Schulseelsorge: „Auch ein Millimeter zählt“
Die Schulseelsorgenden in der Landeskirche Hannovers arbeiten systemisch, wertschätzend und ressourcenorientiert. „Meine Aufgabe ist es, anzudocken“, beschreibt Arnim Hermsmeyer seine Rolle. Sein Gegenüber entscheide selbst, was hilfreich für ihn ist. Denn nach systemischem Ansatz ist und bleibt die Person auch im Beratungskontext Expert*in für das eigene Leben. Statt schnelle Lösungen anzubieten, gehe es zunächst ums Zuhören und darum, Schmerz ernst zu nehmen. Floskeln wie „Das wird schon wieder“ oder „Die Zeit heilt alle Wunden“ seien weder hilfreich noch zielführend. Im Seelsorgegespräch gehe es auch darum, Möglichkeiten aufzuzeigen und erste Schritte anzudenken. Wenn die Schüler*innen neue Perspektiven entdecken, könnten sie Entscheidungen treffen und so Selbstwirksamkeit erleben.
„In einer Krise ist es manchmal schon ein großer Schritt, sich nur einen Millimeter zu bewegen“, sagt Arnim Hermsmeyer. „Und auch diesen Millimeter muss man würdigen.“ So wird Schulseelsorge zu einem Ort, an dem Menschen erleben: Ich werde gesehen. Ich darf mit meinen Fragen kommen. Und ich bin mit dem, was mich bewegt, nicht allein.
Immer mehr Menschen lassen sich für die Schulseelsorge ausbilden
In der Landeskirche Hannovers gibt es ein Ausbildungsprogramm für Schulseelsorgende mit systemischem Charakter. Mehr als 500 Menschen hat die Landeskirche inzwischen für die Schulseelsorge ausgebildet. Darunter sind Pastorinnen und Pastoren, mehrheitlich jedoch Lehrkräfte des Fachs Religion. Die Qualifizierung umfasst sieben Seminare und Supervisionen. „Die Kurse sind immer voll, oft sogar überbucht“, erzählt Arnim Hermsmeyer. Besonders auffällig: Immer mehr jüngere Lehrkräfte und Menschen aus Grundschulen interessieren sich dafür. Viele wollen ihren Blick erweitern und Kinder und Jugendliche nicht nur fachlich begleiten. Denn die Nachfrage nach Schulseelsorge – auch seitens der Schulen – sei hoch. „Die Schulen wünschen sich Seelsorger, weil sie eine Lücke füllen“, beschreibt der Schulpastor und ergänzt: „Das ist eine gute Entwicklung.“
Schulseelsorge ist für alle da
Schulseelsorge richtet sich dabei nicht nur an die Kinder und Jugendlichen der Schule. Auch Lehrkräfte, Mitarbeitende der Verwaltung oder Schulleitungen suchen das Gespräch. „Schulseelsorge ist für alle da“, sagt Arnim Hermsmeyer. Denn auch die Kolleg*innen bräuchten Räume für Reflexion, Austausch und Selbstfürsorge.
Text: Franziska Weiß