u201eKirche f\u00fcr andere\u201c in Bonhoeffers Sinn steht auf der Seite von Menschen, die in ihrer Freiheit bedroht sind und um Leib und \u00adLeben f\u00fcrchten m\u00fcssen. Sie wendet sich \u00addenen zu, die vereinsamen und Angst vor der Zukunft haben. Sie hilft \u00adMenschen, zuversichtlich zu leben und getr\u00f6stet zu sterben.<\/p>\n<p>Bonhoeffers Leben blieb Fragment. Doch es ist erstaunlich, wie viel in diesem Leben Raum hatte. Die Leidenschaft f\u00fcr die Musik, die Lust am Spiel, die Kunst der Freundschaft und die Sehnsucht nach Liebe geh\u00f6rten genauso dazu wie das Wirken f\u00fcr Kirche und Theologie, f\u00fcr die Ermutigung junger Menschen und f\u00fcr die Ausbildung k\u00fcnftiger Pfarrer.<\/p>\n<h3>Den Opfern beistehen<\/h3>\n<p>Der Politik so viel Platz in seinem kurzen Leben einzur\u00e4umen, hatte er nicht geplant. Es waren die Umst\u00e4nde der Zeit, die dazu n\u00f6tigten. Er wollte den Staat an seine Aufgabe erinnern, f\u00fcr ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen. Er erkannte die \u00adNotwendigkeit, den Opfern unter dem Rad von Unfrieden und Ungerechtigkeit beizustehen. Er erlebte, dass es in bestimmten Situationen nicht reicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Dann gilt es, dem Rad selbst in die Speichen zu greifen.<\/p>\n<p>Wir leben in anderen Zeiten. Doch Bonhoeffers Vorbild kann uns helfen, die Zeichen unserer Zeit wahr\u00adzunehmen, bevor es zu sp\u00e4t ist: Wenn die demokratischen Institu\u00adtionen der L\u00e4cherlichkeit preisge\u00adgeben werden, ist Widerstand angesagt, nicht \u00adKumpanei. Wenn die M\u00f6glichkeiten einer freien Gesellschaft genutzt werden, um gegen Minderheiten \u00adStimmung zu machen, ist Parteinahme n\u00f6tig, nicht Gleichg\u00fcltigkeit. Wenn Antisemitismus um sich greift, gilt auch heute Bonhoeffers ber\u00fchmter Satz: \u201eNur wer f\u00fcr die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align:right\">Wolfgang Huber (f\u00fcr chrismon)<\/p>\n<hr\/>\n<p><em>Wolfgang Huber ist Professor f\u00fcr \u00adTheologie in Berlin, Heidelberg und \u00adStellenbosch (\u00adS\u00fcdafrika). Er war\u00a0 Vorsitzender des \u00adRates der EKD\u00ad und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-\u00adBrandenburg-schlesische Ober\u00adlausitz sowie Mitglied im Deutschen \u00adEthikrat. Als Theologe setzt er sich vor allem mit ethischen Fragen auseinander. 2019 erschien von ihm das Portr\u00e4t \u201e\u00adDietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit\u201c (C.H. Beck).<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst im chrismon-Heft April 2020 und auf chrismon.de.<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er motivierte andere, sich damit zu besch\u00e4ftigen. 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