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Gemeinschaft als größter Schatz der Kirche – EKD


Viele Gemeinden kennen aber auch die Erfahrung, dass die gleiche Kerngruppe kommt und es kaum gelingt, neue Menschen zu gewinnen. Wie lässt sich das ändern?

Justus Geilhufe: Ich glaube, wir müssen lernen, unsere bestehenden Institutionen wieder neu zu stärken. Es gibt die Tendenz, vieles, was über lange Zeit gewachsen ist, als veraltet oder nicht mehr zeitgemäß anzusehen. Aber das stimmt so nicht. Wir haben in unserem Land viele gute Institutionen, von der Kirche bis zu den politischen Parteien. Sie brauchen Menschen, die sich dort engagieren und sie mit neuem Leben füllen.

Als Pfarrer sehe ich es auch als meine Aufgabe, junge und ältere Menschen dazu zu ermutigen. Wir müssen nicht immer alles neu erfinden. Wir können auch das, was scheinbar überholt ist, wiederbeleben.

Aber wie gelingt es, dabei nicht unter sich zu bleiben?

Bettina Schlauraff: Indem wir bewusst den Kontakt zu anderen suchen. Warum nicht etwas gemeinsam mit dem Heimatverein oder der Freiwilligen Feuerwehr organisieren? Wir sollten die Kirche als einen Ort stärken, an dem viel Gutes stattfinden kann. Aber wir dürfen dabei nicht nur auf uns selbst schauen. Entscheidend ist, dass wir mit den Menschen außerhalb unserer eigenen Gemeindegruppen in Kontakt kommen.

Haben Sie dafür ein Beispiel aus Ihrer Gemeinde?

Justus Geilhufe: Wir haben im Sommer einen jüdisch-christlichen Moped-Gottesdienst gefeiert. Da waren nicht nur jüdische und christliche Menschen zusammen, die ihre Leidenschaft fürs Mopedfahren teilen. Es kamen auch ganz unterschiedliche Generationen zusammen: Menschen, die erst seit zwei Wochen Moped fahren durften, und andere, die schon seit 60 Jahren auf Zweitaktern unterwegs sind.

Ich erinnere mich an wunderbare Begegnungen in unserem Pfarrgarten. Menschen haben sich über Stunden unterhalten, die sonst vermutlich wenig miteinander zu tun gehabt hätten. Über Generationen hinweg, und bestimmt ging es bei diesen Gesprächen nicht nur um die Motoren ihrer Fahrzeuge. Das war für mich ein Moment, in dem ich gesehen habe, was Kirche für unsere Gesellschaft leisten kann: Sie bringt Menschen zusammen. Darauf war ich sehr stolz.

Bettina Schlauraff: Ähnliche Erfahrungen haben wir in Sachsen-Anhalt gemacht. Im Vorfeld der Landtagswahlen haben wir geschaut, mit welchen anderen zivilgesellschaftlichen Kräften wir zusammenarbeiten können.

Dabei sind viele größere Veranstaltungen und Feste entstanden. Das waren nicht nur politische Demonstrationen, sondern Gelegenheiten, bei denen Menschen einfach zusammenkamen. Plötzlich begegneten sich unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, politische Milieus und Vereine, die sonst kaum Berührungspunkte haben. Weil ihnen eine gemeinsame Sache wichtig war, haben sie sich aufeinander eingelassen. Sie haben einander ausgehalten, manchmal miteinander gesprochen und vielleicht sogar zugehört. Das ist unglaublich viel wert.