Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem Menschen zusammengefunden haben, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären?
Da gibt es unzählige Beispiele. Eines davon ist ein Projekt in einem brandenburgischen Dorf. Eine Frau hatte die Idee, eine Küche für alle einzurichten. Daraus entstand eine Art Restaurant – allerdings ohne feste Speisekarte und ohne festes Budget. Menschen kommen zusammen, essen miteinander und lernen sich kennen. Auf diese Weise sind neue Kontakte und Gemeinschaften entstanden.
Das Entscheidende ist: Sobald man solche Räume öffnet, begegnen sich Menschen, die sich sonst nie kennengelernt hätten. So einfach ist das.
Wir vernetzen mit FUTURZWEI auch die verschiedenen „Wohnzimmer der Gesellschaft“ miteinander. Dabei treffen beispielsweise 14-Jährige auf 94-Jährige, die selbst solche Orte gestalten, bislang aber nichts voneinander wussten. Das ist gelebte Begegnung über Generationen hinweg.
Viele Kirchengemeinden verfügen über Gemeindehäuser und Räume, die nicht immer genutzt werden. Wie können sie daraus ein „Wohnzimmer der Gesellschaft“ machen?
Das ist eigentlich ganz einfach: Sie müssen die Türen öffnen. Und zwar regelmäßig. Menschen brauchen Verlässlichkeit. Man könnte beispielsweise sagen: Jeden ersten Sonntag im Monat oder jeden Montag um 17 Uhr ist unser Gemeindehaus geöffnet.
Dann gibt es Kaffee und Kuchen, vielleicht ein kleines Sportturnier oder irgendeine andere Aktivität. Entscheidend ist, worauf die Menschen vor Ort Lust haben und was sie selbst interessant finden.
Das Wichtigste ist aber: Man sollte dem Ganzen keine große programmatische Überschrift geben. Also nicht „Raum für Demokratie“ oder „Raum für Bildung“. Sondern einfach sagen: Wir machen hier das Wohnzimmer unseres Dorfes, unseres Stadtviertels oder unserer Straße auf. Alle können kommen. Und wir öffnen regelmäßig, auch wenn zunächst nur wenige Menschen vorbeischauen.
Was entgegnen Sie einer Kirchengemeinde, die sagt: Wir würden das gerne machen, aber uns fehlen die personellen und finanziellen Ressourcen?
Den Raum haben sie ja schon. Und das ist die Voraussetzung. Mehr braucht es zunächst nicht.