Der soziale Nahbereich ist für die Kirchen also kein neues Spielfeld. Seelsorge könne von den anderen Akteuren lernen, Kooperationen und Kollaborationen bedeuteten keinen Imageverlust, unterstrich Holger Nollmann, Referent für Kirche im Sozialraum.
Der Wunsch nach mehr Seelsorge-Ausbildung kam während der Tagung mehrfach zum Ausdruck. Seelsorge müsse als „Markenkern der Kirche“ schon im Theologiestudium eine größere Rolle spielen, forderte etwa Heike Merzyn, Beauftragte für Gottesdienstberatung am Michaeliskloster Hildesheim. Es gehe um die Vermittlung einer „seelsorgerlichen Haltung“.
Peer-to-peer-Seelsorge als Kurs
Für seelsorgerliche Begegnungen, besonders außerhalb des kirchlichen Kernmilieus, brauche es „eine qualifizierte pastoralpsychologische Ausbildung in Seelsorge für alle Mitarbeitenden in kirchlichen Verkündigungsberufen“, sagte Merzyn. Andere sahen solche neuen Ausbildungsmodule aber auch kritisch und stellten die Frage nach ihrer Finanzierbarkeit.
Viel Seelsorge geschieht „zwischen Tür und Angel“ − bei Kasualien, im Konfiunterricht, bei Jugendgruppen oder auf Freizeiten. Wie bei der Telefon- oder Krankenhausseelsorge spielen auch hier Ehrenamtliche eine besonders große Rolle. Die Landeskirche Hannovers hat einen Kurs zur Peer-to-peer-Seelsorge in der Jugendarbeit entwickelt, der EKD weit Pioniercharakter hat. „Junge Menschen begleiten junge Menschen − das ist die Grundidee“, sagte die zuständige Beauftragte, Diakonin Sonja Winterhoff. Sie könnten so zu Rollenvorbildern werden. Die Jugendlichen würden auf Gesprächssituationen vorbereitet, es gebe Anleitungen zu Rollenspielen und ähnliches. Das Material für Grund- und Aufbaukurs ist für alle Interessierten verfügbar, der Ansatz sei auch auf andere Zielgruppen zu übertragen, betonte Winterhoff.