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Fußball-WM 2026: Schwester Nicole zwischen Begeisterung und Kritik – EKD


WM 2026: Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs

Neben den Rahmenbedingungen des Großereignisses sieht Schwester Nicole auch die wirtschaftlichen Strukturen im internationalen Fußball kritisch. Oft werde eine klare politische Haltung durch die wirtschaftlichen Interessen rund um große Turniere erschwert. „Wenn die Debatte erst während des Turniers läuft, ist es eigentlich schon zu spät“, sagt sie. Die Diskussion über Gastgeberländer, Menschenrechte und demokratische Standards müsse deutlich früher geführt werden.

Dabei nimmt sie nicht nur die FIFA in die Pflicht. Auch Verbände, Vereine und Fans müssten sich fragen, welche Signale sie senden wollen. Ein gemeinsames Auftreten großer Fußballorganisationen hätte aus ihrer Sicht durchaus Gewicht. „Wenn die gesamte UEFA für Europa sagen würde: So nicht, dann hätte das ordentlich Wumms“, sagt sie. Allerdings glaubt sie nicht, dass ein solcher Schritt realistisch ist.

Fußball verbindet: Warum Schwester Nicole am Ideal des Spiels festhält

Trotz aller Kritik bleibt ihre Liebe zum Fußball bestehen. „Ich liebe den Fußball auf eine irrationale Weise“, sagt sie und lacht. Seit ihrem vierten Lebensjahr hat Schwester Nicole mit Fußball zu tun. „Ich habe eine Bolzplatzsozialisierung erlebt“, blickt sie zurück.

Die Ordensschwester ist in Hamburg aufgewachsen, in einer sozial schwierigen Region, wie sie erklärt. Ihre Freizeit verbrachte sie auf dem Fußballplatz – gemeinsam mit vielen anderen Kindern. „Fußball ist ein einfaches Spiel. Da braucht es nicht viele Worte“, sagt sie. Deshalb sei Fußball über Sprach- und Ländergrenzen hinweg so leicht spielbar. Der Sport lehre Kinder viel fürs Leben. Neben Teamgeist schärfe das Spiel auch den Blick für den nächsten Spielzug und die Mitspieler.

„Ich halte am Ideal vom Fußball fest“, erklärt Schwester Nicole. „Fußball verbindet, das ist mehr als nur eine romantische Vorstellung.“ Wenn ihr Menschen als Ordensschwester mit großer Distanz begegneten, sei es oftmals das Gespräch über den Fußball, das diese Distanz abbauen und Brücken schlagen lässt. „Fußball verbindet, schafft Nähe“, sagt sie. Welt- und Europameisterschaften seien dafür besonders geeignet.

Fußball-WM 2026: Der Traum vom Spiel um des Spiels willen

So fußballbegeistert wie Schwester Nicole sind allerdings nicht alle ihrer Mitschwestern. Ab dem Halbfinale, vermutet sie, werden einige von ihnen aber doch mitschauen. Alle anderen Ergebnisse erfahren sie aber weiterhin an Schwester Nicoles Bürotür. Die Ordensschwester verfolgt den Traum eines Bolzplatzkindes, wie sie sagt: eine Weltmeisterschaft, bei der wieder ganz der Fußball und der Sport im Mittelpunkt stehen.

Text und Interview: Franziska Weiß