{"id":9752,"date":"2026-11-08T03:06:51","date_gmt":"2026-11-08T03:06:51","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/11\/08\/demokratie-staerken-zusammenhalt-foerdern-drei-perspektiven-auf-die-rolle-der-kirche-ekd\/"},"modified":"2026-11-08T03:06:52","modified_gmt":"2026-11-08T03:06:52","slug":"demokratie-staerken-zusammenhalt-foerdern-drei-perspektiven-auf-die-rolle-der-kirche-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2026\/11\/08\/demokratie-staerken-zusammenhalt-foerdern-drei-perspektiven-auf-die-rolle-der-kirche-ekd\/","title":{"rendered":"Demokratie st\u00e4rken, Zusammenhalt f\u00f6rdern: Drei Perspektiven auf die Rolle der Kirche \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Wie k\u00f6nnen Kirche und Diakonie die Demokratie st\u00e4rken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt f\u00f6rdern? Mit dieser Frage besch\u00e4ftigte sich die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in W\u00fcrzburg. Unter dem Schwerpunktthema \u201eGemeinsam weiter \u2013 Kirche als Werkstatt f\u00fcr Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens\u201c er\u00f6ffneten drei Redebeitr\u00e4ge unterschiedliche Perspektiven: Der s\u00e4chsische Pfarrer <strong>Justus Geilhufe<\/strong> zeigte auf, wie der christliche Glaube Verst\u00e4ndigung \u00fcber gesellschaftliche und generationelle Grenzen hinweg erm\u00f6glichen kann. Die Magdeburger Regionalbisch\u00f6fin <strong>Bettina Schlauraff<\/strong> betonte die Verantwortung der Kirche, angesichts von Rechtsextremismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung entschieden f\u00fcr die Menschenw\u00fcrde einzutreten. Der Sozialpsychologe und Zukunftsforscher <strong>Harald Welzer<\/strong> warb f\u00fcr offene Begegnungsorte als Grundlage gelebter Demokratie.\u00a0<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div id=\"\">\n<div>\n<h2 class=\"primus--row-headline\">Justus Geilhufe: Wie der Glaube das demokratische Miteinander st\u00e4rkt<\/h2>\n<p>Der s\u00e4chsische Pfarrer, Autor und Podcaster Justus Geilhufe sprach \u00fcber die Bedeutung des christlichen Glaubens f\u00fcr das demokratische Zusammenleben. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft w\u00fcrden Unterschiede zwischen Menschen immer h\u00e4ufiger Begegnungen verhindern. Der Glaube hingegen er\u00f6ffne eine andere Perspektive: \u201eUnser Glaube an Jesus Christus, der f\u00fcr alle Menschen gestorben ist \u2013 gerade auch f\u00fcr jene, die ganz anders sind als ich und die ich von Herzen nicht leiden kann \u2013, sagt uns: Der andere hat etwas, was ich nicht habe.\u201c Gerade in der Begegnung mit Andersdenkenden k\u00f6nnten Menschen mehr voneinander, von der Welt und von Gott erfahren.<\/p>\n<p>Kirche k\u00f6nne die Demokratie nicht allein bewahren, aber R\u00e4ume schaffen, in denen Vertrauen, Verst\u00e4ndigung und gemeinsames Lernen wachsen. Daf\u00fcr m\u00fcsse sie nach Geilhufes \u00dcberzeugung auf zwei Ebenen wirken: Wo das friedliche Zusammenleben bedroht sei, m\u00fcsse sie entschieden eingreifen. \u201eManchmal muss man Feuerwehr sein, wenn es brennt.\u201c<\/p>\n<p>Auf der zweiten Ebene wirke Kirche im Alltag wie Tau, der eine aufgeheizte gesellschaftliche Atmosph\u00e4re abk\u00fchle, so Geilhufe, der sich auf eine Predigt des Stellvertretenden EKD-Ratsvorsitzenden Tobias Bilz bezog. In Gottesdiensten, Gemeindegruppen und bei gemeinsamen Aktivit\u00e4ten begegneten sich Menschen unterschiedlicher Generationen, sozialer Herkunft und politischer \u00dcberzeugungen. Hier entst\u00fcnden im Kleinen Verst\u00e4ndigung und gegenseitiges Lernen. Gerade darin liege ein wesentlicher Beitrag der Kirche zur Demokratiebildung: Sie st\u00e4rke eine Kultur des Miteinanders, die demokratische Praxis erst erm\u00f6gliche.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"responsive-embed widescreen video\" data-youtube-opt=\"1iU84Vwwvmc\" data-enhanced-privacy=\"true\">\n                    <!-- true --><\/p>\n<picture class=\"video--preview\"><source srcset=\" https:\/\/www.ekd.de\/1x,  https:\/\/www.ekd.de\/2x,  https:\/\/www.ekd.de\/3x\"><\/source><\/picture>\n<p>        <small class=\"image--copyright\">\u00a9<span class=\"show-for-sr\">Foto: <\/span><\/small><\/p>\n<div class=\"video--disclaimer\">\n<p>Ihre Cookie-Einstellungen verbieten das Laden dieses Videos<\/p>\n<p>            <button class=\"button small video--load\">Dieses Video trotzdem laden<\/button><br \/>\n            <button class=\"button small video--options\">Cookie-Einstellungen bearbeiten<\/button>\n        <\/div><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<div>\n<h2 class=\"primus--row-headline\">Bettina Schlauraff: Kirche muss Haltung zeigen gegen Rechtsextremismus<\/h2>\n<p>Die Magdeburger Regionalbisch\u00f6fin Bettina Schlauraff warnte in ihrem Impuls vor der politischen Vereinnahmung des Christentums durch rechtsextreme Kr\u00e4fte. Am Beispiel Sachsen-Anhalts schilderte sie, wie Angst vor politischen Konsequenzen bereits zu R\u00fcckzug und vorauseilender Anpassung f\u00fchre.<\/p>\n<p>Umso wichtiger seien gesellschaftliche Netzwerke, Wachsamkeit und ein langer Atem. \u201eEs wird Netzwerke brauchen: die F\u00e4den ziehen wir. Es wird Wachsamkeit brauchen: die organisieren wir.\u201c<\/p>\n<p>Die AfD vereinnahme das Christentum f\u00fcr ihre politischen Ziele, nutze es als kulturelles Identit\u00e4tsmerkmal und zur Abgrenzung gegen\u00fcber anderen, kritisierte Schlauraff. In der Partei f\u00e4nden sich Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger ganz unterschiedlicher politische Erwartungen wieder. Diese \u201epermanente und gewollte Unsch\u00e4rfe\u201c verdecke den extremistischen Charakter der Partei, so die Bisch\u00f6fin. Zugleich warnte sie davor, dass Menschen ausgrenzende und gewaltvolle Positionen unterst\u00fctzten oder hinn\u00e4hmen, solange sie selbst nicht davon betroffen seien.<\/p>\n<p>Gerade jetzt m\u00fcsse die Kirche ihre gesellschaftliche Bedeutung erkennen und entschieden Haltung zeigen. \u201eGeh\u00f6ren wir als Kirche zu einem politischen Lager? Ja! Zu dem der Menschenw\u00fcrde\u201c, betonte Schlauraff. Christlicher Glaube verpflichte dazu, besonders schutzbed\u00fcrftigen Menschen beizustehen \u2013 auch wenn dies Konsequenzen habe.<\/p>\n<p>Schlauraff forderte eine Theologie der Vielfalt, Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t als Gegenentwurf zu Ausgrenzung und Nationalismus. Kirchliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und das Streben nach politischer Bedeutung als Selbstzweck sei zu vermeiden. Ihre zentrale Botschaft lautete: \u201eWas wir brauchen, ist keine neue Theologie, sondern endlich ihre Umsetzung.\u201c<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"responsive-embed widescreen video\" data-youtube-opt=\"d5DSq6rcbRg\" data-enhanced-privacy=\"true\">\n                    <!-- true --><\/p>\n<picture class=\"video--preview\"><source srcset=\" https:\/\/www.ekd.de\/1x,  https:\/\/www.ekd.de\/2x,  https:\/\/www.ekd.de\/3x\"><\/source><\/picture>\n<p>        <small class=\"image--copyright\">\u00a9<span class=\"show-for-sr\">Foto: <\/span><\/small><\/p>\n<div class=\"video--disclaimer\">\n<p>Ihre Cookie-Einstellungen verbieten das Laden dieses Videos<\/p>\n<p>            <button class=\"button small video--load\">Dieses Video trotzdem laden<\/button><br \/>\n            <button class=\"button small video--options\">Cookie-Einstellungen bearbeiten<\/button>\n        <\/div><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<div>\n<h2 class=\"primus--row-headline\">Harald Welzer: \u201eDemokratie ist analog\u201c \u2013 Warum wir Orte der Begegnung brauchen<\/h2>\n<p>Der Sozialpsychologe und Zukunftsforscher Harald Welzer warb f\u00fcr mehr Orte der Begegnung als Grundlage einer lebendigen Demokratie. Der verbreiteten Erz\u00e4hlung einer zutiefst polarisierten Gesellschaft widersprach er: Millionen Menschen engagierten sich ehrenamtlich, unterst\u00fctzten ihre Nachbarn und \u00fcbern\u00e4hmen Verantwortung f\u00fcr das Gemeinwesen. Sie seien die wichtigste Ressource der Demokratie.<\/p>\n<p>\u201eDemokratie ist analog. Demokratie ist nicht digital\u201c, betonte Welzer. Die Algorithmen gro\u00dfer digitaler Plattformen wirkten aus seiner Sicht gemeinschaftszerst\u00f6rend und gef\u00e4hrdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Demokratie lasse sich deshalb nicht allein \u00fcber digitale Medien st\u00e4rken, sondern brauche Orte, an denen Menschen unmittelbar miteinander in Kontakt k\u00e4men.<\/p>\n<p>Mit dem Begriff \u201eWohnzimmer der Gesellschaft\u201c beschreibt Welzer offene Begegnungsorte wie Gemeindezentren, Bibliotheken oder Kneipen. Es gebe sie seit jeher, allerdings seien davon in den vergangenen 20 Jahren mehr als zwei Drittel verschwunden. Dem m\u00fcsse man entgegenwirken.<\/p>\n<p>Es gehe um R\u00e4ume, die wieder Gemeinschaft erm\u00f6glichen, weniger um Inhalte, erkl\u00e4rte Welzer. Gerade die Kirche verf\u00fcge \u00fcber R\u00e4ume, die sie f\u00fcr Begegnungen \u00f6ffnen k\u00f6nne. Statt immer neue Bildungsprogramme zu entwickeln, solle sie st\u00e4rker auf das Potenzial ihrer bestehenden Orte setzen. Sein Appell: weniger senden, mehr zuh\u00f6ren und Menschen erm\u00f6glichen, demokratisches Miteinander praktisch zu erleben.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"responsive-embed widescreen video\" data-youtube-opt=\"LYvOrvLU-Vg\" data-enhanced-privacy=\"true\">\n                    <!-- true --><\/p>\n<picture class=\"video--preview\"><source srcset=\" https:\/\/www.ekd.de\/1x,  https:\/\/www.ekd.de\/2x,  https:\/\/www.ekd.de\/3x\"><\/source><\/picture>\n<p>        <small class=\"image--copyright\">\u00a9<span class=\"show-for-sr\">Foto: <\/span><\/small><\/p>\n<div class=\"video--disclaimer\">\n<p>Ihre Cookie-Einstellungen verbieten das Laden dieses Videos<\/p>\n<p>            <button class=\"button small video--load\">Dieses Video trotzdem laden<\/button><br \/>\n            <button class=\"button small video--options\">Cookie-Einstellungen bearbeiten<\/button>\n        <\/div><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen Kirche und Diakonie die Demokratie st\u00e4rken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt f\u00f6rdern? 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