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Landeskirche rehabilitiert NS-verfolgten homosexuellen Pfarrer – EKD


Berlin (epd). Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat erstmals einen von den Nationalsozialisten verfolgten homosexuellen Pfarrer rehabilitiert. „Der Entzug der Ordinationsrechte von Pfarrer Friedrich Klein am 20. Januar 1943 durch das Konsistorium wird als Unrecht anerkannt und für nichtig erklärt“, heißt es in einem Beschluss der Kirchenleitung, der am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Die Rehabilitierung soll am 1. September in einem Gedenkgottesdienst mit Bischof Christian Stäblein öffentlich erklärt werden.

„Durch diese Unrechtbehandlung ist viel Leid über Menschen gekommen, die anders lebten und liebten und die auf schreckliche Weise diskriminiert wurden“, betonte Stäblein. Mit dem Gottesdienst solle deutlich gemacht werden, „dass vielen Menschen, auch im Namen der Kirche, schweres Unrecht widerfahren“ sei.

Arbeitsgruppe soll Diskriminierung aufarbeiten

Am 1. September 1935 verschärften die Nazis den Paragrafen 175, der einvernehmliche sexuelle Handlungen unter erwachsenen Männern seit 1871 unter Strafe stellte. Die Landeskirche werde 85 Jahre nach der Verschärfung dieses sogenannten Homosexuellen-Paragrafen 175 durch die Nazis Fälle von Diskriminierung aufarbeiten, hieß es. Dazu solle auch eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die sich mit Diskriminierung wegen der sexuellen Identität bis heute befassen soll.

Pfarrer Friedrich Klein (1905-1945) wurde den Angaben zufolge 1942 vom NS-Reichskriegsgericht wegen „Verführung eines 19 Jahre alten Mannes zu widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Kirche entließ ihn danach unter Verlust der geistlichen Rechte und Bezüge.


Der Gedenkgottesdienst beginnt am Dienstag, dem 1. September, um 19.30 Uhr in der Immanuelkirche in Berlin-Prenzlauer Berg.