Sie habe damals „nicht eine Sekunde überlegt“, sagt Maria Kalesnikava, die heute in Berlin lebt, zum Beginn ihres Engagements für die belarusische Opposition. Auch die Erfahrungen im Gefängnis hätten sie nicht an der Richtigkeit ihrer Entscheidung zweifeln lassen.
Während der Isolationshaft habe sie „die riesige Liebe“ ihrer Familie und „die Solidarität von Menschen auf der ganzen Welt“ aufrecht gehalten. Auch die Kunst habe ihr sehr geholfen. „Man trägt immer mehrere Welten in sich. Das gibt unglaubliche Kraft.“
Kirche kann in Krisenzeiten diplomatisch wirken
Die Kirche, besonders in Deutschland, ist für die Bürgerrechtlerin „ein Kern der europäischen Zivilisation“. In Philosophie, Musik, Architektur und bildender Kunst habe sie einen prägenden Einfluss – „das ist die DNA der europäischen Kultur“. Auf der anderen Seite könne die Institution Kirche auch in schwierigen Situationen politisch-diplomatisch wirken. So seien im letzten Jahr etwa auf Initiative des Vatikans gefangene Gläubige und Geistliche verschiedener Konfessionen in Belarus freigekommen. Man müsse eben einfach etwas tun, betonte Kalesnikava. „Alle müssen Mut haben – das gilt auch für die Kirchen.“
Es sei gerade eine gefährliche Zeit in Europa, aber es gebe auch Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. „Wir müssen für die Demokratie kämpfen“, so Kalesnikava. „Das heißt: Jeder von uns muss jeden Tag etwas machen, um die Demokratie zu stärken.“ Die Veränderung fange bei jedem einzelnen an. Gute Taten würden klein beginnen und sich dann verbreiten – über die Familie, die Nachbarschaft und weiter, in „Wellen der Güte“. Wenn alle aktiv würden, „bekommen wir einen Tsunami der guten Taten, der sich über die ganze Welt verbreitet“.