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Kirche startet Winzerseelsorge – EKD


20 bis 30 Prozent der Betriebe könnten als Folge der aktuellen Krise ganz aufgeben, lautete eine Prognose der Mainzer Landesregierung aus dem vergangenen Jahr. Die außerordentliche Notlage vieler Betriebe bestätigt auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz. Die Nachfrage nach Wein ist in Deutschland und anderen europäischen Staaten zuletzt stark zurückgegangen. Zugleich hätten sich etwa Energie und Dünger drastisch verteuert, sagt Verbandssprecher Andreas Köhr: „Die Kosten im Weinbau sind völlig durch die Decke gegangen.“ Vor allem Betriebe, die kaum oder keinen eigenen Flaschenwein herstellen, sondern ihre Trauben an Großproduzenten liefern, seien betroffen.

Rollenbilder hinterfragen

Manuela Rimbach-Sator nennt weitere Probleme, etwa überbordende Bürokratie oder die willkürliche und sprunghafte Zollpolitik des US-Präsidenten Trump. „Manche, die auf den Export nach Amerika gesetzt haben, gehen jetzt in die Knie“, sagt sie. Andere Winzer wiederum stehen mittlerweile ohne Altersvorsorge dar, weil die von Pachteinnahmen für ihre Weinberge abhängt. Auch ein auskömmlicher Ruhestand durch den Verkauf des eigenen Betriebs ist längst nicht mehr garantiert.

Bei der Frage, ob das eigene Weingut noch fortgeführt werden soll, gehe es aber um viel mehr als um Gewinn- und Verlustrechnungen. „Man kann so etwas nicht allein betriebswirtschaftlich entscheiden“, sagt die Pfarrerin. Viele Familienbetriebe bestehen seit Generationen, haben bislang allen Krisen und sogar Kriegen getrotzt. Niemand wolle derjenige sein, der alles abwickelt.

Und genau hier kommt die Kirche mit ihrer Seelsorge ins Spiel – um verzweifelten Winzern Mut zu machen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen, über familiäre Rollenbilder zu sprechen oder über die Frage, ob ein Winzersohn automatisch auch Winzer werden muss.

Verband und Politik unterstützen

Dass die EKHN auf zwei Theologen im Ruhestand setzt und keine eigenen neuen Stellen dafür schafft, hat weniger mit den Kosten zu tun, als mit dem Konzept der Arbeit: Die Winzerseelsorge soll nicht wie eine weitere Beratungsstelle wirken, um Hemmschwellen bei der Kontaktaufnahme so niedrig wie möglich zu halten. Öffentlich, das wissen alle Verantwortlichen, klagen die Winzer selten laut.

Dennoch gibt es neben der Handynummer, über die Verabredungen angebahnt werden können, künftig zumindest auch ein Besprechungszimmer in Alzey. Sowohl der Winzerverband als auch die Landesregierung unterstützen das Vorhaben. Das Projekt leiste einen „Beitrag zur sozialen Stabilisierung im ländlichen Raum“, heißt es im zuständigen Landwirtschafts- und Weinbauministerium in Mainz. Ob der vermutete Gesprächsbedarf tatsächlich so groß ist wie vermutet, will die Kirche in einem Jahr überprüfen. Danach soll entschieden werden, wie es mit der Notfallnummer für die Winzer weitergeht.

Text: Karsten Packeiser (epd)