{"id":9510,"date":"2026-07-24T17:09:41","date_gmt":"2026-07-24T17:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/07\/24\/letzte-ruhe-im-rhein-oder-unter-primeln-im-garten-ekd\/"},"modified":"2026-07-24T17:09:42","modified_gmt":"2026-07-24T17:09:42","slug":"letzte-ruhe-im-rhein-oder-unter-primeln-im-garten-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/07\/24\/letzte-ruhe-im-rhein-oder-unter-primeln-im-garten-ekd\/","title":{"rendered":"Letzte Ruhe im Rhein oder unter Primeln im Garten \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Der Friedhofszwang ist abgeschafft, Angeh\u00f6rige d\u00fcrfen Totenasche zu Hause verwahren oder im Garten ausstreuen. Rheinland-Pfalz hat seit Ende 2025 das bundesweit liberalste Bestattungsgesetz. Wie werden die zahlreichen Neuerungen nachgefragt?<\/em><\/p>\n<p>Mainz (epd). Monika Christ, evangelische Pfarrerin im Westerwald, konnte k\u00fcrzlich eine ganz besondere Bestattung begleiten. Sie war dabei, als die Asche eines Verstorbenen im Garten der Tochter verstreut wurde. Die Familie hatte daf\u00fcr eine Fl\u00e4che vom Gras freigemacht. Anschlie\u00dfend schoben Enkel und Urenkel Erde auf die Stelle und pflanzten dort Primeln. \u201eNoch niemals habe ich diese Worte &#8218;Erde zu Erde&#8216; so bewusst gesprochen\u201c, berichtet die Theologin. M\u00f6glich wurde die unkonventionelle Abschiedszeremonie infolge des neuen rheinland-pf\u00e4lzischen Bestattungsrechts.<\/p>\n<p>Im vergangenen Herbst hatte der Mainzer Landtag nach kontroversen Debatten das bundesweit liberalste Bestattungsgesetz verabschiedet. Darin wurde der Friedhofszwang aufgehoben, Urnen d\u00fcrfen zu Hause verwahrt werden. Bestatter d\u00fcrfen die Totenasche auch in Rhein oder Mosel bestatten \u2013 wenn die Verstorbenen zu Lebzeiten dies ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht haben.<\/p>\n<h3>Nachfrage offenbar noch \u00fcberschaubar<\/h3>\n<p>Zwar m\u00fcssen Bestatter den Verbleib von Totenasche in jedem Fall mit GPS-Daten dokumentieren, eine landesweite Statistik dar\u00fcber, wie viele Verstorbene bislang eine der neuen Bestattungsformen w\u00e4hlten, existiert jedoch nicht. Die Nachfrage nach den neuen Bestattungsarten bleibt insgesamt offenbar noch \u00fcberschaubar \u2013 aus ganz unterschiedlichen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u201eIn der \u00e4lteren Generation stellen diese neuen Formen gar keine Option dar\u201c, sagt Sina M\u00fcller-Cunradi, Leiterin des Mainzer Bestattungsinstituts Gr\u00fcnewald Baum. Ihr Unternehmen hat seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes bereits eine Reihe besonderer Bestattungen begleitet, aber bislang seien die Verstorbenen dabei noch in keinem Fall \u00e4lter als 60 gewesen.<\/p>\n<p>Auch die Nachfrage nach Flussbestattungen steigt noch langsam. Der Mainzer Unternehmer Sebastian Tr\u00fcb berichtet, sein Schiff, die \u201eLibelle\u201c, lege mittlerweile ein- bis zweimal pro Woche mit Trauergesellschaften ab. Manchen der Verstorbenen habe der Gedanke gefallen, in den ewigen Kreislauf der Natur einzugehen, wenn ihre Asche mit dem Fluss in Richtung Nordsee verschwindet. \u201eOft war aber auch ein Bezug zum Wasser da\u201c, sagt Tr\u00fcb. So hat er bereits einen ehemaligen Binnenschiffer im Rhein bestattet.<\/p>\n<h3>Asche auf Privatgrundst\u00fcck verstreuen \u2013 erlaubt, aber problematisch<\/h3>\n<p>Bis die Bestattungsfahrten auf dem Rhein starten konnten, mussten noch etliche Details gekl\u00e4rt werden \u2013 die f\u00fcr Bestattungen zul\u00e4ssigen Flussabschnitte, die Beschaffenheit der Urnen, der Ablauf einer Flussbestattung \u2013 das alles ist beh\u00f6rdlich geregelt. Auch bei anderen \u201eneuen\u201c Bestattungsformen steckt der Teufel zuweilen im Detail: Problematisch ist es beispielsweise, den letzten Willen von Menschen zu erf\u00fcllen, die m\u00f6chten, dass ihre Asche auf dem eigenen Grundst\u00fcck verstreut wird. Das ist zwar zul\u00e4ssig, aber die Zustimmung aller Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer muss daf\u00fcr vorliegen \u2013 also eigentlich auch die der Erben, die wom\u00f6glich noch gar nicht ermittelt sind.<\/p>\n<p>Die Kirchen, die der Gesetzesnovelle zun\u00e4chst \u00e4u\u00dferst kritisch gegen\u00fcberstanden, haben mittlerweile eigene Regeln daf\u00fcr aufgestellt, neue Bestattungsformen zu begleiten. Die evangelische Kirche habe festgelegt, dass es \u201ekeine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste\u201c geben solle, sagt die Mainzer Pr\u00f6pstin Henriette Cr\u00fcwell. \u201eWir werben auch sehr offen darum, die Trauerfeiern in die Kirchen zu verlegen.\u201c<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=\"\">\n    <!-- Test for teaser --><br \/>\n    <!--Val: 1 --><\/p>\n<p>                    \t    <!-- SRC:  --><\/p>\n<aside class=\"article--aside quintus teaser teaser__related rs_skip rs_preserve\">\n<div class=\"teaser--article teaser--content\">\n<figure class=\"teaser--image\">\n                                                    <picture><source media=\"(max-width:935px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_625x352_60s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_1250x704_60s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_60s.jpg 3x\"><source media=\"(min-width:934px)\" srcset=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_360x203_70s.jpg 1x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_720x406_70s.jpg 2x, https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_img\/assets_1875_x\/220120_epd_Norbert_Neetz_Friedhof_Grab_1875x1056_rdax_1080x608_70s.jpg 3x\"><\/source><\/source><\/picture><figcaption\/>\n                                                <\/figure>\n<p class=\"quintus--text teaser--text\">Nach christlichem Glauben schenkt Gott das Leben und er beh\u00e4lt es zugleich in seiner Hand. Eines Tages beendet der Tod jeden irdischen Lebensweg. Er nimmt einen Menschen aus der Gemeinschaft mit seiner Familie und seinen Freunden. Eine kirchliche Trauerfeier und Bestattung sind M\u00f6glichkeiten, den Abschied zu gestalten und die Hinterbliebenen zu begleiten. Ein Grab gibt der Trauer einen Ort.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"article--content\">\n<h3>Von einem Grab kann man wieder weggehen<\/h3>\n<p>Dennoch bleiben manche Vorbehalte. Pfarrerin Monika Christ etwa appelliert an alle, die mit dem Gedanken spielen, ihre Asche Angeh\u00f6rigen zur Verwahrung zu \u00fcberlassen, sich diesen Schritt genau zu \u00fcberlegen. Dass die Urne mit den sterblichen \u00dcberresten eines lieben Menschen immer pr\u00e4sent sei, k\u00f6nne auch zum Problem werden: \u201eAus der Seelsorge wissen wir: Es ist gut, dass man von einem Grab auch wieder weggehen kann.\u201c<\/p>\n<p>Die gewonnene Freiheit sei grunds\u00e4tzlich zu begr\u00fc\u00dfen, findet Sina M\u00fcller-Cunradi, deren Bestattungsinstitut sich schon fr\u00fcher bem\u00fchte, auch ausgefallenere individuelle W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Ihr gibt zu denken, dass bei individuellen Bestattungsformen oftmals kein allgemein zug\u00e4nglicher Erinnerungsort f\u00fcr die Verstorbenen mehr bleibe. \u201eWir Menschen verschwinden so schnell\u201c, sagt sie. \u201eDas finde ich schade.\u201c<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Friedhofszwang ist abgeschafft, Angeh\u00f6rige d\u00fcrfen Totenasche zu Hause verwahren oder im Garten ausstreuen. 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