Ohne große Planung, aber mit viel Herz feiern Paare bei #einfach heiraten ihre ganz persönlichen Segensmomente.
Herzluftballons schweben an der Decke, auf den Tischen liegen kleine Konfetti-Herzen. Daneben liegen Gummibärchen und Kekse mit einer Zuckeraufschrift „einfach heiraten“. Der Sekt und die Torte stehen gekühlt bereit. Nur eins fehlt noch: Das erste Brautpaar.
Festlich geschmückt sind die Räumlichkeiten der Flughafenseelsorge in der Abflughalle B des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen am Freitagnachmittag. Denn die Flughafenkapelle ist eine von 370 Orten in Deutschland, die an der Aktion „einfach heiraten“ teilnehmen. Sechs Paare sagen an diesem Nachmittag „Ja“ zueinander.

Zwei Stunden liegen zwischen Antrag und Trauung
Das erste Paar, das an diesem Nachmittag den vielen Luftballons und Herzen folgt und durch die Tür tritt, sind Tiffany und Beny aus Hattersheim. Mit dabei: ihr kleiner Sohn. Voller Vorfreude begrüßen die vielen ehrenamtlichen Helfer*innen der Flughafenseelsorge die kleine Familie. Sofort sind alle beim Du.
Seit 14 Jahren sind Ben und Tiffany bereits standesamtlich verheiratet. Dass sie heute noch einmal Ja zueinander sagen werden, davon ahnte Tiffany am Morgen noch nichts.
„Er stand vorhin mit Blumen vor mir und ist auf die Knie gegangen“, erzählt sie noch sichtlich bewegt. Ihr Mann Beny hat alles heimlich vorbereitet, sogar passende Kleider hat er organisiert. Nach dem spontanen Antrag ging plötzlich alles ganz schnell: umziehen und schnell zum Flughafen.
In der liebevoll dekorierten Flughafenseelsorge dürfen die drei erst einmal ankommen. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um die letzten Formalitäten, Musikwünsche werden besprochen. „Unser Organist kann alles spielen, was ihr euch wünscht“, versichern die Helfer*innen. Tiffany und Beny entscheiden sich für Ein Kompliment von den Sportfreunden Stiller. Denn auch wenn das Heiraten an diesem Tag bewusst einfach gehalten ist, jede Trauung wird ganz individuell und persönlich gestaltet.
Daher gibt es vor jeder Trauung ein persönliches Gespräch in einem der Büros. Pfarrerin Christiane Eßer-Kapp nimmt sich Zeit, fragt nach der Geschichte des Paares, nach ihrem gemeinsamen Weg. Wenig später zieht die kleine Familie begleitet vom Orgelspiel von Bernhard Brandt-Hofmeister in die Flughafenkappelle ein. Gemeinsam nehmen Tiffany und Beny Platz, ihr kleiner Sohn sitzt auf dem Schoß seines Vaters.

Auch bei René und Grit Berger steht die Überraschung im Mittelpunkt. Seit 32 Jahren sind sie ein Paar, seit 28 Jahren verheiratet. „Ich habe wirklich nichts geahnt. Erst unten an der Treppe hat er mich gefragt, ob ich ihn nochmal heiraten würde“, erzählt Grit und lacht. Ganz unvorbereitet, in Alltagskleidung aber voller Liebe füreinander, sitzen die beiden wenig später in der Flughafenkapelle. Als Christiane Eßer-Kapp ihre Worte an das Paar richtet, rollen Tränen der Rührung.
Doch nicht nur spontane Überraschungen führen Menschen an diesem Tag an den Flughafen. Seit 40 Jahren gehen Gabi Münke und ihr Partner Lynn gemeinsam durchs Leben. Geheiratet haben sie nie. Während seiner Zeit bei der US-Armee lebten die beiden an unterschiedlichen Orten weltweit, eine Hochzeit haben sie jedoch nie gefeiert. Vor Kurzem entdeckt Gabi bei einem Besuch in Ulm ein Banner mit der Aufschrift „einfach heiraten“.
„Ich dachte sofort: Einfach klingt gut“
Vier Jahrzehnte gemeinsames Leben bekommen einen besonderen Segen
Da eine kirchliche Trauung ohne eine vorherige standesamtliche Hochzeit nicht möglich ist, entscheiden sich die beiden für eine Segnung. Diese gestalten Pfarrerin Mirjam Biskamp-Krämer und Diakon Georg Fischer gemeinsam ökumenisch. Für die beiden wählen sie eine Passage aus dem Buch Ruth. „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“ Ein Schlüssel-Satz, der nach vier gemeinsamen Jahrzehnten kaum treffender sein könnte.
„So individuell und persönlich habe ich mir das nicht vorgestellt“, sagt Gabi Münke, nachdem sie die Hochzeitstorte angeschnitten hat. Besonders berührt habe sie, mit wie viel Liebe zum Detail alles vorbereitet wurde und mit welcher Herzlichkeit alle dabei sind. sie habe sich sofort wohl gefühlt.
Viele helfende Hände machen besondere Momente möglich
Zwischen all diesen Momenten sorgt Bernhard Brand-Hofmeister an der Orgel für den passenden Klang. Er spielt genau das, was sich die Paare wünschen – auch spontane Sonderwünsche sind willkommen. Von Bach bis Rammstein verleiht er den Trauungen musikalisch die persönliche Note. Überhaupt lebt dieser Tag vom Engagement der vielen Menschen, die ihn möglich machen.
Pfarrerin Mirjam Biskamp-Krämer und Referentin Christiane Eßer-Kapp begleiten die Zeremonien, Ehrenamtliche empfangen die Paare, dekorieren, reichen Sekt, stellen die Torten bereit und kümmern sich um jedes noch so kleine Detail. Jedes Paar soll sich wohlfühlen.
„Die Truppe ist so schön, es macht unglaublich viel Spaß, das für die Paare hier zu machen“, sagt eine Helferin zwischendurch. Und genau dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Tag.
Einfach heiraten
Die Paare kommen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Manche sind frisch verliebt, andere seit Jahrzehnten zusammen. Einige sagen zum ersten Mal Ja, andere entscheiden sich bewusst dafür, ihre Liebe noch einmal zu feiern. Sechs Paare geben sich in der Flughafenkapelle das Ja-Wort, ohne große Vorbereitung und aufwändige Planung. Sie können sich ganz auf sich und ihren Moment fokussieren und genießen.
Einen Satz fällt dabei bei allen Paaren, bevor sie die Flughafenseelsorge an diesem Tag verlassen: „Vielen Dank! So schön habe ich es mir nicht vorgestellt!“
Text: Franziska Weiß