Wortlaut der Rede
Sehr geehrter Herr Staatssekretär de Vries, liebe Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei, und hier vor allem: liebe Geschwister!
Mit Respekt und Freude stehe ich hier – sowohl im Blick auf den scheidenden als auch kommenden EKD-Beauftragten für die Seelsorge in der Bundespolizei, lieber Karl-Hinrich und lieber Thomas. Mit Respekt und Freude, aber auch im Blick auf Sie alle, die Sie einen so wichtigen Dienst für unser Land und den Zusammenhalt leisten und dabei bisweilen buchstäblich Ihre Haut zu Markte tragen. Und deshalb – gestatten Sie mir dazu gleich eine eigene Impression: deshalb ist es mir an die Herzhaut gegangen, als Sie, lieber Herr Dr. Roman, mir bei meinem Besuch in der Bundespolizeidirektion mit ergriffener Anteilnahme den Gedenkort für im Dienst verunglückte und getötete Polizistinnen und Polizisten zeigten. Viele sind es über die Jahrzehnte, zu viele. Junge, ältere, hochmotivierte, engagierte und erfahrene Frauen und Männer, die den Beruf ergriffen haben – oder ist es nicht viel mehr Berufung? –, um die Freiheit unseres Landes zu schützen und die Welt auf ihre Weise zu einem besseren, friedlicheren Ort zu machen. Wie sie den Frieden braucht, diese verwundete Welt, in diesen Tagen!
Es ist diese Haltung, für andere da zu sein mit Herz, Mut und Verstand, dieser Gemeinsinn und der klare Wille, unsere demokratische Grundordnung zu erhalten, was uns zutiefst verbindet. Und genau deshalb ist der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland dankbar für das Privileg, besondere Beauftragungen zu vergeben – allemal für die Seelsorge in der Bundespolizei.
Mit Landesbischof i. R. Karl Hinrich Manzke hatten Sie, wenn ich das ein wenig salopp zusammenfassen darf, einen Hauptgewinn. Hochengagiert. Menschenfreundlich. Pastor durch und durch. Überzeugt von der Sinnhaftigkeit gerade dieser besonderen Seelsorge. Und überzeugend gegenüber Dritten, in Kirche, vor allem aber in Gesellschaft, wenn es gilt, die Polizistinnen und Polizisten im Bundesdienst zu würdigen. Und im Besonderen die Aufgabe der Seelsorgerinnen und Seelsorger zu stärken.
Denn Seelsorge bedeutet ja, immer den Menschen mit den Augen Gottes zu betrachten. Nicht nur die Uniform zu sehen, sondern den Menschen. Das ist unser Menschenbild. Den einzelnen Menschen in seiner Würde zu achten, seine Gefühle zu respektieren, seinen Sorgen ein waches Ohr zu leihen. Seelsorge ist nicht weniger als eine Profession. Für Sie, die Sie Ihrerseits hochprofessionell und gewandt täglich Ihre Aufgaben erfüllen. Und die Sie ja auch ein privates Leben leben, das man eben manchmal nicht so leicht abgrenzen kann vom Dienst. Im Gegenteil – ich stelle mir vor, dass die zunehmenden Belastungen durchaus mit dem eigenen Herz ins Haus und in die Familie kommen, auch wenn man es nicht möchte.
Seelsorgerinnen und Seelsorger sind genau dann da. An Ihrer Seite, um zu stärken und zu begleiten. Das braucht gar nicht immer so viele Worte. Nicht selten fehlen sie einem sogar. Es liegt auch Würde darin, Dinge unbeschreiblich bleiben zu lassen. Genau deshalb bedeutet Seelsorge manchmal einfach nur mit „aushalten“. Schweigen. Für den anderen beten. Und dann bedeutet es natürlich Kraft zu geben und Zuversicht. Und Gottes Zusage ins Leben zu bringen: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Seelsorge heißt, ohne Ende einen Raum der Vertraulichkeit zu halten, in dem offen gesprochen werden kann. Und natürlich ethische Orientierung zu bieten bei allem, was einen im Polizeiberuf umtreiben kann – weil es eben oft genug keine leichten Lösungen, sondern etliche Gewissenskonflikte gibt.
Als Beauftragter der EKD für die Evangelische Seelsorge in der Bundespolizei, lieber Karl-Hinrich Manzke, hast Du viele Jahre darüber gewacht, dass wir dieser Aufgabe als Kirche in der Zusammenarbeit mit den seelsorgenden Pfarrerinnen und Pfarrer nachkommen. Als aufsuchende Seelsorge für die mit dem geraden Rücken. Und das hast Du großartig gemacht. Du hast vorgelebt, wie elementar wichtig es ist, als Kirche ein verlässlicher Gesprächspartner zu sein – insbesondere nach krisenhaften Einsätzen, die ja bisweilen sehr tiefe Spuren in Menschen und Seelen hinterlassen. Mit klaren Worten hast Du deutlich gemacht, wie wichtig und stabilisierend die Polizei für unsere Gesellschaft ist, nicht zuletzt weil sie für unsere freiheitlichen Rechte einsteht. Gerade in ungewissen Zeiten wie diesen, in denen unsere Demokratie unter Druck geraten ist durch Angriffe, die wir alle miteinander nicht tolerieren können und dürfen.
Dass gesamtgesellschaftlich – und gewiss auch kirchlich- das Bewusstsein dafür gewachsen ist, was für einen bedeutsamen Dienst die Beamtinnen und Beamten als staatliche Ordnungskräfte leisten, ist die eine Seite. Dass sie andererseits auch zunehmend aggressiven Angriffen ausgesetzt sind, ist eine Entwicklung, der wir uns gemeinsam entgegenstellen müssen. Umso mehr lag Dir – und liegt uns in der EKD daran – darauf hinzuweisen, wie sehr Sie als einzelne Menschen immer wieder physischer und psychischer Bedrängnis ausgesetzt sind und wieviel Verantwortung Sie tragen.
Für Deinen unermüdlichen Einsatz danke ich dir von Herzen. Danke für alle Kraft, Liebe und Besonnenheit. So verabschieden wir Dich in großer Anerkennung von dem Amt als Beauftragter für die evangelische Seelsorge in der Bundespolizei. Du bist nun frei von allen damit verbundenen Aufgaben und Pflichten. Als Zeichen dafür reichen wir uns die Hand.
Gebet
Lasst uns beten: Treuer Gott, du schenkst deiner Kirche viele Begabungen und weckst in uns die Bereitschaft, dir und einander zu dienen.
Wir danken dir, dass du durch Karl-Hinrich Manzke so segensreich unter uns gewirkt hast. Nun bitten wir dich für seine Familie und ihn: Begleite sie auf ihrem Weg in die Zukunft. Denn du hast uns zugesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis die Erde endet. Amen
Segen
Gott segne deinen Blick zurück und deinen Schritt nach vorn.
Er lasse durch die Erfahrungen an diesem Ort dein Vertrauen wachsen und stärke deine Kraft für alles, was kommt. Bleib Gott befohlen auf all deinen Wegen, lieber Karl. So bleib behütet – bleib sehnsüchtig. Amen.
Musik: I did it my way
Und nun, liebe Festgemeinde, ist es mir eine Ehre, Landesbischof Thomas Adomeit als den neuen Beauftragten für die evangelische Seelsorge in der Bundespolizei einzuführen. Und – was soll ich sagen? Noch ein Hauptgewinn! Hochengagiert. Menschenfreundlich. Klug. Lebensnah. Ein überzeugter und überzeugender Seelsorger in allen Lebenslagen. Und der Bundespolizei und ihrer Seelsorge in den vergangenen Monaten bereits eng verbunden.
I do it my way… So, lieber Thomas, übernimmst Du nun also den Staffelstab mit dem Dir eigenen Profil. Ich bin von Herzen froh. Einen besseren als Dich hätten wir in der EKD wahrlich nicht finden können: ein so verlässlicher Kollege, feinsinniger Bischof und herzlich zugewandter Mensch.
Deine Aufgaben und Pflichten nun richten sich auf die Zukunft. Das bedeutet, immer wieder nachzufragen: Was braucht die Bundespolizei von uns?
Liebe Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei: Was brauchen Sie von uns? Jetzt und in Zukunft?
Ich vermute: Um weiterhin verlässliche Gesprächspartner zu sein, ist wichtig, dass wir präsent sind. Mit Herz, Mut und Verstand. Und dem offenen Ohr. Jede Beamtin und jeder Beamte muss wissen, dass es uns gibt und wo wir sind. Sie müssen wissen, dass jemand hinhört. Und dass jemand ihre Anstrengung, Anspannung, ihre Träume und ihre Gewissenskonflikte kennt. Und Ihre Ängste natürlich auch. Sie müssen wissen, dass sie nicht allein sind. Gott ist da. Wir sind da.
Und Du, lieber Thomas, bist da. Sowas von. Du weißt, was es heißt Präsenz zu zeigen. Hände zu reichen. Aufrichtig Wertschätzung zu vermitteln. Ja, Würdigung ist Dein Leitungsprinzip, das strahlst du aus. Du bist der geborene Verständigungsmensch. Einer, der die Interessen der einen zu den anderen trägt und miteinander verbindet. Der das gemeinsame Ziel sucht. In diesem Sinne verbindendes Scharnier zu sein, ist eines deiner großen Talente. Wie wichtig ist dies bei dieser Seelsorge: Dass EKD und Bundespolizei voneinander wissen, aneinander Anteil nehmen, Einschätzungen gewinnen. Und dass die Beamtinnen und Beamten gestärkt und begleitet werden in aufrichtiger Solidarität – und das mag ja bisweilen kritische Solidarität bedeuten.
Zu Deiner Einführung in das Bischofsamt sagtest Du: „Wir werden die Welt nicht heil machen können, aber wir können schon jetzt Gottes Segen weitergeben.“ Unsere Polizistinnen und Polizisten wissen in ihrem Arbeitsalltag nur zu gut von einer unheilen – manchmal unheilvollen – Welt. Deshalb möchte ich Dir schon jetzt dafür danken, dass Du bereit bist, Gottes Segen in der Evangelischen Seelsorge für die Bundespolizei weiterzureichen. Großzügig, wie es Deine Art ist. Denn Segen wird dringend benötigt; Gottesdienste, Gebete, sichtbare Zeichen der Liebe Gottes. Menschlichkeit, die den Hassrednern die Stirn bietet. Segen als Lebenskraft. Resilienz. Als Back-Up. Gegen die Angst. Als Ermutigung und Rückgrat – auch für die Polizeiseelsorgerinnen und Seelsorger, denen ich an dieser Stelle für ihren Dienst von Herzen danke. Segen – er trägt vor dem Einsatz, nicht nur danach. Wie ein Reisesegen für unwägsames Gelände. Damit alle ihren Job gut machen und behütet sind. Dass alle heil zurückkommen.
Lieber Thomas, für Deine neue Aufgabe als Beauftragter des EKD-Rates für die Evangelische Seelsorge in der Bundespolizei wünsche ich Dir Aufmerksamkeit, Kraft und Klarheit. Sei furchtlos und herzlich. Also, sei einfach Du selbst.
Gottes reicher Segen nun geleite auch dich. Mit einem der ältesten Bibelworte, das dich der Zukunft entgegen senden möge. Es steht im 4. Buch Mose und klingt am schönsten in unserer Herzenssprache des Nordens:
De Herr segen di und hool sien Hannen över di.
De Herr seh di fründli an
Und wees di gnädi.
De Herr loot sien Oogen
in Leevde oo di rohn und geev di Freeden.
Amen.
Bittlied um den heiligen Geist
Lesungen zur Übernahme einer Beauftragung – Mt 28, 18b-20 und Jer 9, 22f
Lieber Bruder Thomas Adomeit, bist du bereit, den Dienst als Beauftragter für die evangelische Seelsorge in der Bundespolizei zu übernehmen und bist du bereit, die Menschen, die dir in deinem Dienst anvertraut sind, zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern – so bezeuge es vor Gott und dieser Gemeinde mit deinem Ja.
Ebenso frage ich euch, liebe Beamtinnen und Beamten, liebe Seelsorgerinnen und Seelsorger, wollt ihr Thomas Adomeit unterstützen und ermutigen und versprecht ihr, mit ihm zusammen Gott und den Menschen zu dienen, so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.
Lieber Bruder Thomas Adomeit, im Gehorsam gegen den Auftrag, den der Herr seiner Kirche gegeben hat, und im Vertrauen auf seine Verheißung führen wir dich ein als Beauftragter für die evangelische Seelsorge in der Bundespolizei. Tu deinen Dienst im Vertrauen auf Gott, der bei uns ist an allen Tagen unseres Lebens.
Wir beten: Gott, du leitest deine Kirche durch dein Wort. Wir bitten dich: Stärke Thomas Adomeit mit den Gaben deines Geistes. Gib ihm Kraft und Mut bei allen Herausforderungen, die in seinem Dienst auf ihn zukommen. Begleite auch Petra und seine Familie. Gib ihm Menschen an die Seite, die ihn ermutigen und unterstützen. Dies bitten wir dich im Namen deines Sohnes Jesus Christus. Amen