Kurz darauf änderte der Welt-Fechtverband die Regel, dass der Handschlag verpflichtend sei und hob die Disqualifizierung von Charlan auf. Die Szene mache die vielfältigen Verflechtungen zwischen Sport, Politik, Wirtschaft und Medien deutlich, sagte Dabrock, der in Erlangen Professor für Systematische Theologie ist.
Sportprojekte könnten durchaus Teamgeist, Regelbefolgung, Kanalisierung von Gewalt durch fairen Wettbewerb sowie Respekt wecken und damit friedensförderlich sein, sagte er. Bevor man sich zu große Hoffnungen mache, was der Sport zwischen Staaten und Kontrahenten bewirken kann, solle man allerdings „moralische Luft rauslassen“ und bescheiden schauen, „welche Hoffnungspflänzchen doch noch nicht gänzlich verdorrt sind“.
Die Juristin Patricia Wiater von der Universität Erlangen verwies auf die Olympische Charta, die das Friedensgebot enthalte und sich zum Schutz der Menschenrechte bekenne. „Eine Gleichgültigkeit des Sports gegenüber Konflikten unter dem Deckmantel der Neutralität schließt dies aus“, sagte die Professorin für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Menschenrechte.
Das Internationales Olympische Komitee und internationale Verbände müssten allerdings klare Richtlinien entwickeln, welche Arten von Konflikten zum Ausschluss oder zur Suspendierung von Teams und Athletinnen führen sollen. Ansonsten stehe angesichts von weltweit 120 bewaffneten Konflikten der Vorwurf von Doppelstandards und Doppelmoral im Raum. Der Fachtag fand in der Evangelischen Akademie in Frankfurt am Main mit dem Titel „Sport in Zeiten von Krieg und Frieden“ statt.