Nürnberg (epd). Die Kirche St. Jakob in Nürnberg ist rappelvoll. Alle zählen gemeinsam die letzten Sekunden herunter. Danach bricht ein Jubelsturm in der Kirche aus. Das Organisationsteam in roten T-Shirts liegt sich in den Armen, denn sie haben es geschafft: 72 Stunden musizieren ohne Pause – Weltrekord.
„Es ist einfach mega. Wir haben es geschafft“, sagt Thomas Engelbrecht, Vizepräsident des Verbands evangelischer Posaunenchöre in Bayern. Er ist stolz auf die vielen Musikerinnen und Musiker genauso wie auf die Ehrenamtlichen, die bei der Organisation geholfen haben.
„Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Krisenmomente. Es lief wie ein Uhrwerk“, erzählt der Musiker freudestrahlend und mit müden Augen. In den vergangenen drei Tagen und Nächten hat er nur wenig Schlaf bekommen.
Auch Martin Schramm aus dem Organisationsteam war beinahe rund um die Uhr vor Ort. Er hat die Bläser begrüßt, ihnen geholfen, die richtigen Plätze oder die Toilette zu finden und die gespielten Musikstücke dokumentiert.
„Seit gestern 17 Uhr habe ich durchgemacht“, sagt er am Sonntagmorgen. „Mir fällt ein Stein vom Herzen. Man war immer etwas aufgeregt, ob es klappt oder nicht, aber es ist wirklich alles glattgelaufen.“
Mehr als Gottesdienstmusik
Fünf Jahre lang beschäftigte Thomas Engelbrecht die Idee mit dem Weltrekord. Seit einem Jahr ist er Vizepräsident des bayerischen Verbandes und kümmert sich auch um das Thema Öffentlichkeitsarbeit. „Da dachte ich mir, das ist der richtige Zeitpunkt.“
Der Weltrekord soll Posaunenchören Aufmerksamkeit verschaffen: „Wir sind keine Einzelkämpfer, sondern eine unglaubliche Gemeinschaft, und wir werden oft unterschätzt.“
Engelbrecht kennt das Vorurteil, Posaunenchöre spielten nur bei Gottesdiensten und Beerdigungen. Dabei stecke viel mehr dahinter: „Wir sind eine vielfältige Gemeinschaft, offen für alle Menschen. Herkunft, Konfession oder Alter sind ganz egal.“
Rund 15.000 Menschen engagieren sich innerhalb des bayerischen Verbands in etwa 830 Posaunenchören. Die meisten davon sind in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beheimatet. „Doch auch freikirchliche Posaunenchöre, CVJM-Chöre, eingetragene Vereine und sogar ein katholischer Posaunenchor sind Teil unserer lebendigen Gemeinschaft“, heißt es auf der Homepage.
Zeitfenster von je 90 Minuten
Diese Vielfalt zeigte auch das Programm der Posaunenchöre bei der Weltrekordaktion. „Jeder Chor hat vorab eine Setlist eingereicht. Es waren Choräle dabei, Ständchen, Volkslieder, aber auch moderne Stücke. Sogar Weihnachtslieder wurden gespielt“, erzählt der Verbandsvizepräsident.
Seit neun Uhr am Donnerstag bis zum Sonntagmorgen wurde durchgespielt. Die 72 Stunden haben die Organisatoren in 48 Zeitfenster zu je 90 Minuten aufgeteilt. In jedem Zeitfenster wechselten sich drei Posaunenchöre ab. Nach 90 Minuten übernahmen die nächsten drei Chöre.
„Zwischen den Gruppen durfte maximal zehn Sekunden Abstand sein“, sagt Engelbrecht. Mehr als 2.000 Bläserinnen und Bläser aus Bayern, aber auch aus Sachsen, Baden-Württemberg und Hamburg hatten sich freiwillig gemeldet.