{"id":9417,"date":"2026-06-18T10:12:57","date_gmt":"2026-06-18T10:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/06\/18\/stille-neben-der-autobahn-ekd\/"},"modified":"2026-06-18T10:12:59","modified_gmt":"2026-06-18T10:12:59","slug":"stille-neben-der-autobahn-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/06\/18\/stille-neben-der-autobahn-ekd\/","title":{"rendered":"Stille neben der Autobahn \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p style=\"margin-bottom:11px\"><span style=\"line-height:107%\">Zwischen dem ohrenbet\u00e4ubenden Rauschen der A3 und der Stille des Kirchenraums liegen nur wenige Schritte. Wer die Autobahnkirche Medenbach betritt, l\u00e4sst die Hektik der Autobahn hinter sich und findet einen Ort zum Innehalten. Sie ist Hessens \u00e4lteste Autobahnkirche und geh\u00f6rt zur evangelischen Kirchengemeinde <\/span><span style=\"line-height:107%\">Auringen, Naurod und Medenbach<\/span><span style=\"line-height:107%\">. Am 28. Juni 2026, dem Tag der Autobahnkirchen, feiert die Kirche 25-j\u00e4hriges Bestehen. Bei einem Besuch wird schnell deutlich, worin die Besonderheit dieser Kirche liegt.<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=\"\">\n<h3>Drei Schritte weg von der Autobahn<\/h3>\n<p>Schon von Weitem weckt der markante Bau mit seinem schr\u00e4g geneigten Glasdach die Aufmerksamkeit, doch Reisende m\u00fcssen schon ein wenig n\u00e4herkommen, um zu erkennen, was dieser Bau genau ist: Eine Autobahnkirche. Die Architektur wirkt modern und klar, beinahe zur\u00fcckhaltend. Genau darin liegt ihre besondere Wirkung. Der Zutritt in die Kirche verl\u00e4uft \u00fcber drei Stationen. Zun\u00e4chst f\u00fchrt der Weg durch einen l\u00e4ngsgerichteten Au\u00dfenraum, \u00fcber dem sieben B\u00e4ume ein nat\u00fcrliches Dach bilden. Im Inneren \u00f6ffnet sich ein quadratisches Atrium mit neun Wassersprudlern im Boden. Das beruhigende Rauschen des Wassers \u00fcbert\u00f6nt hier bereits beinahe die Ger\u00e4usche der Autobahn. Betonb\u00e4nke laden mit Blick auf die Wasseranlage zum Verweilen ein. Zwei Seitent\u00fcren f\u00fchren dann ins Innere des Kirchenraums.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>Ein heller Raum der Ruhe<\/h3>\n<p>Dort richtet sich der Blick sofort nach oben: Das gro\u00dfe Glasdach zieht den Himmel in die Kirche hinein. Tageslicht durchflutet den Raum, l\u00e4sst ihn offen und lebendig wirken. Trotz der nahen Autobahn, die zwar noch im Hintergrund leise zu h\u00f6ren ist, ist es \u00fcberraschend still. Die minimalistische Gestaltung verst\u00e4rkt diesen Eindruck. Im Zentrum steht ein massiver Granitaltar, auf dem eine aufgeschlagene Bibel liegt. Ein farbenfrohes Blumengesteck, gefertigt von einer Medenbacherin, setzt einen warmen Akzent.<\/p>\n<p>Die Innenraumgestaltung stammt von dem K\u00fcnstler Nikolaus Gerhart. Der Granitaltar tr\u00e4gt in seinem Innern ein Kreuz. Auch an den W\u00e4nden finden sich symbolische Elemente: Kunststeinplatten formen in ihren Zwischenr\u00e4umen ein Kreuz. Das Glasdach wurde von dem Glask\u00fcnstler Johannes Schreiter gestaltet.<\/p>\n<h3>\u00a0<\/h3>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<h3>Das Andachtsbuch als Herzst\u00fcck der Autobahnkirche<\/h3>\n<p>Das Herzst\u00fcck der Autobahnkirche ist das Andachtsbuch. Dieses liegt an einem der gro\u00dfen Fenster, genau gegen\u00fcber dem Altar mit Blick auf das Wasserspiel im Atrium. Reisende schreiben dort Gedanken, Gebete, W\u00fcnsche oder Bibelverse hinein. \u201eDie Menschen lassen etwas von sich hier\u201c, sagt der zust\u00e4ndige Pfarrer Thomas Tsch\u00f6pel. W\u00e4hrend ein solches Buch in vielen Dorfkirchen eher nebens\u00e4chlich sei, werde es in der Autobahnkirche zum Mittelpunkt. Die Eintr\u00e4ge erz\u00e4hlen von Dankbarkeit, Sorgen, Abschieden und Neuanf\u00e4ngen, oft geschrieben von Menschen, die nur f\u00fcr wenige Minuten Halt machen und dennoch ein St\u00fcck von sich dort zur\u00fccklassen.\u00a0<\/p>\n<h3>Kirche ohne Schwellenangst<\/h3>\n<p>Viele Besucherinnen und Besucher kommen auf der Durchreise. Die Kirche ist rund um die Uhr ge\u00f6ffnet. Gerade darin liegt f\u00fcr Thomas Tsch\u00f6pel die St\u00e4rke dieses Ortes: Kirche werde hier niederschwellig erfahrbar. Niemand m\u00fcsse sich erkl\u00e4ren, niemand werde angesprochen oder missioniert. \u201eEs ist ein Ort zum Sein\u201c, sagt er.\u00a0 Oftmals kommen Besucherinnen und Besucher aus Neugierde in die Kirche. Gleichzeitig sieht Pfarrer Tsch\u00f6pel darin auch die Herausforderung: Anders als in einer klassischen Gemeinde gebe es hier keine feste Gemeinschaft vor Ort. Wie viele Menschen j\u00e4hrlich die Kirche besuchen, ist daher schwer zu beziffern. Pfarrer Tsch\u00f6pel sch\u00e4tzt rund 20.000 Besucher j\u00e4hrlich.\u00a0<\/p>\n<h3>Kurze Andachten f\u00fcr Menschen unterwegs<\/h3>\n<p>Von M\u00e4rz bis Dezember findet jeden dritten Mittwoch im Monat eine Andacht statt. Ganz bewusst gestaltet der Pfarrer diese k\u00fcrzer als in der Ortskirche. \u201eDas spiegelt wider, was die Leute suchen\u201c, sagt er. Kein langes Programm, sondern ein kurzer Moment der Ruhe zwischen Aufbruch und Ankommen. \u00dcber Aush\u00e4nge, der Gemeindewebseite sowie den Gemeindebrief erfahren die Besuchenden von dem Angebot.\u00a0<\/p>\n<h3>Hessens erste Autobahnkirche \u2013 privat finanziert<\/h3>\n<p>Den Kirchenbau erm\u00f6glichte Alfred Weigle. Der Unternehmer und Wahlwiesbadener besuchte auf einer Gesch\u00e4ftsreise die Autobahnkirche in Adelsried. Obwohl er zu dieser Zeit sogar aus der Kirche ausgetreten war, zog ihn diese in seinen Bann. Die Bekenntnisse, die die Menschen im Andachtsbuch niederschrieben, lie\u00dfen ihn aufhorchen. Alfred Weigle fasste den Entschluss der Gesellschaft etwas zur\u00fcckgeben zu wollen und eine Autobahnkirche zu erbauen. Im Februar 2000 erfolgte der erste Spartenschicht. Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde die Kirche am 30. M\u00e4rz 2001 eingeweiht.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Text: Franziska Wei\u00df<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen dem ohrenbet\u00e4ubenden Rauschen der A3 und der Stille des Kirchenraums liegen nur wenige Schritte. 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