{"id":9431,"date":"2026-06-24T18:31:13","date_gmt":"2026-06-24T18:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/06\/24\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2026-ekd\/"},"modified":"2026-06-24T18:31:14","modified_gmt":"2026-06-24T18:31:14","slug":"rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2026-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/06\/24\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2026-ekd\/","title":{"rendered":"Rede zum Johannisempfang der EKD 2026 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<h6 class=\"article--p-title primus--p-title\">Wortlaut der Rede<\/h6>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<p>Verehrte G\u00e4ste,\u00a0<\/p>\n<p>Hamburger Elbphilharmonie, am 77. Geburtstag unseres Grundgesetzes. Ein Ehrentag \u2013 in jeder Hinsicht. Der Bundespr\u00e4sident hatte allen Grund dazu, ihn auszurufen. Fast 27 Millionen Menschen ab 14 Jahren engagieren sich in unserem Land ehrenamtlich, das sind 37% der deutschen Bev\u00f6lkerung (!). Ob beim THW, bei der Feuerwehr, in Sport-, Umwelt- und Sch\u00fctzenvereinen, in der Kommunalpolitik oder in der Geschichtswerkstatt nebenan. 1,5 Millionen davon allein in Diakonie und evangelischer Kirche, in unseren Hospizen, Tafeln, Notfall-und Telefonseelsorge, in Pfadfinderarbeit und Ch\u00f6ren, in Johanniterunfallhilfe, internationalen Friedensdiensten und Gefl\u00fcchteten-Caf\u00e9s. Um nur Einiges zu nennen.\u00a0<\/p>\n<p>Und nun, am 23. Mai zum Ehrentag str\u00f6mten Tausende dieser Ehrenamtlichen in die Elphi. Die Hamburger Philharmoniker hatten das Publikum dazu eingeladen, die Misa Criolla von Ariel Ramirez gemeinsam mit ihnen aufzuf\u00fchren, eine lateinamerikanische Session mit fr\u00f6hlichster Sakralmusik. In Workshops fand man sich zwei Stunden vor Beginn des Konzertes ein, um das Singen und die Percussion zu \u00fcben, ob musikalisch und mit Taktgef\u00fchl oder ohne. Ergebnis: Ein grandioses Gemeinschaftserlebnis! Mitrei\u00dfend,\u00a0<\/p>\n<p>ber\u00fchrend und zudem \u2013 zur \u00dcberraschung mancher Profis \u2013 ein musikalischer Hochgenuss. Denn man erhob mit Kraft gemeinsam die Stimme. H\u00f6rte aufeinander. Fand den Takt im Salsa-Rhythmus. Herrlich divers und inklusiv, kurz: Es waren gl\u00fcckliche Stunden f\u00fcr Menschen, die mit ihrem Ehrenamt sonst anderen Gl\u00fcck schenken, die die Liebe zum N\u00e4chsten t\u00e4glich leben \u2013 Liebe in Zeiten des Hasses.<\/p>\n<p>Wir sind ein starkes Land. In dem die Hoffnung lebt. Sie lebt durch herzliche, engagierte Menschen. Durch Gemeinschaft. Kultur, Vereine, Religionsgemeinschaften, durch t\u00e4gliches F\u00fcreinanderdasein und lebendige Initiativen. Wenn das keine Resilienz ist! \u00a0Eben jene sinnstiftende Kraft, die innerlich festigt und immunisiert gegen resignatives Schlechtsehen. Die hilft, St\u00fcrme und Krisen zu bew\u00e4ltigen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Empfindungen vieler scheinen derzeit aber genau das Gegenteil widerzuspiegeln: das Gef\u00fchl, dass man in einem regelrechten Krisenchaos schwach aufgestellt, ja existentiell gef\u00e4hrdet und der Komplexit\u00e4t der Probleme nicht mehr gewachsen sei. Weltweit erodieren Stabilit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit, freier Fall sozusagen. Die Zuversicht scheint schal \u2013 worauf soll sie sich richten? Auf die angebliche St\u00e4rke derer, die sich in h\u00e4mischer Abwertung anderer \u00fcberbieten, die ungehemmt nationalistische und teils sogar nationalsozialistische Parolen br\u00fcllen und von \u00dcberfremdung schwadronieren?\u00a0<\/p>\n<p>Leider sind Viele anf\u00e4llig f\u00fcr die demokratiefeindliche Versuchung, in allen gesellschaftlichen Milieus, auch bei uns in der Kirche. Daher hat die EKD j\u00fcngst eine Zielgruppenanalyse veranlasst, um ein evidenzbasiertes Bild zu gewinnen, wann und warum bei Menschen, die kirchennah, also grunds\u00e4tzlich wertegebunden sind, der Kipppunkt eintritt. Welche Emotionen \u2013 denn um die geht es letztlich auch und nicht nur um Argumente \u2013 welche Emotionen f\u00fchren dazu, dass Menschen, die gerade kein ideologisch geschlossenes, antidemokratisches Weltbild haben, anf\u00e4llig sind, sich von allem zu verabschieden, was uns als Gesellschaft zusammenh\u00e4lt? Hochinteressant die Ergebnisse, ich fokussiere mich auf wenige Anstriche:<\/p>\n<p>Wir haben es zuvorderst mit einer Gemeinschafts- und Vertrauenskrise zu tun, die zur Demokratiekrise beitr\u00e4gt. Vier Emotionslagen sind es, die dabei ineinandergreifen:<\/p>\n<ul>\n<li>Verunsicherung \u201eMir fehlt Orientierung und St\u00e4rke, an der ich mich festhalten kann.\u201d Der Kontrollverlust l\u00e4sst die t\u00e4glichen Herausforderungen nicht mehr h\u00e4ndelbar erscheinen. Daraus folgt weniger Wut, sondern eher verzweifelte Ersch\u00f6pfung.\u00a0<\/li>\n<li>Kr\u00e4nkung \u201eIch werde nicht respektiert und gesehen.\u201d Der W\u00fcrdeverlust greift tief: dieses Gef\u00fchl, immer geliefert zu haben, ohne dass dies Anerkennung erf\u00e4hrt.\u00a0<\/li>\n<li>Entfremdung \u201eIch geh\u00f6re sowieso nicht dazu, es ist mir egal.&#8220; \u00a0Das Gef\u00fchl unbedeutend, nicht mehr Teil eines guten Ganzen zu sein, f\u00fchrt zum R\u00fcckzug<\/li>\n<li>Und \u00fcber all dem liegt eine gemeinsame Sehnsucht: das GEMEINWEH, also: Heimweh nach Gemeinschaft. Mehrheitlich haben die Menschen die Bef\u00fcrchtung, dass Gemeinschaft zerbricht. Sie erleben\u2019s in der Familie, im Alltag, in der Politik und auch in der Kirche: Die Verbindlichkeit wird br\u00fcchiger, der Geduldsfaden d\u00fcnner und die Z\u00fcndschn\u00fcre k\u00fcrzer.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und so f\u00fchlen sich Menschen wahlweise ersch\u00f6pft, gekr\u00e4nkt, ohnm\u00e4chtig oder vereinsamt \u2013 und sind anf\u00e4llig f\u00fcr die angebliche St\u00e4rke der einfachen Antworten. Antworten wie die, dass die Liebe zum N\u00e4chsten die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che der westlichen Welt sei. Antworten mit Laut-St\u00e4rke. Mit machohafter \u00dcberheblichkeit. Mit Lust an der Vernichtung. Wer so antwortet, verspricht Heilung f\u00fcr die Entt\u00e4uschung und den Schmerz \u2013 und vertieft die Wunden. Doch offenkundig greift dieses toxisch aufgeladene menschenverachtende Starktun, wenn wir auf die aktuellen Wahlergebnisse bzw. Prognosen blicken.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt sich mit aus dem zweiten Ergebnis unserer Analyse: Der gesellschaftliche Kompass folgt nicht mehr unbedingt den Koordinaten Gut-B\u00f6se, Falsch-Richtig, worum man gemeinschaftlich ringt, sondern denen von Stark-Schwach. Der verzweifelte Suizid eines B\u00fcrgermeisters in Sachsen etwa, den es in seinem Dorf mit zunehmend feindseliger Atmosph\u00e4re nicht mehr im Leben gehalten hat, wurde nicht mit Mitgef\u00fchl oder einem Aufschrei der Erschrockenen beantwortet, sondern mit der lapidaren Feststellung, er sei halt zu schwach gewesen.\u00a0<\/p>\n<p>Glasklar h\u00e4lt die Botschaft des Evangeliums gegen: Wer Gott liebt, \u00fcberl\u00e4sst der Verachtung und dem Hass keinen Raum. L\u00e4sst nicht zu, andere zu verunglimpfen. Ganz gleich, woher jemand kommt oder wie jemand lebt. Unser Menschenbild verlangt Respekt allen gegen\u00fcber. Das ist nicht verhandelbar. In dieser Klarheit des Evangeliums liegt unsere St\u00e4rke. Und diese St\u00e4rke wird jetzt in unserem Land gebraucht! Empathie ist eben gerade keine Schw\u00e4che! Religion tr\u00e4gt vielmehr entscheidend zu pers\u00f6nlicher, aber eben auch zur gesellschaftlichen Resilienz bei: durch Anerkennung, durch Rituale, die das Leben wie das Sterben segnen, durch unbeirrbare Friedensgebete \u2013 all dies f\u00fchrt heraus aus dem Gemeinweh. Religion lebt Tradition. H\u00e4lt daran fest, allem Irrsinn zum Trotz, zu danken, gemeinsam zu loben, zu beten, zu klagen, zu fasten, Brot zu teilen und das Wort. Gar nichts Spektakul\u00e4res. Aber Bleibendes. Nicht Nostalgie, sondern Konstanz. Aus ihr speist sich die bisweilen trotzige Hoffnung. Seit Jahrtausenden.\u00a0<\/p>\n<p>So lange schon ist in unserem Land die Kirche im Dorf respektive in der Stadt. Sie ist Kita und Pflegeheim, Seelsorge am Gartenzaun. Sie ist der Ort, an dem Menschen getauft, getr\u00f6stet und begraben werden. Sie bleibt. Kleiner, gewiss, aber mit ureigener Kraft. Und in diesen Tagen, in denen tiefe Angst die Menschen ergriffen hat, dass wir als Gesellschaft auseinanderfallen, sp\u00fcre ich genau diese Sehnsucht nach einer bleibenden Stadt, nach Vertrauen und Zugeh\u00f6rigkeit, die uns bei allen Ersch\u00fctterungen im Innersten zusammenh\u00e4lt.\u00a0<br \/>Christliche Glaubenspraxis vermittelt von jeher genau dies: Furcht ist nicht in der Liebe. Nicht der Ohnmacht also das Feld \u00fcberlassen oder den Wahlprognosen! Nein, vergewissern wir uns, selbstbewusst, worauf es im Glauben ankommt. N\u00e4mlich: Im Namen Jesu einstehen f\u00fcr den N\u00e4chsten. Und f\u00fcr die Gerechtigkeit. Einstehen f\u00fcr unser Grundgesetz, das die Verantwortung vor Gott und den Menschen und den Schutz der Menschenw\u00fcrde zum obersten Prinzip erhebt. Jeder ist jemand. Das gilt es stark zu machen, gerade denen gegen\u00fcber, die behaupten: mancher ist niemand! Und mir geht dabei nach, was wir in der Begegnung mit dem Zentralrat der Juden vor einem Monat geh\u00f6rt haben, lieber Abraham Lehrer: Der horrende Anstieg des Antisemitismus in diesem Land. Daran d\u00fcrfen wir uns nicht gew\u00f6hnen, die Gesellschaft nicht, und wir als Kirche erst recht nicht!<\/p>\n<p>Und zugleich gilt: Lassen wir uns in Zeiten des Hasses unser Gottvertrauen nicht nehmen. Lassen wir uns aber mitnehmen von den alten Worten des Chorals \u201eZieh ein zu deinen Toren\u201c, geschrieben von Paul Gerhardt, dessen 350. Todestag wir in diesem Jahr begehen und der uns heute schon zum lebendigsten Singen gebracht hat. Er ist ein Sprachmeister des Gottvertrauens; trotz furchtbarer Schicksalsschl\u00e4ge. 1653, \u00a0er hat die Grauen des 30-j\u00e4hrigen Krieges noch vor Augen und betrauert den Tod seiner Frau und vier seiner f\u00fcnf Kinder, wirft er Gott sein zerrissenes Herz hin, dass der die zutiefst versehrte, zertrennte Welt zusammenhalte:<\/p>\n<p><em>Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit<br \/>Willst nicht, dass uns betr\u00fcbe Zorn, Zank, Hass Neid und Streit.<br \/>Der Feindschaft bist du feind, willst dass mit Liebesflammen<br \/>sich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht seind<br \/>Erhebe dich und steu\u00b4re dem Herzleid auf der Erd<br \/>Bring wieder und erneu\u00b4re die Wohlfahrt deiner Herd<br \/>Lass bl\u00fchen wie zuvor die L\u00e4nder so verheeret<br \/>Die Kirchen so zerst\u00f6ret durch Krieg und Feuerszorn.<\/em><\/p>\n<p><em>Bring wieder und erneu\u00b4re die Wohlfahrt deiner Herd\u201c, dass \u201esich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht seind\u201c\u2026<\/em><\/p>\n<p>Die Wohlfahrt erneuern, das lenkt 2026 unmittelbar den Blick auf eine der gr\u00f6\u00dften Transformationen, die derzeit zu bew\u00e4ltigen sind: den Umbau des Sozialstaates. Zu Recht wird ja auf den demographischen Wandel hingewiesen, auf das Bed\u00fcrfnis nach Generationengerechtigkeit \u2013 und das bei steigenden Verteidigungsausgaben und geringerer Wirtschaftskraft. Alle wissen: Es muss etwas geschehen. Doch die Debatte ist verh\u00e4rtet und verzerrt: auf der einen Seite die Bed\u00fcrftigen, denen die sozialen Leistungen wom\u00f6glich gar nicht zustehen, auf der anderen Seite die, die zahlen und die alleinige Last tragen. Wobei v\u00f6llig aus dem Blick ger\u00e4t, dass man es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch selbst sein kann: angewiesen. Also: krank, arbeitslos, eingeschr\u00e4nkt, pflegebed\u00fcrftig oder selbst pflegend!<\/p>\n<p>Ich erinnere an die soziale Energie der Singenden in der Elphi, an die 27 Millionen einf\u00fchlsamen und aktiven Gemeinsinn-Menschen, die es ja gibt! Wie k\u00f6nnen wir daran ankn\u00fcpfen? Denn wir drohen hier zu einer Gesellschaft zu werden, die sich nicht mehr mag. \u00a0Der Sozialstaat aber braucht \u2013 so haben wir es in einem Zwischenruf von Diakonie und EKD just gemeinsam formuliert \u2013 eine starke Gemeinschaft, die ihn tr\u00e4gt. Und diese Gemeinschaft und die in ihr verankerte Solidarit\u00e4t darf nicht weiter erodieren. Wir m\u00fcssen gemeinsam einen Weg finden, die Gemeinschaftskrise unserer Gesellschaft zu \u00fcberwinden. Es ist dabei eine dringende, gemeinsame Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft, das Bewusstsein daf\u00fcr zu st\u00e4rken, dass \u00fcber Nacht Gebende zu Nehmenden werden k\u00f6nnen. Und dass der Sozialstaat das Ziel hat, Menschen durch Bildung und Arbeit zu bef\u00e4higen, dass sie selbstst\u00e4ndig leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die notwendige Reform des Sozialstaates braucht also einen klugen Umgang mit ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen und Ressourcen \u2013 und sie fordert Ehrlichkeit, und zwar von allen Seiten. In der Ehrlichkeit liegt St\u00e4rke! Nicht darin, nur die eigenen Interessen zu vertreten. Sondern in der ruhigen Souver\u00e4nit\u00e4t, die Interessen auch der anderen h\u00f6ren zu wollen, um von Extrempositionen herunter und wirklich zu L\u00f6sungen zu kommen.<\/p>\n<p>Evangelische Kirche und Diakonie wollen gern daran mittun. Es kann n\u00fctzen, so der Zwischenruf unserer Evangelischen Sozialkommission, wenn man vermehrt \u201evon unten her\u201c, also nicht zentral gesteuert, sondern sozialraumbezogenen und der Vielfalt der Regionen entsprechend den Wohlfahrtspluralismus st\u00e4rkt. Denn vor Ort ereignet sich Gemeinschaft. In den Kommunen, dem Stadtteil, im Dorf, in den konkreten pers\u00f6nlichen Beziehungen \u2013 eben in der Zugeh\u00f6rigkeit! \u2013 entsteht die entscheidende soziale Kraft, die es m\u00f6glich macht, einander N\u00e4chste zu sein. \u00a0<\/p>\n<p>Und so ist mit Paul Gerhardt allen in der Politik und im Land zu w\u00fcnschen:<\/p>\n<p><em>Beschirm die Obrigkeiten, richt auf des Rechtes Thron,<br \/>steh treulich uns zur Seiten, schm\u00fcck wie mit einer Kron,<br \/>die Alten mit Verstand, mit Fr\u00f6mmigkeit die Jugend,<br \/>mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land.<\/em><\/p>\n<p>Politik also mit Jesus \u2013 geht das? Und wenn ja, wie, jetzt in diesen Zeiten mit einer so verwundbaren Demokratie? Das fragte mich vor einiger Zeit im Hamburger Schauspielhaus Lukas B\u00e4rfuss, der Schweizer Schriftsteller. Ich war zu einer Diskussion mit ihm buchst\u00e4blich auf offener B\u00fchne eingeladen, Titel: Demokratie st\u00e4rken. Und welche Texte denn dazu von den Schauspielern vorgetragen werden sollten? Spontan sagte ich: die Bergpredigt und das Grundgesetz. Und das tat man dann \u2013 die 19 Grundrechtsartikel samt Pr\u00e4ambel und sp\u00e4ter dann drei lange Kapitel Bergpredigt. Seligpreisungen, vom T\u00f6ten, Ehebrechen, Schw\u00f6ren, Feindesliebe, Beten, Sch\u00e4tze sammeln, Richten und so fort.\u00a0<\/p>\n<p>Am Ende sagte jemand im Publikum, man m\u00fcsste eigentlich vor jeder Tagesschau beide Texte einmal h\u00f6ren, um dankbar zu verinnerlichen, in was f\u00fcr einem freien und offenen Land wir leben. Weil sie klare Rede sind, die unsere Gedanken positiv nach vorn lenken, dahin, wie es sein soll. Die w\u00fcrdigen statt kritisieren: \u00a0Selig sind, die Frieden stiften. Liebet eure Feinde. Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt, nichts weniger \u2013 alles Zumutungen im wahrsten Sinne: Mut steckt darin. Ermutigung. Ja, Erm\u00e4chtigungen. Weil der Mensch dazu in der Lage ist, Mitmensch zu sein! Danke, dass Sie, liebe verehrte G\u00e4ste aus Politik, Gesellschaft und Kirche, sich t\u00e4glich genau daf\u00fcr einsetzen.<br \/>\u00a0\u00a0<br \/>Und ja, selig sind, die Frieden stiften, sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen. Danke, Herr Bundesminister, lieber Herr Wadephul, dass Sie wie viele andere sich mit unserer Friedensdenkschrift auseinandergesetzt haben \u2013 angeregt und kritisch zugleich. So war es gedacht, von allem Anfang an: Friedensethische Anregungen zum Nachdenken, wie wir in einer verwundeten Welt den Schutz des Lebens, der Freiheit und des V\u00f6lkerrechts gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen. Was wie abzuw\u00e4gen gilt, wenn Frieden werden soll \u2013 inmitten von Konflikt und Krieg und Gefahr. Dass es wegen dieser Friedensdenkschrift innerhalb unserer protestantischen Familie die wohl heftigste Debatte seit langem gibt, hat Gr\u00fcnde \u2013 und auch \u00fcber die wird heftig debattiert\u2026 \u00a0Zugleich finde ich besonders, dass es immer wieder gelingt, den Gespr\u00e4chsfaden zu halten \u2013 und beieinander zu bleiben, uns gerade nicht zu zertrennen in diesen Zeiten. Eint uns alle doch zutiefst: unser Friedenssehnen. Dona nobis pacem.<\/p>\n<p>Noch einmal mit Paul Gerhardt, der einst 1648 ein sehr ber\u00fchrendes Lied schrieb, als der Westf\u00e4lische Friede tats\u00e4chlich besiegelt und beschlossen war \u2013 er beschlie\u00dft auch diese Rede:<\/p>\n<p><em>Gott Lob! Nun ist erschollen<br \/>Das edle Fried- und Freudenwort,<br \/>Da\u00df nunmehr ruhen sollen<br \/>Die Spie\u00df und Schwerter und ihr Mord.<br \/>Wohlauf und nimm nun wieder<br \/>Dein Saitenspiel hervor,<br \/>O Deutschland, und sing Lieder<br \/>Im hohen vollen Chor.<br \/>Erhebe dein Gem\u00fcte<br \/>Zu deinem Gott und sprich:<br \/>Herr, deine Gnad und G\u00fcte<br \/>Bleibt dennoch ewiglich!<\/em><br \/>\u00a0<br \/>Bleiben Sie beh\u00fctet \u2013 und gest\u00e4rkt in all Ihrem Tun.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wortlaut der Rede Es gilt das gesprochene Wort Verehrte G\u00e4ste,\u00a0 Hamburger Elbphilharmonie, am 77. Geburtstag unseres Grundgesetzes. Ein Ehrentag \u2013<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9432,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9431"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9431"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9433,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9431\/revisions\/9433"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9432"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}