Evangelische und katholische Schüler werden ab diesem Schuljahr im Schulfach „Christliche Religion“ gemeinsam unterrichtet. Es soll den konfessionell getrennten Religionsunterricht schrittweise ablösen.
Hannover (epd). Heute startet an Niedersachsens Schulen der neue Religionsunterricht „Christliche Religion“. Das bundesweit einmalige Schulfach wird von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam verantwortet und von heute (13. August) an zunächst in den Klassen 1 und 5 unterrichtet. Die Teilnahme ist verpflichtend, es besteht aber die Möglichkeit zur Abmeldung und zur Teilnahme am Ersatzfach „Werte und Normen“. In den Folgejahren soll „Christliche Religion“ an allen allgemeinbildenden Schulen den bisherigen konfessionell getrennten Unterricht schrittweise bis Klasse 10 ersetzen.
Mit dem neuen Schulfach reagiere das Land auch auf die wachsende konfessionelle, religiöse und weltanschauliche Pluralität in den Schulen, teilte das Ministerium mit. Das Fach „Christliche Religion“ trägt der veränderten religionssoziologischen Situation und schulorganisatorischen Bedingungen Rechnung. Die Kirchen erhoffen sich von dem neuen Fach eine Stärkung des Religionsunterrichts sowie der Ökumene. In den ersten beiden Jahren wird die Einführung Forschenden der Universitäten Osnabrück und Göttingen begleitet.
Im Mai wurde der neue Religionsunterricht „Christliche Religion“ vorgestellt. Mit dem bundesweit einmaligen Fach setze Niedersachsen ein wegweisendes Zeichen für Dialog, Kooperation und moderne religiöse Bildung, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) bei der Vorstellung der Lehrpläne in Hannover.
Dankbar für das Erreichte zeigten sich auch die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, und der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Prälat Felix Bernard. Lob kam von den Regierungsfraktionen von SPD und Grünen im Landtag.
Die neuen Kerncurricula stellen den Angaben zufolge die Lebenswirklichkeit junger Menschen stärker als bisher in den Mittelpunkt und setzen sie in Beziehung zu den christlichen Ressourcen und interreligiösen, gesellschaftlichen und interdisziplinären Perspektiven. Das Fach eröffne damit neue Räume für Dialog, Perspektivwechsel und Verständigung in einer vielfältigen Gesellschaft.
Gäfgen-Track erläuterte: Es gehe darum, die Jugendlichen fit zu machen für eine herausfordernde Zukunft, ihnen die Augen zu öffnen für ein „nicht-fundamentalistisches Verständnis von Religion“. Dazu gehöre die Frage, wie Religionen zum Frieden beitragen können. „Religion ist immer dann gut, wenn sie gebildete Religion ist“. Die evangelische Theologin warnte: Das Wissen um die christliche Religion schwinde. „Diese Gesellschaft verliert ihre christliche, religiöse und kulturelle Prägung mehr und mehr.“ In die Lücke drängten Populismen und Fundamentalismen.
Prälat Bernard betonte, das neue Fach solle die Unterschiede zwischen den Konfessionen nicht nivellieren und verwies auf die Fortschritte der Ökumene in den vergangenen Jahrzehnten. Die Gemeinsamkeiten seien „viel größer als das Unterscheidende“. Er hoffe, dass der neue Unterricht die Ökumene weiter fördere.
In Niedersachsen nahmen nach der jüngsten verfügbaren Statistik des Kultusministeriums mit Zahlen vom August 2025 an den allgemeinbildenden Schulen rund 522.000 Kinder und Jugendliche an einem christlichen Religionsunterricht teil. Das waren 63,3 Prozent aller Schüler. Der Anteil der Schüler, die einer der beiden großen Kirchen angehören, betrug 49,4 Prozent. Im Jahr 1995 lag er bei 80,7 Prozent.