{"id":9523,"date":"2026-07-30T07:42:44","date_gmt":"2026-07-30T07:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/07\/30\/landesbischof-i-r-jochen-bohl-verstorben-ekd\/"},"modified":"2026-07-30T07:42:45","modified_gmt":"2026-07-30T07:42:45","slug":"landesbischof-i-r-jochen-bohl-verstorben-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/07\/30\/landesbischof-i-r-jochen-bohl-verstorben-ekd\/","title":{"rendered":"Landesbischof i.R. Jochen Bohl verstorben \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Dresden\/Hannover (30. Juli 2026). Wie seine Familie mitteilte, ist am gestrigen 29.\u00a0Juli 2026 der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, nach schwerer Krankheit im Alter von 76\u00a0Jahren verstorben.<\/p>\n<p>Jochen Bohl war von 2004 bis 2015 s\u00e4chsischer Landesbischof und von 2010 bis 2015 stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). \u201eMit diesem Amt und seiner umfassenden Beanspruchung zu leben, hat mich sehr gepr\u00e4gt und auch ver\u00e4ndert\u201c, schrieb Bohl selbst einmal. \u00dcber die Grenzen der Landeskirche hinaus galt Bohl als ein Theologe mit Gestaltungswillen. Ihm war es wichtig, gerade in einer von SED-Diktatur und S\u00e4kularisierung gepr\u00e4gten Gesellschaft die Kirche und ihre Dienste als wichtigen Teil des Gemeinwesens ins Bewusstsein zu heben. H\u00f6hepunkte seiner Amtszeit waren die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005 und der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dresden 2011.<\/p>\n<p>Landesbischof Tobias Bilz w\u00fcrdigte in pers\u00f6nlichen Worten Jochen Bohls ausdauerndes Wirken: \u201eJochen Bohl war meinungsstark, und er hatte Pr\u00e4gekraft. Er hat auch mich gepr\u00e4gt. Weitsichtig hat er auf Dinge hingewiesen, die f\u00fcr uns noch heute wichtig sind. Dazu geh\u00f6rt die Einsicht, dass auch die Kirche und die kirchliche Arbeit einem steten Wandel unterliegen.\u201c Dem zu folgen, was ihn im Innersten bewegt und \u00fcberzeugt habe, sei beispielhaft, so Bilz, der auch stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender ist. Mit Jochen Bohls Frau und Familie ist Landesbischof Bilz in diesen Tagen eng verbunden.<\/p>\n<p>Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), erinnert sich: \u201eJochen Bohl \u00fcbte seinen Dienst mit geistlicher Kraft, theologischer Klarheit und einem Blick f\u00fcr die Vielfalt innerhalb der Kirche aus. Auch in bewegten Zeiten hat er einen klaren Kurs gehalten und die gesamtkirchliche Perspektive nie aus dem Blick verloren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Elf Jahre als Landesbischof im Dienst der s\u00e4chsischen Landeskirche<\/strong><\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt zu Beginn von Jochen Bohls Amtszeit war die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005, nachdem seine Vorg\u00e4nger den Start und die Wiederaufbaustationen begleitet und unterst\u00fctzt hatten. Als Landesbischof war er in seiner elfj\u00e4hrigen Amtszeit Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Frauenkirche. In dieser Kirche konnte er vier Jahre sp\u00e4ter auch den US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel w\u00e4hrend ihres Besuches in Dresden begr\u00fc\u00dfen. Neben der Kreuzkirche und dem Dom zu Mei\u00dfen ist die Dresdner Frauenkirche seitdem h\u00e4ufige Predigtst\u00e4tte der Landesbisch\u00f6fe.<\/p>\n<p>Nach der Einf\u00fchrung von Jochen Bohl als 7.\u00a0Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am 26.\u00a0Juni\u00a02004 in der Dresdner Kreuzkirche war es sein Anliegen, den Kontakt zur Pfarrerschaft enger zu gestalten und aktuelle und gemeinsame Herausforderungen anzusprechen. Regelm\u00e4\u00dfig versendete Pastoralbriefe, regionale Dienstbesprechungen sowie eine intensive Visitationst\u00e4tigkeit in allen Regionen Sachsens bis hin zu vielen pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen pr\u00e4gten sein Bischofsamt. In seine Zeit f\u00e4llt auch die Einf\u00fchrung der alle zwei Jahre stattfindenden zentralen Pfarrertage, die seit 2007 in Dresden, Leipzig und Chemnitz durchgef\u00fchrt wurden. Am 29.\u00a0August\u00a02015 wurde Jochen Bohl nach dessen 65.\u00a0Geburtstag in der Dresdner Kreuzkirche feierlich in den Ruhestand verabschiedet.<\/p>\n<p>Neben seinem besonderen Einsatz in der Landeskirche pflegte Bohl vielf\u00e4ltige pers\u00f6nliche Kontakte zu Vertretern aus Politik und Gesellschaft im Freistaat Sachsen und dar\u00fcber hinaus. Daneben engagierte er sich in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der weltweiten \u00d6kumene. Er geh\u00f6rte seit Oktober 2009 dem Rat der EKD an und war von 2010 bis 2015 Stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD. Seine Auslandsreisen f\u00fchrten ihn zu Partnerkirchen nach Papua-Neuguinea, Tansania, Russland, zu Kirchen in Nord- und S\u00fcdamerika sowie zu Begegnungen mit Christen in mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Viele Vertreter von ausl\u00e4ndischen Partnerkirchen konnte er auch als Bischof der gastgebenden s\u00e4chsischen Landeskirche zum 33.\u00a0Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011 begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Gestalter und Wegbereiter der s\u00e4chsischen Diakonie<\/strong><\/p>\n<p>1995 wurde Jochen Bohl zum Direktor des Diakonischen Werkes der s\u00e4chsischen Landeskirche berufen und in den Pfarrdienst der s\u00e4chsischen Landeskirche \u00fcbernommen. Neun Jahre leitete er das Diakonische Amt in Radebeul und pr\u00e4gte die evangelische Sozialarbeit in Sachsen nachhaltig.<\/p>\n<p>Jochen Bohl galt als ausgewiesener Experte f\u00fcr diakonische und sozialpolitische Themen. Fr\u00fch machte er auf die zunehmende \u00d6konomisierung des Sozialen aufmerksam und setzte sich beharrlich daf\u00fcr ein, dass wirtschaftliche Erw\u00e4gungen nie den Blick auf die Bed\u00fcrfnisse der Menschen verdr\u00e4ngen. Mit Weitblick gestaltete er die Zukunft der Diakonie Sachsen, war ihre soziale Stimme gegen\u00fcber Politik und Gesellschaft und brachte seine Expertise weit \u00fcber Sachsen hinaus auch auf Bundesebene ein.<\/p>\n<p>In seine Amtszeit fiel auch der Neubau des Empfangs- und Tagungsgeb\u00e4udes der Diakonie Sachsen in Radebeul, das bis heute ein zentraler Ort f\u00fcr fachlichen Austausch und Begegnung ist.<\/p>\n<p>Sein Engagement war stets von der \u00dcberzeugung getragen, dass Kirche und Diakonie dort handeln m\u00fcssen, wo Menschen Unterst\u00fctzung und eine starke F\u00fcrsprecherin brauchen.<\/p>\n<p><strong>Zur Person Jochen Bohl<\/strong><\/p>\n<p>Jochen Bohl wurde am 19. April 1950 in L\u00fcdenscheid\/Westfalen geboren und studierte von 1968 bis 1974 Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, der Philipps-Universit\u00e4t Marburg\/Lahn und der Ruhr-Universit\u00e4t in Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der westf\u00e4lischen Kirche ab. Seinen zweij\u00e4hrigen Vorbereitungsdienst (Gemeindevikariat) absolvierte er (1974-1976) in Br\u00fcninghausen bei L\u00fcdenscheid. 1977 wurde Bohl ordiniert und war dann nach dem Probedienst in der westf\u00e4lischen Kirche von 1978 bis 1986 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-S\u00fcd. Bevor er nach Sachsen kam, leitete er neun Jahre das Evangelische Jugendwerk an der Saar.<\/p>\n<p><strong>Publikationen<\/strong><\/p>\n<p>Bohl, Jochen: Was nun? &#8211; Kirche im Wandel Taschenbuch \u2013 Evangelische Verlagsanstalt (2021)<\/p>\n<p>Bohl, Jochen: In Zeiten des Wandels: Briefe, Predigten, Vortr\u00e4ge (German Edition) Taschenbuch \u2013 Evangelische Verlagsanstalt (2015)<\/p>\n<p>Pressestelle der EKD<br \/>Annika Lukas<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dresden\/Hannover (30. Juli 2026). 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